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#1881 - 01/05/2003 22:16 DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
30.04.2003
-----------------------------------------------------------

Kurzprotokoll

Veranstaltung: VII. Sitzung des Gesprächskreises Irak
Datum: 30. April 2003
Ort: Hotel Novotel, Berlin
Sitzungsdauer: 11:45 - 12:50 Uhr
Referenten: Dr. Ludolf von Wartenberg, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Präsidiums Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.
Dr. Claude-Robert Ellner, Deutscher Geschäftsträger in Bagdad
Dr. Horst Freitag, Leiter des Sonderstabes Irak, Auswärtiges Amt
Dr. Bernd Jäckel, Referent Arabischer Länder, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Werner Knapp, Referent für Irak, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Den Vorsitz der Sitzung des Gesprächskreises Irak hatte Herr Dr. Ludolf von Wartenberg als Moderator inne.
Nach der Begrüßung und einer Einführung in die Thematik, berichtete der Vertreter der deutschen Botschaft in Bagdad, Herr Dr. Claude-Robert Ellner, über die derzeitige Situation im Irak. Er sprach über die Plünderungen in der irakischen Hauptstadt, die auch die dort ansässige Botschaft in Mitleidenschaft gezogen hatte. Aus diesem Grunde wurde vom Auswärtigen Amt eine Kommission gebildet, die sich unter Konsultation mit anderen europäischen Staaten mit dieser Problematik auseinander setzen wird. Zusätzlich apellierte Herr Dr. Ellner an die deutschen Industrie- u. Handelsvertreter, die ihre Prioritäten hinsichtlich der irakischen Bevölkerung auf 1. Lebensmittel und Medikamententransporte sowie 2. auf die Lieferung von Ersatzteilen setzen müssen.
Weiterhin erläuterte Herr Dr. Ellner, dass aus dem Irak ein föderativer Staat mit drei Haupteilen - einer Zentralregierung in Bagdad und einem autonomen kurdischen Staat im Norden - und einem schiitischen Teil im Süden - entstehen soll. Seiner Ansicht nach, ist der Norden (Kurdistan) auf einem erfolgreichen Weg der Demokratisierung, wo deutsche Geschäftsleute investieren können und wo eine derzeitige Positionierung der deutschen Wirtschaft wichtig sei. In diesem Kontext hat er auf die bevorstehende Bagdad-Messe im November 2003 hingewiesen.
Zum Thema humanitärer Hilfe sprach Herr Dr. Ellner die Bedeutung der deutschen Kontakt- und Bestandsaufnahme an, wobei noch nicht geklärt ist, wann genau deutsche Vertreter nach Bagdad reisen können.
Daraufhin hatte der Leiter des Sonderstabs Irak, Herr Dr. Freitag, das Wort. Die Aufgabe sei es nun, sich mit allen denjenigen, die im Irak tätig sind, zu beschäftigen und zu koordinieren, bis die politischen Rahmenbedingungen für die Tätigkeit der deutschen Wirtschaft geschaffen sind.
Er informierte über die deutschen Maßnahmen der humanitären Hilfe für die irakische Bevölkerung, die sich derzeit auf 50 Millionen Euro beliefen.
Zum Ende machte Herr Werner Knapp deutlich, dass noch immer ein umfassendes Exportverbot bezüglich des Iraks bestehe. Alle legalen Exporte müssen weiterhin genehmigt werden, inklusive der Güter, die der humanitären Hilfe zu Gute kommen.
Nach den Redebeiträgen der geladenen Gäste waren nun Firmenvertreter aufgerufen, gezielte Fragen zu stellen.
In diesem Rahmen wurde die Problematik der Geschäftsbeziehungen mit dem ehemaligen irakischen Regime angesprochen, wobei Firmen ihre Befürchtungen hinsichtlich begonnener Produktionen und bereits gelieferter Waren kund taten. Themen waren auch die Regelung der Schulden des ehemaligen Iraks, fehlende Ansprechpartner und entstandene Unkosten. Es wurde von den Firmenvertretern mehrfach verlangt, unbedingt eine Expertengruppe in den Irak zu entsenden, um Fact-Finding-Mission der Deutschen Wirtschaft vorzubereiten.
Diese und andere Fragen konnten nur teilweise durch persönliche Einschätzungen und Analysen von Herrn Dr. Freitag und Herrn Dr. Ellner beantwortet werden.

Seitens der Deutsch-Arabischen Gesellschaft nahmen an der Sitzung u.a. teil:
Herr Dipl.-Ing. Däubel, Fa. Trapp AG, Wesel, für unsren Vizepräsidenten Dr. Trapp,
Herr Olaf Herde, GESCO, Salzgitter
Herr Horst Jürgen Lahmann, DAC, Bremen
Herr Dr. Said Al Sadi, Berlin
Herr Ibrahim Schatlo, Bonn, Wirtschaftreferent der D-A-G
Herr Heinz-Jürgen Witzke, Beta-Verlag, Bonn, Beiratsmitglied der D-A-G

Ende der Sitzung:12:50 Uhr

Aufgestellt: Schatlo & Eileen Maternowski, Berlin, den 30.05.2003

Ergebnis:
Die Deutsch-Arabische Gesellschaft wird werden an dem Projekt einer Delegationsreise in den Irak festhalten, weil wir schon jetzt erneute Kontakte anbahnen konnten. Insbesondere werden wir auch den kurdischen Norden besonders berücksichtigen, wo die Strukturen nicht neu geschaffen werden müssen.

Bitte sehen Sie sich folgende Seite an:
http://www.d-a-g.de/wirtsch_irak.html

hoch
#1882 - 08/05/2003 06:22 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
Moderatorin
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Ort: Gera
DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
07.05.2003

Inhalt:

1. Texanische Absahner: Bechtel Konzern,
Amerikas Kriegsgewinnler No. 1

2. Irak-Öl bringt die Opec ins Schwimmen

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1. Die texanischen Absahner

Bechtel awarded Iraq contract: War profits and the US military-industrial complex
By Joseph Kay
29 April 2003
WSWS : News & Analysis: Iraq 29.04.03

On April 17 the US Agency for International Development (USAID) awarded a contract worth $680 million to Bechtel Corp., a private company with close ties to the Republican Party and the Bush administration.
The outcome of a secretive bidding process open only to a select group of American corporations, the contract is the latest and largest in a series of windfalls for corporate America following the overthrow of the Saddam Hussein regime.
The areas covered by the contract include the rehabilitation of Iraq?s power, water and sewage systems that were destroyed in the bombing campaign, rehabilitation of airports, and the dredging of the Umm Qasr port. Bechtel?s future work in the country will also likely include repair and reconstruction of hospitals, schools, government buildings and irrigation and transportation systems.
Bechtel stands to gain much more than the initial contract. USAID officials have indicated that the final price tag will run into the tens of billions of dollars. Much of this work?which includes operations in nearly every important area of the country?s infrastructure?will go to Bechtel and its subcontractors. ?This has never been done before?an American corporation rebuilding an entire foreign country,? noted Daniel Brian, Executive director of Project of Government Oversight, which is based in Washington DC.
Previous contracts included a multi-billion dollar deal secured by Halliburton, a company previously headed by Vice President Dick Cheney. The cost-plus-profit contract was awarded without competition to Halliburton?s subsidiary, Brown & Root, which was also one of the six original contenders for the contract awarded to Bechtel. Brown & Root eventually opted out of the bidding process after charges of favoritism were raised. Cheney still receives up to $1 million a year from Halliburton as part of his severance package.
Other American corporations that have won contracts include Research Triangle Institute, which will receive up to $167 million for work in local governance services, and Creative Associates International, which won a $62.2 million contract to rebuild Iraq?s devastated educational system.
All of these costs will initially be paid by American taxpayers, who will also pay for the bombs used to destroy Iraqi infrastructure in the first place. The rest of the burden will fall on the Iraqi people, as the US loots the country?s oil resources to pay off the huge corporate contracts.
In an attempt to answer charges of political favoritism, USAID spokesman Luke Zahner argued, ?The reality is that there are only a few companies that can handle a contract of this size.? There is a grain of truth in this. A handful of giant companies dominates the market for contracts like that awarded to Bechtel, and all of them have political connections. In addition to Halliburton, the other major competitor is Fluor Corp., which has on its board a former head of the National Security Agency and deputy director of the CIA, in addition to other military ties.
During last month?s anti-war demonstrations, Bechtel headquarters in San Francisco was targeted by protesters who saw the company as a critical part of the military-industrial complex that is closely aligned with the Bush administration. The company is the 17th largest defense contractor in the country. Between October, 2001 and September, 2002, the Defense Department paid Bechtel $1.03 billion, nearly 10 percent of Bechtel?s total revenue of $11.6 billion in 2002.
The Center for Responsive Politics, a government watchdog organization, reports that all six companies that were originally allowed to bid for the contract are heavy donors to American politicians, particularly to the Republican Party. Combined, they gave $3.6 million between 1999 and 2002, 66 percent to Republicans. Bechtel itself contributed $1.3 million of this.
But Bechtel?s connections extend far beyond campaign contributions. The company has operated for decades as a halfway house for Republican politicians and military officials heading both into and out of government service.
One of Bechtel?s senior vice presidents is Jack Sheehan, who is also a member of the Defense Policy Board, which advises Secretary of Defense Donald Rumsfeld. Right-wing forces closely aligned with Rumsfeld dominate the defense board. Its former head was Richard Perle, a vociferous advocate of war in Iraq who was forced to resign as chairman when conflicts of interest relating to his connection with telecommunications giant Global Crossing were revealed last month.
Sheehan is responsible for Bechtel?s petroleum and chemical operations, and oversees the execution and strategy for the company?s activities in the Middle East, Europe, Africa and Southwest Asia. He is a retired four-star general who served as commander-in-chief of US Atlantic Command until 1997. He also served as a special advisor for Central Asia in the Clinton administration.
Bechtel?s chairman and CEO, Riley Bechtel, was appointed by Bush to the Export Council, which advises the president on international trade issues.
George Shultz served as the president of Bechtel for seven years, in between his posts as Nixon?s treasury secretary and Reagan?s secretary of state. After leaving government, Shultz again joined Bechtel, taking a seat on the company?s board of directors, a post he still holds today. Shultz chairs the advisory board of the Committee for the Liberation of Iraq, a right-wing outfit that was critical in manufacturing a justification for the war.
Caspar Weinberger was Bechtel?s general counsel from 1975 to 1981, before joining the Reagan administration as secretary of defense.
The list goes on. The head of USAID, Andrew Natsios, was at one time the director of Boston?s Big Dig project, a multi-billion-dollar construction operation run by Bechtel and another firm. William Casey, who served as chairman of the Securities and Exchange Commission under Nixon, head of the Export-Import Bank under Ford, and head of the CIA under Reagan, was a former Bechtel consultant. Richard Helms, Nixon?s CIA director, was another Bechtel consultant, as was Nixon?s Treasury Secretary, William Simon.
These are only the most prominent of Bechtel?s political connections. In his book, Friends in High Places: The Bechtel Story, Leon McCartney documents the close ties that emerged between Bechtel and the CIA during the 1950s. Former CEO Steve Bechtel had close ties with then-CIA Deputy Director Allen Dulles, and he served as the CIA?s liaison with the Business Council and other organizations linked to the intelligence agency. According to McCartney, Bechtel had a hand in the overthrow of Mossadeq in Iran and Sukarno in Indonesia, placing the company in a good position to do business with the pro-American dictatorships installed in their stead?at the cost of hundreds of thousands of workers? lives.
Thus, Bechtel?s exploitation of political connections and war for purposes of profit is not of recent vintage. The company began working in the Persian Gulf during World War II, and since that time Bechtel has played an important role in constructing pipelines and other infrastructure for US-backed regimes in Saudi Arabia and Bahrain, among others.
After the first gulf war in 1991, the company won a contract?which, according to some allegations, was greased with a payoff to the Kuwaiti monarchy?to carry out much of the cleanup work. The deal was worth an estimated $2 billion.
But the most revealing episode involves the Aqaba oil pipeline scheme, first reported by investigative journalists Jim Vallette, Steve Kretzmann and Daphne Wysham of the Sustainable Energy & Economy Network and the Institute for Policy Studies. The report, ?Crude Visions: How oil interests obscured U.S. government focus on chemical weapons use by Saddam Hussein,? published in March 2003, details the integrated attempt of the Reagan administration and Bechtel to secure the construction of an oil pipeline from Iraq to Jordan.
The negotiations were at their apex from 1983 to 1985, a period of ferocious fighting in the Iran-Iraq war. During this time the Iraqi regime used chemical weapons against Iranian forces, something subsequently cited as a justification for the overthrow of Saddam Hussein. At that time, however, the U.S. government showed little concern over the Iraqi regime?s use of so-called weapons of mass destruction.
On the contrary, Bechtel was among 24 American companies and 80 German companies that reportedly supplied Hussein with chemical, biological and nuclear weapons or equipment during this time. This is according to the Berlin newspaper Tageszeitung, which obtained parts of the uncensored version of Iraq?s weapons declaration submitted to the UN in December of last year. The US seized the original report and deleted all references to private firms before handing over the document to other UN Security Council members. Bechtel was cited as one company that provided chemical weapons technology.
The Reagan administration, and especially Secretary of State George Shultz (the former Bechtel president) and Donald Rumsfeld, then special envoy to the Middle East and now secretary of defense, were vigorously negotiating with Hussein for an oil pipeline to be constructed by Bechtel. The pipeline was designed to free up Iraqi oil and help to undermine the power of the Iranian regime of Ayatollah Khomeini.
The project was discussed in detail at meetings between Rumsfeld, Iraqi Deputy Prime Minister Tariq Aziz and Saddam Hussein in December 1983. Rumsfeld reported that Iraq was interested in the idea, but was concerned about the vulnerability of the proposed pipeline to attacks by Israel.
There followed a flurry of activity on the part of operatives in the American government, including then-Undersecretary of State for Political Affairs Lawrence Eagleburger, who is now on the board of directors of Halliburton, to ensure financing for the project and gain Israeli cooperation. On December 22, 1983, Eagleburger approved a memo urging the Export-Import Bank to begin financing Iraq, which he hoped ?would signal our belief in the future viability of the Iraqi economy and secure a US foothold in a potentially large export market.?
This pressure succeeded, and in June of 1984, the Ex-Im Bank approved $484.5 million for the project. The Overseas Private Investment Corporation, another government credit agency, also took interest in the plans. Support from these institutions was a way to indicate that the pipeline had the support of the government, without requiring that Congress approve the project.
Bechtel attempted to deal with the problem of Israeli cooperation through the intervention of Swiss billionaire Bruce Rappaport, who was a friend of Shimon Peres, the Labor Party leader and then-prime minister of Israel. According to Independent Counsel James McKay, who in 1985 opened an investigation into the role of Attorney General Edwin Meese in the project, ?Mr. Rappaport insisted in his discussions with Bechtel that...Israel would require a quid pro quo for a written security guarantee.?
McKay?s report continued: ?[Rappaport] then negotiated with Bechtel an exclusive oil-lift agreement including a 10 percent discount [for Rappaport]. It would generate substantial profits for him, a portion of which he intended to pay to Israel...?
In a letter to Meese, Rappaport indicated that, though ?it would be denied everywhere...a portion of these funds will go directly to Labor,? that is, into the coffers of the Israeli Labor Party.
In the course of his negotiations, Rappaport obtained the services of two more pillars of American imperialism, James Schlesinger and William Clark. Schlesinger is a former director of the CIA and served as secretary of defense under Nixon and Ford. Clark served in the Reagan administration as national security advisor and then secretary of the interior until 1985.
The Vallette report notes: ?In a project where the lines between corporation and government were often obscure, Clark obliterated them. While Rappaport was paying him, Clark apparently represented himself to the Iraqis as being on government business.?
Independent Counsel McKay?s investigation into Meese, which encompassed other breaches of financial and ethical regulations, eventually led to the attorney general?s resignation in May of 1986.
The Bechtel project for the Aqaba oil pipeline eventually fell through, when Hussein decided to reject it.
The Vallette report, written before the invasion of Iraq began, ended by noting: ?Bechtel?s long quest for a lucrative oil deal with Iraq may finally, after two decades of diplomatic efforts, be solved by brute force.?
While the motives driving the war extend beyond the immediate interests of one company, the decision to award Bechtel the largest reconstruction contract is an indication of the complete integration of the interests of corporate America with the political establishment, and the predatory aims that motivated the illegal and bloody attack on Iraq.

++++++++++++

2.

Irak-Öl bringt die Opec ins Schwimmen

Von THOMAS WELS (Rheinische Post, Düsseldorf)
6.05.03

DÜSSELDORF. Die 1680 britischen Pfund, die das Centre for Global Energy Studies (CGES) in London als Kongress-Gebühr verlangt, dürften gut angelegt sein. Jedenfalls für all jene, die sich für "Öl-Investitionen im Post-Saddam Irak" interessieren. Die Crê me de la Crê me des internationalen Öl-Business wird sich Anfang Juni im Pennyhill Park Hotel in Surrey die Klinke in die Hand geben. Öl-Manager werden Kontakte knüpfen, Milliarden von Dollar in marode Pumpen und Pipelines stecken - und damit möglicherweise das Todesurteil über die Opec sprechen.

Für die Analysten des Zentrums für weltweite Energiestudien CGES steht jetzt schon fest: Die Organisation der erdölexportierenden Länder wird eine massive Ausdehnung der irakischen Öl-Förderung schlicht nicht überleben. Die Londoner Analysten glauben, der Irak könne die Förderleistung innerhalb von neun Jahren auf acht Millionen Fass (zu 159 Liter) pro Tag hochfahren. Das wäre nicht nur eine Vervierfachung der Vorkriegsförderung, das gefährdete vor allem die Vormacht-Stellung Saudi Arabiens innerhalb des Kartells - mit unabsehbaren ökonomischen und politischen Folgen auch für das Königshaus.

Schon die Erhöhung der Irak-Förderung auf drei Millionen Fass "würde den alten Verteilungskonflikt mit den Saudis neu beleben", sagt Klaus Matthies, Öl-Experte beim Hamburgerischen Weltwirtschafts-Archiv. Schließlich war Saudi Arabien Profiteur der Kuwait-Krise: Die Prinzen sind in die Lücke gesprungen, die der Förderausfall von Irak und Kuwait mit drei Millionen Fass gerissen hat.

Wenn jetzt die USA ihre Pläne wahr machen, schon 2008 im Irak sechs Millionen Barrel Öl zu pumpen, dürfte dem saudischen Kassenwart unwohl werden. Die Saudis geben mehr aus, als sie einnehmen. Das Land braucht einen Rohölpreis von 27 Dollar, um das Haushaltsdefizit bei zwei Milliarden Dollar stabil zu halten, so die CGES. Aktuell kostet Opec-Öl 23,78 Dollar.

Leicht auszumalen, welche Folgen ein irakisches Förderprogramm in diesen Ausmaßen für die Preisdisziplin im Kartell hätte. Der Traum, endlich das lästige Preiskartell loszuwerden, rückt nahe wie lange nicht. Zugleich dürfte der Erhalt der saudischen Monarchie in Frage stehen - angesichts eines demokratisierten Irak als Nummer eins in Sachen Öl. Das Szenario von sinkenden Ölpreisen hat indes einen Pferdefuß. Was ist, wenn sich die "Iraker einen dauerhaften US-Einfluss nicht bieten lassen", wie es der Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, Harald M. Bock, vermutet?

Auch um dem vorzubeugen, wollen die USA mit der Privatisierung der irakischen Öl-Industrie Fakten schaffen. Und das beginnt im Pennyhill Park Hotel in Surrey.

hoch
#1883 - 11/05/2003 19:05 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT
Calvinstraße 23
10557 Berlin
Tel.: 030-80941992
Fax: 030-80941996
www.d-a-g.de info@d-a-g.de
11. Mai 2003

Inhalt:

1. Vorwort

Unser Mitglied, Prof. Dr. Sommerfeld, Universität Marburg, der seit Jahrzehnten im Irak Ausgrabungen leitet und forscht, kennt dieses Land wohl besser als die meisten selbst ernannten Experten, die über die Lage im Zweistromland die Gazetten füllen. Prof. Sommerfeld, der auch in den vergangenen Jahren jedes Jahr mehrere Monate im Lande war und über vorzügliche Verbindungen verfügt, berichtet in dem nachstehend ungekürzt wiedergegebenen Brief über die katastrophale Situation, die nach der Machtübernahme durch die Amerikaner entstand. Das Interregnum Irak, das von den Installateuren der Neuen Weltordnung nicht beherrscht werden kann, versinkt im Chaos. Saddam der Schreckliche ist zwar verjagt, aber nun regiert der Mob. Eben erreichen mich die Bilder der von Plünderern angezündeten Telefonzentrale. Die Feuerwehr brauchte über 80 Minuten, ehe sie mit dem Löschen beginnen konnte. Die Museen sind gebrandschatzt, die Banken ausgeraubt, die Botschaften, Ministerien und Behörden Beute des Pöbels. Alles unter den Augen der neuen Ordungsmacht Amerika. Aber bald werden ja die Polen für Ordnung sorgen.....
Aber die Ölförderanlagen sind gesichert. Wer hätte es anders erwartet?
Die amerikanischen Spezialtrupps, die mit modernster Elektronik versuchten, den Kriegsgrund zu finden - nämlich Massenvernichtungswaffen - , verlassen unverrichteter Dinge das Land. Den Kriegsgrund suchen sie am besten auch in Texas.

Mehr denn je ist jetzt das Alte Europa gefragt, zum Irak wieder alte Geschäftskontakte aufzunehmen und wissenschaftlich zusammenzuarbeiten sowie in einen intensiven Bildungsaustausch zu treten. Jetzt müssen sich unsere Universitäten, Fachhochschulen, Berufsbildner, firmeneigenen Ausbildungsstätten, die verschiedenen parteinahen Stiftungen, InWent, die GTZ, um nur einige zu nennen, Flagge zeigen und dem Irak als Partner anbieten.

Die D-A-G bereitet inzwischen ihre Fact-Finding-Mission vor.

H.M.B.

2. Land unter Schock von Prof. Sommerfeld

++++++++++++++++

Land unter Schock ? Der Irak nach dem Krieg

Der Krieg ist vorbei. Es herrscht Anarchie. Und die Lage ist explosiv.

Der Fall von Baghdad

Nach unerwartet harten wochenlangen Kämpfen im Süden kam der plötzliche Fall von Baghdad am 9.4.2003 ebenso unerwartet. Was war geschehen?

Die folgende Schilderung geben unmittelbar Beteiligte, die tendenziell zutreffen dürfte, auch wenn die Details gegenwärtig noch nicht ausrecherchiert werden können.

Nachdem die US-Armee den Flughafen schnell besetzen konnte ? auch unter Verwendung von Waffen, die die Maschinengewehre der Iraker zum Schmelzen brachten und von den Gefallenen nur Knochen ohne Fleisch übrig ließen ? begann der Vormarsch in die Stadt. Noch bei meiner Einreise am 25.4. waren auf der Einfallstraße dutzende von ausgebrannten normalen Zivilfahrzeugen zu sehen, die im Weg gewesen waren und eliminiert wurden, wobei die zivilen Wageninsassen, auch viele Frauen und Kinder, zu Tode kamen. Ich habe ca. 400 m von dieser Straße entfernt auch Streubombeneinschläge an einem Privathaus gesehen.

Es folgten erbitterte Straßenkämpfe in einigen Teilen von Baghdad. Saddam Hussein rief am 6. oder 7.4. in der Umm-al-Tabul-Moschee militärische Kommandeure zusammen. Er war sehr erzürnt, weil die Truppen im Süden zähen Widerstand geleistet hatten, der Flugplatz hingegen nicht gehalten worden war. Er befahl eine sofortige Gegenoffensive. Als diese Kommandeure auf dem Weg in das Flughafengebiet waren, wurden sie durch einen amerikanischen Angriff getötet.

Von der Sinnlosigkeit des militärischen Widerstands überzeugt, wollten hohe Kommandeure die Kapitulation, um die völlige Zerstörung von Baghdad zu verhindern. Ob es Geheimabsprachen mit den Amerikanern gab, konnte oder wollte kein Informant benennen. General Saif Ad-Din Ar-Rawi gab am 8.4. den Befehl, den Widerstand aufzugeben. Daraufhin schickte Saddam Hussein seinen Cousin, der in erschoß. Die Meuterei war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Am Abend wurde in ganz Baghdad der Strom abgestellt, und im Dunkeln setzten sich die führenden Kommandeure ab. Als am Mittwochmorgen Einheiten der Republikanischen Garden, aber auch Regierungsmitglieder, die Ordnungskräfte der Baath-Partei, Polizisten usw. feststellten, daß ihre Führer verschwunden waren, entfernten sie sich vom Dienst. Widerstand wurde nur noch in einigen Stadtgebieten geleistet, und Baghdad konnte von den Amerikanern schnell eingenommen werden.

Anarchie

Seitdem herrscht in Baghdad allgemeine Anarchie. Eine 5-Millionen-Stadt lebt ohne Regierung, Polizei, Justiz, ohne Ampeln, Gehälter, Büros.

Jeder ist bis zu den Zähnen bewaffnet, Schießereien sind in ganz Baghdad rund um die Uhr zu hören, vor allem nachts. Dabei sind Kampfhandlungen vergleichsweise selten, man schießt zur Warnung, aus Angst oder auch aus Freude, wenn in einem Viertel überraschend der Strom kommt für maximal zwei Stunden am Tag.

Es kann aber auch überall schnell gefährlich werden. Im Viertel, das in der Innenstadt direkt hinter dem Iraq Museum liegt, tobten am 1.5. den ganzen Abend lang heftige Kämpfe. Dabei wurde eine Tankstelle getroffen, deren Explosion mehrere Menschen tötete. Als ich mich am nächsten Morgen einige Stunden am Museum aufhielt, waren die Schießereien wieder in vollem Gange. Ein Anwohner kam zu den amerikanischen Posten am Museum und teilte mit, daß es wieder einen Toten und mehrere Verletzte gegeben habe. Der lakonische Kommentar der Soldaten lautete: ?Nice neighbours!? Eine Intervention fand jedoch nicht statt.

Ab 23 Uhr herrscht Ausgangsperre, die Stadt ist gespenstisch dunkel. Sicherheit ist die zentrale, pausenlos wiederholte Sorge der Bevölkerung. Die Menschen äußern Befürchtungen wie diese eines Dekans der Universität Baghdad:

?Ich habe Angst, an die Uni zu gehen, solange es keine Regierung gibt. Ein Student, den ich bestraft oder schlecht benotet habe, könnte kommen und mich niederschießen. Niemand kümmert sich darum. Es gibt keinen Schutz, keine Verfolgung, keine Bestrafung.?

Alle früheren Angestellten der Regierung ? die Hunderttausende Lehrer, Ärzte, Professoren, Beamten der Behörden usw. ? klagen heftig darüber, daß sie seit fast zwei Monaten keine Gehälter bekommen haben. Viele Leute, die keine finanziellen Reserven haben, wissen nicht, wovon sie Nahrung kaufen sollen.

Die Beschaffungskriminalität grassiert infolgedessen. Diebstahl, Raubüberfälle, auch Raubmorde sind an der Tagesordnung. Mir wurden viele Fälle berichtet, daß Räuber am hellichten Tag auf offener Straße unter Bedrohung durch Waffen Autofahrer gezwungen haben, das Fahrzeug abzugeben. Wer bislang noch keine Waffe hatte, besorgt sie sich jetzt. Aus den geplünderten Armeebeständen sind so viele (auch schwere) Waffen zu günstigen Preisen auf dem Markt erhältlich, daß man damit eine kleine Armee ausrüsten könnte.

Die Mittel- und Oberschicht hat Angst um ihr Leben und bleibt möglichst zu Hause und wartet ab. Die Angehörigen der repressiven Sicherheitsdienste und viele aktive Mitglieder der Baath-Partei sind untergetaucht ? bei Verwandten, in Zweitwohnungen, auf dem Land.

Noch werden Plünderungen von Privathäusern nur vereinzelt berichtet (z. B. in Vierteln, wo die Fensterscheiben der Häuser im Krieg zerborsten sind), und auch die Femejustiz ist bislang selten. Sie wird aber allgemein befürchtet oder auch erwartet, denn es sind aus der Zeit der Diktatur viele Rechnungen offen geblieben, weil vielen Menschen großer persönlicher Schaden durch die Mächtigen zugefügt wurde. Wenn sich wieder Machtstrukturen herausbilden und die früheren Cliquen wieder auftauchen und Positionen zu besetzen suchen, ist eine Endemie von Lynchmorden möglich, so wie auch die Revolutionen der Vergangenheit mit einem Blutbad der persönlichen Abrechnungen verbunden waren. Selbst einen Bürgerkrieg zwischen den alten Netzwerken, die noch keineswegs alle zerschlagen sind, den jetzt an die Macht strebenden neuen Gruppen und Selbstjustiz suchenden Bürgern hält jeder Iraker für denkbar.

Die Traumatisierung der Bevölkerung begegnet dem Besucher überall. Vor allem die Kinder haben schwere psychische Schäden erlitten; der Terror des Dauerbombardements (?Shock and awe?) hat ihre Seelen getroffen ? sie erschrecken vor zuschlagenden Türen, zittern bei überfliegenden Hubschraubern und suchen ständigen Schutz. Erwachsene aus der Innenstadt erzählen, daß sie drei Wochen lang kaum die Sonne gesehen haben ? einerseits wegen der zur Irritation des Feindes angezündeten Gräben, die mit Öl gefüllt waren, andererseits wegen der langen Brände getroffener Gebäude. In mehreren Stadtteilen wurde mir von Blutbädern unter der Zivilbevölkerung berichtet, die sich zufällig in der Nähe von bekämpften militärischen Verbänden befanden (?Kollateralschäden?).

Es gibt aber auch Lichtblicke. Die Bürgerhilfe lebt auf und ist erstaunlich erfolgreich. Viele Viertel haben zum Schutz eine Bürgerwehr gebildet, normale Menschen regeln mit selbstgebastelten Schildern den Verkehr. Die Menschen helfen sich untereinander mit Lebensmitteln und dem Nötigsten aus, räumen ohne Gehälter ihre verwüsteten Dienststellen auf. Die Iraker sind Improvisationskünstler.

Systematische organisierte Plünderung und Brandschatzung

Besonders geschockt sind die Iraker vom Wandalismus, mit dem Infrastruktur und Kultur zerstört wurden. Die Berichte zahlreicher, unabhängiger Zeugen gleichen sich derartig im Detail, daß sie einen realen Kern haben müssen. Zumindest spricht folgende Beschreibung der allgemeinen Überzeugung, die in Zukunft das Verhältnis der Bevölkerung zur ?Koalition der Willigen? beeinflussen wird.

1. Die Plünderungen waren systematisch

In einem Stadtteil nach dem anderen wurden die Einrichtungen des alten Staates vollständig ausgeraubt ? selbst fest installierte Anlagen wurden einschließlich der Steckdosen abmontiert ? und was sich nicht zu plündern lohnte, wurde zerschlagen, umgestoßen, auf dem Boden zerstreut usw. Betroffen sind unter anderem:
- alle Ministerien und State Departments bis auf das Ölministerium,
- die 15 Universitäten des Landes (mit Ausnahme des Campus der Universität Baghdad, wo die Amerikaner Quartier aufgeschlagen haben),
- die Museen (darunter das weltberühmte Iraq Museum), Bibliotheken, Archive, Kunst- und Kulturzentren,
- Krankenhäuser, staatliche Warenlager, Banken,
- Paläste und Wohnhäuser der führenden Vertreter des Regimes,
- Hotels (z. B. Rasheed, Melia Mansour, Babil),
- einzelne andere Einrichtungen wie die deutsche Botschaft, das französische Kulturinstitut, die Residenz des chinesischen Botschafters, einige Gebäude von UNO-Einrichtungen.

Die Plünderungen sind noch immer nicht gestoppt, auch Anfang Mai waren sie den ganzen Tag über an vielen verschiedenen Stellen anzutreffen.

2. Die Plünderungen waren angestiftet oder toleriert

Viele Gesprächspartner berichten von verzweifelten Versuchen, Soldaten zum Einschreiten zu bewegen ? ohne Erfolg. Selbst Interventionen bei der Kommandantur im Palestine-Hotel (z.B. durch UNO-Mitarbeiter zum Schutz ihrer Gebäude) blieben unerhört. Im Gegenteil: Die Plünderer fühlten sich sicher, sie trugen strahlend vor laufender Kamera die Sachen aus den Gebäuden und hörten erst auf, als alles ausgeraubt war. Es plünderten einfache Leute aus den Armenvierteln, aber ? zumindest in einigen Gegenden ? viele normale und auch gut gestellte Bewohner aus der Nachbarschaft. Die Menschen stahlen aus Armut, Wut, Rache, Gier. Das Beutegut wurde oft noch am selben Tag auf der Straße verkauft ? manchmal zu Spottpreisen, etwa eine Klimaanlage für umgerechnet 5 Euro.

Das überraschendste Detail bei den Schilderungen war der Umstand, daß die amerikanischen Soldaten erst die Plünderungen ermöglichten, indem sie die oft sehr gut gesicherten Tore aufbrachen oder aufschossen und dann die Umstehenden aufforderten zu plündern: ?Go in, Ali Baba, its yours!? Diesen Standardsatz haben Augenzeugen wiederholt gehört, ?Ali Baba? ist unter den Amerikanern zum Inbegriff für plündernde Iraker geworden. Regelmäßig wird auch von Kuweitis berichtet, die die Truppen als Übersetzer und Führer begleiten und zum Plündern einluden. Ein Zeuge erzählte, wie die Soldaten lachend auf ihren Panzern saßen und zuschauten.

Solche zuverlässigen Darstellungen wurden mir von einem Nachbarn und einer unabhängigen Zeugin von der Zerstörung der deutschen Botschaft mitgeteilt: Nachdem ein amerikanisches Militärfahrzeug das Tor aufgebrochen hatte, wurden die Umstehenden zur Plünderung aufgefordert.

Mit Gewißheit zuerst bedient haben sich die Amerikaner an der University of Technology, wo sie in die Gebäude eindrangen, die Computer öffneten und die Festplatten an sich nahmen, bevor sich die Plünderer ans Werk machten. Dies berichtete ein Mitarbeiter des UN Development Programme.

Ob in allen Fällen dieses System von Anstiftung oder Tolerierung wirksam war oder nur in Einzelfällen, kann noch nicht beantwortet werden. Die immer ähnlich lautenden selbständigen Berichte sind allerdings überall zu hören.

3. Die Brandschatzung war unabhängig und sekundär

Die Plünderer haben geraubt und zerstört, aber nicht verbrannt. Nach ihnen kamen Brandschatzer, die systematisch ein ausgeraubtes Gebäude nach dem anderen mit Benzin (und zumindest teilweise auch mit brennbaren Chemikalien) in Brand setzten. Der zeitliche Abstand betrug manchmal mehrere Tage. Von der Brandschatzung blieb nicht viel verschont (darunter glücklicherweise das Iraq Museum), es wurden aber auch Gebäudeteile verbrannt, die nicht geplündert worden waren (z. B. die Finanzbuchhaltung einer UNO-Einrichtung). Opfer der Flammen wurden vor allem Papiere, Dokumente und Gebäude, von denen mehrere nach tagelangen Bränden zusammenbrachen.

Die Folge: Es sind praktisch alle Unterlagen des alten Staates vernichtet, die gesamte Administration fängt bei Null an. So gibt es für Baghdad kein Grundbuch mehr, und damit ist kein Eigentumsnachweis mehr möglich. Dieser Umstand wird bereits jetzt von Milizen genutzt, um Bewohner aus gut gelegenen Anwesen zu vertreiben und diese dann für Büros und Stützpunkte zu nutzen. ? Eine Gruppe von 20 schwerstverletzten Kindern, für die in Europa bereits Behandlungsplätze vorbereitet waren, konnte nicht ausreisen, weil niemand Reisedokumente ausstellen kann. Einige sind inzwischen gestorben, andere konnten in Saudi-Arabien behandelt werden.

Während die ungenierten Plünderungen von vielen Menschen beobachtet wurden, die zahlreiche Details benennen können, sind zur Identifizierung des relativ kleinen Kreises der Brandschatzer nur sehr vage Angaben erhältlich: ?Geraubt haben die Iraker, verbrannt haben andere.?

Über die Gründe für diesen systematischen Wandalismus wird viel spekuliert. Gebildete Iraker nennen folgende Gesichtspunkte:
- Die Aggressionen wurden gezielt umgelenkt ? statt gegen die Besatzer sollten sie sich gegen die Institutionen des alten Regimes richten.
- Der Wiederaufbau ist sehr lukrativ, wenn die gesamte Infrastruktur des Staates zerstört ist, aber nur ein kleines Geschäft, wenn noch fast alles einigermaßen funktioniert.
- Die Verwirrung in der Bevölkerung ermöglicht eine leichtere Kontrolle, da jedermann mit dem Überleben beschäftigt ist; auch eine von außen implantierte Regierung wird leichter akzeptiert. ?Wenn ich dir den Tod zeige, akzeptierst da das Fieber.? (irakisches Sprichwort)
- Vertuschen eigener Taten, denn in nicht wenigen Fällen waren die Besatzer die ersten, die in Gebäude eindrangen und Objekte entfernten.
- Den Kuweitis soll Gelegenheit zur Rache gegeben werden; dort hatten die Iraker während der Besatzung 1990/91 ebenfalls systematisch geplündert (aber nicht gebrandschatzt).
- Denkzettel für Deutschland, Frankreich, die UNO und andere: es gehört sich nicht, unbotmäßig zu sein.
- Publicity Show für das amerikanische Publikum ? die Botschaft lautet: ?Die bösen Iraker zerstören alles, und wir guten Amerikaner müssen das wieder aufbauen.? Die ersten Brände wurden gegenüber dem Journalistenhotel Palestine gelegt und waren sehr fotogen.

Viele gebildete Iraker äußern sich schockiert über ihre wandalisierenden Landsleute und geben als Erklärung an, daß sich die Mächtigen des vergangenen Regimes schonungslos bereichert hätten, mit dem exerzierten Recht des Stärkeren ein schlimmes Beispiel gegeben und den Volkscharakter verdorben hätten. Sie sagen aber auch: Nach 35 Jahren harter Diktatur war die irakische Bevölkerung leicht einzuschüchtern, und ohne Ermutigung und Tolerierung wären die Plünderer nicht so sicher und hartnäckig gewesen: ?Eine einzige Kugel hätte genügt, und alle wären verschwunden!?

Die Plünderung des Iraq Museums

Folgende Schilderung beruht auf den Berichten von Mitarbeitern des Museums und Bewohnern der umgebenden Wohngebiete, die als Augenzeugen die Vorgänge unmittelbar erlebt haben. Die meisten wollen anonym bleiben, weil sie sich vor Repressionen fürchten und auch in Zukunft notgedrungen mit den Amerikanern zusammenarbeiten müssen.

Am Dienstag, den 8.4., fanden heftige Kämpfe in unmittelbarer Nähe des Museums statt, das im Stadtzentrum liegt und von strategisch wichtigen Punkten umgeben ist. Die bewaffnete zivile Schutztruppe, die zur Sicherung des Museums vor Überfällen aufgestellt war, verließ in Todesangst das Gelände, das dann nach schweren Kampfhandlungen (?the museum was a real battle field?) in die Hände der Amerikaner fiel. Am nächsten Tag rückten zwei Panzer an, so ein befragter Museumsangestellter; amerikanische Soldaten brachen die Tür des Hauptgebäudes auf und verweilten ca. zwei Stunden unter sich in den Ausstellungssälen. Sie wurden dann gesehen, wie sie Gegenstände herausbrachten und fortschufen. Um welche Objekte es sich dabei genau handelte, konnten die Beobachter nicht identifizieren. Es ist nur sicher, daß sich die meisten großen und auffälligen Exponate noch vor Ort befanden, weil deren Bergung schwieriger war, und daß nur die kleinen Objekte aus den Vitrinen in die Magazine gebracht worden waren.

Die zufällig anwesenden Iraker wurden dann aufgefordert, sich im Museum zu bedienen, wie ein Anwohner erzählte: ?This is your treasure, get in!? Von Donnerstag bis Samstag, 10. bis 12.4., tobten die Plünderungen völlig unbehindert. Die Plünderer fühlten sich sehr sicher, selbst vor laufender Kamera brachten sie ungeniert die Objekte ins Freie und trugen sie davon ? entsprechende Fernsehbilder gingen damals um die ganze Welt. Die wenigen an ihren Platz zurückgekehrten Museumsmitarbeiter konnten sie nicht aufhalten, sie versuchten aber mehrfach verzweifelt, in der Umgebung anwesende amerikanische Truppen zum Schutz zu bewegen. Es erschienen nur ganz kurz einige Soldaten, sahen sich die Vorgänge an und verschwanden wieder (?This is not our order.?).

Einige Augenzeugenberichte, die weitere Details mitteilen, waren in einem Fernsehbeitrag des ZDF zu sehen (?Aspekte?, Freitag, 9.5.2003, 22.30 Uhr); der Wortlaut dieser Aussagen ist im Anhang wiedergegeben.

Nachdem die Plünderungen nicht hatten verhindert werden können, hatten die Mitarbeiter allergrößte Sorge, daß die Brandschatzer wie auch sonst ans Werk gehen und die unersetzbaren Dokumentationen, Grabungsunterlagen und die Bibliothek mit Feuer vernichten würden. Zwei Direktoren des Antikendienstes machten sich am Sonntag, den 13.4., zur Kommandozentrale der Amerikaner im Palestine-Hotel auf, wurden nach vierstündiger Wartezeit vorgelassen und baten dringlichst um Schutzmaßnahmen. Die Kommandantur versprach, sofort Panzer und Soldaten zu schicken ? bis Dienstag geschah nichts. Daraufhin gelang es einem Direktor, sich ein privates Satellitentelefon zu leihen und einen Kollegen im British Museum zu erreichen. Der mobilisierte dann britische und amerikanische Stellen, und schließlich fuhren Panzer auf, die seitdem das Museum bewachen.

Jetzt ist es das bestgeschützte Museum der Welt ? seine Angestellten und sogar die Direktoren, die allesamt ohne Gehalt kommen für die Aufräumarbeiten und die Aufnahme der Schäden, werden nur nach genauer Identitätsüberprüfung und Gepäckkontrolle zugelassen (und sind darüber sehr empört). ?Wir entscheiden, wer wann hineinkommt? sagte mir der wachhabende Soldat am Eingang. In einem Seitentrakt werden die zurückgewonnenen Objekte aufbewahrt. Als mich der Generaldirektor am 30.4. dort herumführte, war die Zahl dieser Funde, die auf großen Tischen ausgebreitet waren, nicht viel größer als 100 ? bewacht von etwa einem Dutzend Soldaten, die im selben Raum ihre Feldbetten aufgeschlagen hatten.

Über den Umfang dessen, was geraubt wurde, läßt sich bisher nur sagen, daß die Schäden unermeßlich sind. Mit Sicherheit sind einige der bekanntesten Exponate des Museums, die sich noch in den Ausstellungssälen befanden, verschwunden. Die Plünderer konnten ungestört auch die Magazine aufbrechen, deren Bestände insgesamt über 170.000 Inventarnummern umfaßten, und tagelang nach Belieben alles fortschaffen. Ein Generator sorgt erst seit dem 29.4. wieder für Licht, und die Angestellten haben mit der Inventur begonnen, die noch Wochen in Anspruch nehmen wird. Ein Totalverlust ist nicht eingetreten, aber der größte Teil der Kollektionen dürfte geraubt sein. Die Bibliothek blieb erhalten, ebenso viele Grabungsunterlagen und wohl auch die meisten Inventarbücher. Der Wandalismus hat furchtbar gewütet, aber eine alles vernichtende Feuersbrunst konnte verhindert werden.

Antiquitäten aus den Raubzügen werden verkauft und sind besonders bei den vielen Journalisten begehrt, so daß sich bewaffnete Banden auf der über 500 km langen Autobahn von Bagdad bis zur jordanischen Grenze auf deren Fahrzeuge spezialisiert haben. Ein Überfallener berichtete mir, daß die erste Frage der Banditen war, nachdem sie mit Maschinenpistolen sein Auto gekapert hatten: ?Wo sind die Antiquitäten?? In einem Journalistenauto wurden zwölf Kisten mit Antiquitäten gefunden!

Die allerwertvollsten Stücke ? darunter der berühmte Goldfund aus den assyrischen Königinnengräber in Nimrud ? waren im Tresor der Zentralbank aufbewahrt. Auch hier hatten Plünderer lange Zeit freie Hand, inzwischen wird sie von Soldaten unzugänglich abgeschirmt. Selbst die Leitung des Antikendienstes hatte noch am 2.5. keine Informationen, was von diesen Schätzen erhalten geblieben ist und wo sie sich jetzt befinden.

Selbst seit die internationale Empörung über die Kulturfrevel im Irak hochgeschlagen ist, wird die Verwüstung nach demselben Muster immer noch toleriert. Unabhängig, aber übereinstimmend berichteten eine europäische Kollegin und eine lokale Archäologin ihre Erlebnisse aus Babylon, der vielleicht berühmtesten Stadt der Alten Welt, daß dort am Dienstag letzter Woche, den 29.4., geplündert und gebrandschatzt wurde ? unter anderem sind die Dokumentationen über die dortigen irakischen Grabungen verbrannt. Wiederum gingen die Vertreter des Antikendienstes zu den amerikanischen Truppen, die sich in dem auf einer Anhöhe errichteten Palast Saddam Husseins einquartiert haben, und baten dringend um Schutz. Sie erhielten wieder die gleiche Antwort: ?This is not our order.?

Die Universitäten

Auch die 15 Universitäten des Irak sind vollständig ausgeplündert und gebrandschatzt worden (mit Ausnahme des Campus der Universität Bagdad in Dschadirija, wo die Amerikaner Quartier aufgeschlagen haben).

Von der Einrichtung der Mustansarija-Universität, neben Bologna die älteste der Welt, ist absolut nichts mehr erhalten ? selbst fest installierte Anlagen wurden einschließlich der Steckdosen abmontiert; anschließend wurden die Gebäude abgebrannt. Im Campus der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bagdad in Wazirija ist fast alles vernichtet; auch das dortige Department of Archaeology ist zerstört, das als Pendant zum Iraq Museum die Quellen aus der mehr als 5000jährigen Hochkultur aufarbeitet und die Nachwuchskräfte für den Antikendienst des Landes ausbildet. Einige Gebäude sind durch die Hitze der Brände zusammengebrochen.

Von der Bibliothek der Germanistischen Abteilung, die in 50 Jahren mühsam aufgebaut wurde und über 15.000 Bände umfaßte, sind nur noch im Brand zusammengesunkene Regale und zu kleinen Ascheklumpen zusammengebackene Haufen übrig geblieben ? keine einzige Seite ist noch brauchbar.

Freiwillig ohne Gehalt haben sich inzwischen einige Professoren und Studenten an die Aufräumarbeiten gemacht. Auch das ist schwierig, wie ein Kollege klagte: Die Benzinvorräte Bagdads gehen zur Neige, eine Tankstelle nach der anderen schließt, für eine Tankfüllung muß man 4-5 Stunden warten, der Preis des noch erhältlichen Benzins hat sich verzehnfacht auf jetzt umgerechnet über 50 Cent pro Liter; man kann sich die Fahrten in die Universität einfach nicht mehr leisten. Einige Räume wurden provisorisch wieder eingerichtet, und der Kollege hat aus eigener Tasche Vorhängeschlösser gekauft, damit ihre Arbeit nicht wieder aufs Neue zunichte gemacht wird.

Am 17.5. sollen die Universitäten wieder ihre Arbeit aufnehmen ? ohne Mobiliar, Bibliotheken, Papier, Verwaltungsunterlagen. Statt Kollegheften und Computern sind jetzt Besen und Schaufel die wichtigsten Arbeitsinstrumente, und die Lehrkräfte müssen aus dem Gedächtnis die Wissenschaft vermitteln. Viele wollen dies den Studenten zuliebe tun, damit diese nicht ein ganzes Jahr verlieren.

Großer Unmut in der Bevölkerung

So effektiv die militärstrategische Planung der Amerikaner ist, so unvorbereitet und konzeptlos stehen sie vor den zivilen Problemen. Sie hatten keinerlei Maßnahmen zur Versorgung der Bevölkerung vorbereitet, gegen die Gesetzlosigkeit haben sie bislang nichts unternommen. Sie orientieren sich nur sehr langsam, setzen heute einen verantwortlichen Direktor ein und morgen wieder ab, eine funktionierende Regierung ist nicht in Sicht. Sie haben keine Basis gebaut im Irak, und sie stoßen überall auf Probleme. Wie sehr die Weitsicht bei der Okkupation fehlte, zeigt sich zum Beispiel darin, daß jetzt mühsam Polizeikräfte aus verschiedenen Ländern rekrutiert werden müssen und die Aktivierung von 20 lokalen Polizisten eine eigene Meldung wert ist.

Es geht aber auch anders, wenn es im Interesse der Besatzer ist. Als einziges wurde das Ölministerium nicht geplündert und gebrandschatzt, sondern von Anfang an geschützt. Inzwischen wurden die wichtigen Unterlagen (etwa über die explorierten Öllagerstätten) konfisziert, die alten leitenden Angestellten reorganisieren die Administration. Einige weitere Gebäude werden inzwischen ebenfalls gesichert, darunter Krankenhäuser.

Oder bei der Eisenbahn, bei der die gesamte Einrichtung und alle Lagerhallen vollständig geplündert wurden, selbst leere Container wurden weggeschafft; es wurde allerdings nicht gebrandschatzt. Kürzlich erschien ein britischer General, rief die Angestellten zusammen und ließ jedem 20 Dollar Überbrückungsgeld auszahlen. Priorität soll jetzt der Ausbau der Linie Baghdad-Basra bekommen.

Den Amerikanern fehlt weitgehend das Verständnis für die irakische Mentalität, sie zeigen oft wenig Fingerspitzengefühl. Mir wurde berichtet, daß eine Panzerbesatzung Halbwüchsige auf der Straße anhielt und nach Mädchen fragte, für die sie 10 Dollar bot. In Ghasalija in Schordscha wurde ein Bordell eingerichtet, vor dem Haus steht ein Schild mit der Aufschrift ?Nur für Amerikaner!? Solche Erlebnisse langen, um jeden Iraker zum Patrioten zu machen, der sich gegen die ungeliebten Besatzer wendet.

Die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den Amerikanern ist sehr verhalten. Zwar äußern sich viele Iraker sehr dankbar und zufrieden darüber, daß das Regime von Saddam Hussein verschwunden ist. Die Amerikaner werden aber zunehmend für Anarchie und Mangel verantwortlich gemacht, alle wollen, daß sie bald wieder gehen, und immer häufiger werden die Stimmen, die sagen, daß es unter Saddam schlimm war, jetzt aber noch viel schlimmer ist. Jedermann äußert die Überzeugung, daß die Iraker anfangen werden zu kämpfen gegen die Besatzungsmacht, wenn die Lage nicht schnell besser wird und sie sich nicht bald zurückzieht.

Der Aufbau einer neuen Ordnung und der Kampf um die Macht

Die Bevölkerung befindet sich im Schockzustand. In der Zeit von Anarchie und Umbruch warten die meisten ab, andere hingegen versuchen um so intensiver, das Vakuum zu füllen. Prognosen über die weitere Entwicklung sind nicht möglich. Es können nur die Kräfte benannt werden, die als Vektoren im Kräftespiel eine Rolle spielen, und mögliche Szenarien benannt werden.

Über Saddam Hussein und sein Regime sind alle sehr enttäuscht ? auch die pragmatischen früheren Parteigänger und diejenigen, die keine Konflikte mit seiner Regierung hatten. Informationen, die vorher nicht bekannt waren oder nur wenigen, werden jetzt überall verbreitet. Wut löst die grenzenlose Bereicherungsmanie aus, während die Bevölkerung darbte. In einigen Palästen (z. B. unter einem Hundekäfig oder hinter einer falschen Wand) wurden Hunderte Millionen Dollar in bar aufgefunden. Kein einziger normaler Iraker hatte jemals Zugang in seine herrlich ausgestatteten Palastanlagen gehabt, während nach dem Sturz jetzt Plünderer und Schaulustige jedes Detail begutachten konnten. Die Gefängnisse wurden geöffnet und die grausamen Haftbedingungen bekannt, und über den Sadismus insbesondere von Saddams ältestem Sohn Udai kursieren jetzt allerlei Einzelheiten.

Man registriert mit Verbitterung, daß Saddam Hussein dem Land sehr geschadet hat, einen aussichtslosen Krieg nicht verhindert und keine Maßnahmen zur Rettung der Bevölkerung getroffen hat. Auch über seine Regierung hört man sehr viel Bitterkeit. Ein Arzt, der seit der Revolution von 1968 von der Ideologie der Baath-Partei überzeugt war und der zu dem behandelnden Ärzteteam gehörte, das noch am 7.4. zusammen mit Saddam in einem Gebäude übernachtete, erzählte, daß die Krankenhäuser vor dem Krieg kein Material (etwa Narkose-mittel oder Bruchschienen) zur Versorgung von Notfällen, wie sie im Krieg in großer Anzahl zu erwarten sind, zugewiesen bekommen haben, und meinte, daß der dafür zuständige frühere Gesundheitsminister ?als erster gehängt? werden müsse.

Es gilt als völlig unwahrscheinlich, daß Saddam wiederkommen kann. Seine Netzwerke sind aber keineswegs völlig zerschlagen. Es heißt, daß er sich jetzt unauffindbar verberge und die Entwicklungen beobachte, aber noch sehr viel Unheil anrichten könne ? insbesondere, wenn der Unmut in der Bevölkerung weiter anwächst über die Anarchie und den sich nur äußerst langsam verbessernden Vorsorgungsnotstand.

Die irakische Auslandsopposition (der Irakische Nationalkongreß INC), insbesondere die Fraktion von Ahmed Tschalabi, ist sehr aktiv. Sie bildet Milizen, besetzt die besten Häuser und Gelände, aus denen die Anwohner vertrieben werden, und ist gut bei Kasse (angeblich haben diese Milizen auch mehrere Banken ausgeraubt). Sie versucht, Einfluß bei der zukünftigen Regierungsbildung zu gewinnen, ihre Machtmittel sind Gewalt und Geld, sie verfügt aber über keine authentische Basis in der Bevölkerung, ist unbeliebt und wird nicht akzeptiert, weil sie als Organisation aus dem Ausland empfunden wird und in den letzten Jahrzehnten keine Verbindung mit der realen Situation des Landes und den Problemen der Bevölkerung hatte.

Die Schiiten sind am besten organisiert und können jederzeit eine eindrucksvolle Massenbewegung in Millionenstärke mobilisieren. Vom Ausland nahezu unbemerkt hatten sie seit 1994 im Südirak weitgehende Autonomie bei der Wahrung ihrer inneren Belange erhalten und diese gut genutzt. Ihre geistliche Führung sorgt für Ruhe und Ordnung, in den von ihnen kontrollierten Städten Nadschaf und Kerbela gab es keine Plünderungen, und sie haben auch eine islamische Gerichtsbarkeit eingesetzt. Ihre Strategien sind sehr flexibel ? es wird erwartet, daß sie zunächst auf demokratischem Wege entsprechend ihrer Bevölkerungsmehrheit auch die Majorisierung der zukünftigen Regierung anstreben und dann in einem weiteren Schritt einen islamischen Staat aufzubauen versuchen werden. Sie sind absolut gegen die Besatzungsmacht eingestellt und verfügen über ein großes Reservoir für den Dschihad. Reisende aus Nadschaf berichten, daß die Schiiten dort bereits auf den Guerillakampf vorbereitet sind. Die gebildete Bevölkerung von Baghdad hält die Schiiten für die Größe, die am schwersten einzukalkulieren ist, aber an deren Entschlossenheit und Gewaltpotentialen überhaupt kein Zweifel besteht.

?Die Amerikaner lieben das Leben, aber die Schiiten hassen das Leben. Sie sind stolz darauf, im Kampf gegen die Amerikaner in den Tod zu gehen, wenn ihr Führer ihnen das befiehlt.? (ein schiitischer Hochschullehrer)

Der Iran feuert: ?Weg mit den Amerikanern?, und der Dschihad wird propagiert. Aus dem Iran wird zur Zeit der einzige Fernsehsendung (Al-Alam ?Die Welt?) ausgestrahlt, die in Baghdad ohne Satellit empfangen werden kann und die in der Aufmachung der Nachrichtensender CNN und Al-Dschasira unentwegt einen islamischen Staat propagiert. Angeblich sind zahlreiche iranische Milizen bereits im Lande. Der Einfluß des Iran auf die irakischen Schiiten und auf die internen Machtverhältnisse ist von außen nicht zu bestimmen.

Die Millionen der städtischen Bevölkerung mit einer sunnitischen Mehrheit, insbesondere im Großraum Baghdad, sind unkoordiniert ? sie werden weder durch die Zugehörigkeit zu Stammesverbänden, noch durch religiöse Identität noch durch ein gemeinsames politisches Programm geeint.

Die Mittel- und Oberschicht verfügt über viel Erfahrung in Administration und Wirtschaft, sie garantierte das Funktionieren des Staates auch in schwierigsten Zeiten unter Embargo-Bedingungen. Diese Schicht will, daß diejenigen die zukünftige Regierung bestimmen, die in den harten Zeiten von drei Kriegen und 13 Jahren Embargo ihre Kompetenz bewiesen haben und über genaue Kenntnisse der Gesellschaft und ihrer Probleme verfügen, die sich persönlich aber nicht korrumpiert haben. Es bilden sich allerdings noch keinerlei Mehrheitsverhältnisse oder verbindende Konzepte ab. Im gegenwärtig herrschenden Vakuum will jede Fraktion Einfluß gewinnen. Inzwischen haben sich dutzende Parteien gebildet, die Partikularinteressen vertreten. Selbst Splittergruppen versuchen, z. B. mit Demonstrationen und Transparenten vor dem Palestine-Hotel auf sich aufmerksam zu machen. Und ?jeder kleine Angestellte denkt, daß er jetzt Ölminister werden kann? (so ein dort tätiger Direktor).

Es gibt allerdings keine Strukturen für demokratische Prozesse, ein Forum für öffentliche Diskussionen und Mehrheitsbildung fehlt. Einigkeit besteht nur darin, daß man weder einen islamischen Staat noch ein amerikanisches Regime noch eine von den USA eingesetzte oder abhängige Regierung will. Die Besatzungsmacht hat noch kein Mittel gefunden, die Bevölkerung zu erreichen. Der Propagandasender (?Der neue Irak?) überzeugt niemanden, ?er bringt nicht das, was die Iraker hören wollen? ? der Informationsgehalt ist dürftig, und die Präsentation ist schwach (?furchtbares Arabisch?). Die öffentliche Meinung bildet sich hauptsächlich durch privaten Meinungsaustausch und Mundpropaganda; eine Schlüsselrolle spielen auch die Moscheen mit der Verkündigung islamistischer Konzepte. Die nach dem Krieg nur vereinzelt neu aufkommenden Medien (darunter einige Zeitungen früherer Oppositionsgruppen) erreichen nur Bruchteile der Bevölkerung und sind für eine mehrheitsfähige Willensbildung ungeeignet.

Zukünftige Szenarien

Die Bandbreite denkbarer Szenarien ist groß ? langsame Stabilisierung, Bürgerkrieg, Auseinanderfallen des Landes, Aufstände und Guerillakampf. Prognosen über die weitere Entwicklung sind jedoch noch völlig unsicher. In den innerirakischen Diskussionen werden folgende hypothetische Konstellationen beschrieben.

- Die Besatzungsmächte gelten als Fremde, und eine von ihnen installierte Regierung wird nicht akzeptiert. Sie müßten schnell und effizient die Grundbedürfnisse nach Sicherheit und Versorgung befriedigen, andernfalls droht die allgemeine Unzufriedenheit in offene Aggression umzuschlagen, die in Aufstände und Guerillakrieg übergehen kann. Der Wiederaufbau geschieht allerdings bisher nur sehr langsam und weitgehend konzeptlos.
- Wenn ?die Leute von Außen? ? z. B. Tschalabi und der Irakische Nationalkongreß ? eine bestimmende Rolle in der neuen Regierung erhalten, gilt es als wahrscheinlich, daß sich die Bevölkerung allgemein, Sunniten und Schiiten, geeint gegen sie erheben wird. Die Folge wären kriegerische Wirren, vielleicht ein Bürgerkrieg.
- Wenn die organisierten Schiiten die Mehrheit übernehmen und den Irak in einen islamischen Staat umzuwandeln versuchen, wird die sunnitische, städtische Bevölkerung heftigen Widerstand leisten; möglich sind Sezessionen oder Bürgerkrieg.
- Eine sunnitische Diktatur durch einen starken Mann in der Nachfolge von Saddam Hussein könnte sich wahrscheinlich durchsetzen, wäre aber das genaue Gegenteil des vorgegebenen Kriegziels der ?Befreiung des Irak? und eine weitere Enttäuschung für das Volk.
- Es fehlt einerseits eine mehrheitlich anerkannte Integrationsfigur (am meisten Zustimmung scheint der frühere Außenminister Patschetschi zu finden, der allerdings schon sehr betagt ist), andererseits ist die Gefahr der gezielten Destabilisierung durch die alten Netzwerke, die die Anarchie und allgemeine Unzufriedenheit für Sabotage und Aufstände nutzen wollen, keineswegs überwunden.

Angesichts der Unsicherheit und explosiven Stimmung wird häufig folgender Standpunkt vertreten: Das Bombardement hat aufgehört ? aber der eigentliche Krieg hat noch gar nicht erst angefangen!


Die Wirtschaft

Lediglich in den Kreisen der Geschäftswelt sind einigermaßen optimistische Töne zu hören. Zwar räumen auch die Geschäftsleute, die ganz pragmatisch mit dem alten Regime umgegangen sind, sich an westlicher Effizienz orientieren und viele Auslandskontakte haben, ein, daß 3-6 Monate schwierigster, instabiler Zeiten wahrscheinlich sind; sie erwarten dann aber eine deutliche Besserung.

Diese Schicht glaubt fest, daß sich die USA die ?besten Stücke? sichern werden (vor allem den gesamten Ölsektor und sämtliche Großprojekte), sie ist aber ebenfalls der Meinung, daß im Privatsektor die besten Chancen für Deutschland und Europa bestehen.

?Amerikanische Produkte sind seit 40 Jahren unbekannt. Die Iraker schätzen deutsche Erzeugnisse über alles, sie sind der Inbegriff von Qualität und Prestige, mit diesen sind sie vertraut. Wenn sich die Handelsbedingungen liberalisieren, entsteht für diese Produkte eine riesige Nachfrage.?

Noch allerdings gibt es keine staatliche Infrastruktur; Ansprechpartner für Kontakte und Verhandlungen fehlen, oder sie haben keinerlei Kompetenzen.

Abschließend gebe ich Kernsätze aus der privaten Diskussion mit einem Geschäftsmann, einem Arzt und einem Professor wieder, die im Ausland (USA, England und Deutschland) ausgebildet wurden und die das Innenleben der irakischen Gesellschaft sehr genau kennen. Diese Meinungen sind natürlich einseitig und z. T. auch naiv, geben aber sehr gut die Atmosphäre wieder, die charakteristisch für die Gespräche in der früher staatstragenden, gebildeten Schicht ist.

Über Saddam Hussein:
Saddam hat unseren Idealismus, den Irak aufzubauen und groß und stark zu machen, mißbraucht. Ohne ihn wäre der Irak jetzt eine Mittelmacht wie Indien und Pakistan. Er hat Sklaven aus uns gemacht. Er hat das ganze Land auf seine Person zugeschnitten wie ein ausgetretenes Paar Schuhe. Seine Cliquen haben uns alles Schlechte vorgemacht, und das ist jetzt allgemeine Gewohnheit geworden. Udai (der älteste Sohn) hat Saddam zu Fall gebracht, weil dieser ihm freie Hand gelassen hat. Er war die Ursache, daß 80 Prozent der Bevölkerung Saddam, die Baath-Partei und das ganze Regime hassen. Er war ein Sadist. Er hat Saddam politisch getötet.

Über die Amerikaner:
Niemand vertraut ihnen, sie sind dumm, sie haben kein Verständnis, keine Ideen, zu wenige Informationen über den Irak. Sie sind nicht gekommen, um den Irak zu befreien, sondern um unseren Reichtum zu nehmen. Sie haben eine viel größere Schweinerei (a much bigger mess) angerichtet, als wir sie vorher hatten. Sie haben nur zerstört, aber nichts gebracht, um das Alte zu ersetzen. Sie sollten jetzt mit dem Wiederaufbau anfangen ? warum lassen sie die Dinge in diesem Chaos? Die Zeit wird kommen, da werden die Leute auf den Straßen sagen: ?Saddam war besser!? Wenn die Amerikaner bleiben, werden wir sie bekämpfen. Jeden Tag zwei Tote ? da kommt mit der Zeit eine ganze Menge zusammen. Sie sind in einem Sumpf gelandet. Die Leute, die sie mitgebracht haben, die jetzt politisch aktiv sind, kennen sich nicht aus. Diese Figuren werden niemals akzeptiert werden.

Über die UNO-Inspekteure (UNSCOM bzw. UNMOVIC):
Blix verdient 80.000 Dollar im Monat, die anderen Inspekteure 60.000 Dollar; der Irak bezahlt ihr Gehalt. Sie haben nur ein einziges Interesse: daß das Embargo möglichst lange dauert, damit sie weiter Geld verdienen können. Unter ganz fadenscheinigen Argumenten verlängern sie ihre stets ergebnislosen Nachforschungen und wollen auch die belanglosesten Details überprüfen. Ohne ihre Inspektionen würden sie ihre Einkommen verlieren. Dabei wissen sie seit 1995 ganz genau, daß der Irak keine Massenvernichtungswaffen mehr besitzt ? als Hussein Kamil (der übergelaufene und später liquidierte Schwiegersohn Saddams) der CIA alle Details verraten und ganz ausdrücklich bestätigt hat, daß der Irak alle diese Waffen zerstört hat.

Über Demokratie:
Wir sind nicht darauf vorbereitet. Demokratie braucht Zeit ? bestimmt 50 Jahre. Wir werden eine Demokratie mißbrauchen. Was ist der Vorteil von Demokratie, wenn wir nicht sicher schlafen können? Demokratie ist das Schlimmste, was dem Irak passieren kann. Wir brauchen sie nicht, wir brauchen jemand, der uns beschützt. Wir brauchen eine Diktatur, aber moderat!

Über die Zukunftsaussichten:
Unsere Zukunft ist sehr, sehr dunkel. Wir haben Angst um unser Leben. Wir wollen nur überleben. Die Gesellschaft ist zerfallen, es herrscht völlige Gesetzlosigkeit. Es gibt kein Vertrauen, in nichts. Die Iraker werden vielleicht vergeben, aber niemals vergessen, was geschehen ist.

10. Mai 2003 Prof. Dr. Walter Sommerfeld

Anhang

Wortlaut der Augenzeugenberichte über die Plünderung des Iraq Museums

(wiedergegeben in ?Aspekte?, ZDF, Freitag, 9. Mai 2003, 22.30 ? 23.00 Uhr)

Ferid Hagi (Geschäftsmann):
Wer hat?s ausgeraubt? Wer zuerst drin war ? die Amerikaner!

Husan Ibrahim (Anwohner):
Sie haben das Museum aufgebrochen, angeblich, um nach Freischärlern zu suchen. Und dann haben sie den Plünderern gesagt: ?Kommt nur rein!?

Waidi Sami (Wachmann der benachbarten Moschee):
Die Amerikaner sind vorgefahren und haben Objekte aus dem Museum mitgenommen.

Husan Ibrahim: Am ersten Tag, als die Amerikaner hierherkamen, stand ein Panzer direkt neben dem Museum. Da war das Gebäude noch völlig unbeschädigt, und im Garten des Museums hielten fünf Irakis Wache. Ja, das waren Iraker. Ich ging mit den Wächtern zu dem US-Panzer und bat die Soldaten, das Museum zu beschützen. Sie sagten: ?OK!? (Doch die Panzer wurden abgezogen, die Wächter in ihrem Erdloch blieben allein.)

Waidi Sami: Um 4.30 Uhr am nächsten Morgen kamen die Amerikaner zurück, und ein Offizier forderte seine Leute auf, ins Museum einzudringen. Außer den amerikanischen Soldaten waren auch Kuweitis dabei. ... Die haben archäologische Objekte aus dem Museum geholt und sie in sieben Lastwagen der US-Armee verstaut. Begleitet von gepanzerten Wagen ist der ganze Konvoi dann abgefahren.

Husan Ibrahim: Später tauchte ein Jeep mit fünf Amerikanern auf. Sie behaupteten, daß sich im Museum Saddams Fedajin versteckt hielten. Sie brachen den Seiteneingang auf und waren eine ganze Weile da drin. Dann riefen sie den Leuten, die sich draußen versammelt hatten, zu: ?Come in!? Und so begann das Plündern.

Ferid Hagi: Die Amerikaner hatten doch alles hier unter Kontrolle, und sie haben mitgehen lassen, was ihnen gefiel. Und dann haben sie die Plünderer reingelassen, um ihren eigenen Diebstahl zu vertuschen. Nun wollen sie alles diesem Mob in die Schuhe schieben. ... Die Amerikaner waren doch als erste im Museum, und die wußten genau, was die wirklichen Schätze waren. Die primitiven Plünderer haben nur den Ramsch mitgenommen. Aber Gott im Himmel hat?s gesehen, und irgendwann werden wir alle vor ihm stehen.

hoch
#1884 - 22/05/2003 15:01 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Beiträge: 44030
Ort: Gera
DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
22.05.2003

Inhalt:

Information: Ad-hoc-Sitzung des Gespraechskreis IRAK am
27. Mai 2003 in Berlin

!!!A C H T U N G: Anmeldefrist ist der 23. Mai !!!

****************************************************

Auf Initiative des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
und des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
findet eine weitere Ad-hoc-Sitzung des Gespraechskreises
Irak der Nordafrika Mittlost Initiative der
Deutschen Wirtschaft (NMI) statt am

Dienstag, 27. Mai 2003
14:00 bis ca. 16:30 Uhr
Raum 1.002/1.006,
Haus der Deutschen Wirtschaft
Breite Straße 29, 10178 Berlin-Mitte

Die Ad-hoc-Gespraechsrunde ist eine Anschlussveranstaltung
zur 7. Sitzung des Gespraechskreises Irak am 30. April 2003 in
Berlin
und richtet sich speziell an Unternehmen, die
"Oil-for-Food"-Geschaefte (direkt oder indirekt ueber Drittstaaten) abgeschlossen haben,
deren aktuelle oder zukuenftige Durchfuehrung
derzeit blockiert bzw. in der Schwebe ist.
Im Interesse einer qualifizierten Diskussion
ist die vorherige schriftliche
Einreichung von Informationen über die
konkreten Problemfaelle Voraussetzung für die
Teilnahme an der Gespraechsrunde.

Die Informationen (kurze Beschreibung des
Sachverhalts inkl. Status im "Oil-for-Food"-Programm
und Wert des Geschaeftes)
sollten bis spaetestens 23.Mai 2003 als Anlage zum Anmeldeformular gesendet werden, das beigfuegt ist. Die Veranstalter sichern vertrauliche Behandlung der Daten zu.

An der Sitzung werden Vertreter der Bundesregierung teilnehmen, um die Anliegen aufzunehmen und ueber
Loesungsmoeglichkeiten zu diskutieren.

Folgende Tagesordnungspunkte sind vorgesehen:

-Zusammenfassung der Sachverhalte und generelle Analyse der
Problematik

-Sachstand der Diskussion in New York zur Zukunft des
"Oil-for-Food"-Programms

-Chancen zur Realisierung blockierter "Oil-for-Food"-Geschaefte

-Sonstiges

Anmeldung bis Freitag, 23. Mai 2003 erbeten. Die Teilnahme an
der Veranstaltung ist kostenfrei.--

hoch
#1885 - 26/05/2003 08:04 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Nr. 6 / 2003
DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT
26. Mai 2003

1. Vorwort

2. RASSISMUS IN ISRAEL ? - MERCI, GIDEON LEVY !

3. ALGERISCHE ERSCHÜTTERUNGEN

4. Eigenwerbung für die D-A-G

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1.) Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mich haben nach Rückkehr von einer Auslandsreise zwei Briefe von Wolfgang Freund aus Israel erreicht, die aus innerer Sicht das Nichtverhältnis von Palästinensern und Israelis besonders kritisch beleuchten (2.) und Stellung nehmen zu der Erdbebenkatastrophe in Algerien (3.).

Beide Briefe verdienen Ihr Interesse. Wie sollen zwei Völker künftig miteinander leben, wenn nur der Hass sie eint? Eine ordre de Bush schafft dies jedenfalls nicht!
Die "Friedens" ?mauer, die Israel von seinen "Bantustans" trennt, können Sie über folgendes Hyperlink auf unserer Website besichtigen: http://www.d-a-g.de/eldar.html . Solche Mauern vertiefen Spannungen und lösen keine Probleme.

Mit bescheidenen Mitteln suchen wir nach einem anderen Ansatz: Die Deutsch-Arabische Gesellschaft organisiert vom 13. Juli bis zum 26. Juli 2003 in Leipzig zusammen mit dem Central Galilee College, Israel eine Sommerfreizeit mit siebzig 16-17 jährigen Schülerinnen und Schülern aus Palästina, Israel, Jordanien, Griechenland, Zypern, Frankreich und Deutschland. Die Teilnehmer werden im engen Zusammenleben ihre wechselseitigen Probleme kennen lernen und gemeinsam in Diskussionen mit Wissenschaftlern über Wasserverteilung und ?gewinnung, über die vitalste Frage der Region, nach gerechten Lösungen suchen. Wir meinen, so einen Ansatz zu finden, wie man den gordischen Knoten in positivem Miteinander durchschlägt. Wir sind sehr froh darüber, dass uns die (Olympia-)Stadt Leipzig die Durchführung dieses Workshops ermöglicht. Sie können uns dabei mit einer - auch noch so kleinen - Spende unterstützen, um den jungen Menschen den Aufenthalt in Deutschland zu einem unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis werden zu lassen.

Der israelische Brief zu der algerischen Katastrophe (3.) macht deutlich, welchen Gefahren die gesamte Region unterworfen ist, wie dünn das "Eis" ist, auf dem sich vor allem das Leben der Mittelmeerländer abspielt, wie die international verbreitete Schlamperei die Gefahren noch potenziert. Wir als Deutsch-Arabische Gesellschaft konnten 1980 nach der furchtbaren Erdbebenkatastrophe von Al Asnam mit der Organisation von Wohltätigkeitskonzerten immerhin 50.000 DM sammeln und den algerischen Behörden einen Scheck in dieser Höhe für die Betroffenen zur Verfügung stellen. Ernüchtert waren wir, dass trotz mehrfacher Aufforderung dieser Scheck erst nach Ablauf eines Jahres eingelöst wurde?..
Wenn Sie hier helfen wollen, sollten Sie dies unmittelbar über die vor Ort tätigen Hilfsorganisationen tun, da Behörden, wie das Beispiel zeigt, oft zu schwerfällig reagieren.

Mit den besten Grüßen

Ihr

Harald M. Bock

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2.) RASSISMUS IN ISRAEL ? - MERCI, GIDEON LEVY !

Wolfgang Freund
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RASSISMUS IN ISRAEL ? - MERCI, GIDEON LEVY !



Als in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre die Vereinten Nationen unter arabischem Öldruck eine Resolution verabschiedet hatten, wo Zionismus einer bestimmten Form von Rassismus gleichgesetzt wurde, hatte ich dieser Auffassung publizistisch mehrfach und heftig widersprochen. Ich trug Argumente, an denen ich weiterhin festhalte, vor, um diese Behauptung zu widerlegen. Auch glaube ich, dass es nicht Aufgabe eines Europäers sein kann, in eine solche Debatte, Zensuren verteilend, einzusteigen. Die Shoah-Katastrophe liegt zwar schon über ein halbes Jahrhundert tief in der Vergangenheit, doch auch heute noch sollte niemand zwischen Atlantik und Ural dieses Kollektivversagen der zivilisierten Menschheit je aus dem Gedächtnis verlieren.

Umso betroffener machen deshalb Stellungnahmen "zum Thema", wenn dieselben aus der "inneren Linie", wie Napoleon I. gesagt hätte, kommen. In diesem Fall aus Israel. Gideon Levy, Journalist beim linksliberalen Ha?aretz, schreibt in der englischsprachigen Ausgabe vom 25. Mai 2003 (S. 5) unter dem Titel "The scent of racism" ( = ein Ruch von Rassismus*):

"Schockiert zu sein ist eine angemessene Reaktion auf die Empfehlung des Kabinettministers Gideon Ezra, welcher letzte Woche erklärte, man sollte in Israel am besten Araber im Sicherungsdienst (security guards) einsetzen; denn "nur sie besitzen den adäquaten Spürsinn, andere Araber zu erriechen, und dies weitaus zuverlässiger als etwa Einwanderer aus der früheren Sowjetunion. "

Würde in Europa irgendjemand wagen, Vergleichbares über Juden von sich geben, wäre die Welt entsetzt, und zu Recht. Natürlich kann man Ezras Statement einfach ignorieren: denn wo mag wohl die Bedeutung des kurzlebigen Ausrutschers eines nebensächlichen Ministers liegen, dessen Diskursniveau allenfalls ein trübes Licht auf jene Institution zu werfen vermag, aus der er gekommen war ( Shin Bet-Sicherheitsdienst ) ... oder auch auf seinen heutigen Platz am Kabinettstisch?

Im zweiten Anlauf sollten wir Ezra aber dankbar sein. Er liefert eine zutreffende Skizze jener Wirklichkeit, in der wir leben. Tatsächlich "schnüffeln" wir nach Arabern. Sie sind ausnahmslos verdächtig in unseren Augen, einfach aufgrund ihrer ethnischen Herkunft.
Wir sind alle Rassisten. Man mag es oder nicht, wir leben in einer Welt nationaler, um nicht zu sagen rassistischer Segregation. Eine Mischung aus berechtigter Sorge um Sicherheit, die schrecklichen Terrorattacken in den Städten, die moralischen Narben als Folge jahrzehntelanger Besatzungspolitik und unsere verquerte Erziehung haben einen Alltag produziert, welcher jeden, der noch an Menschenrechte glaubt, nur noch schockieren kann.

Doch wir haben uns an die Lage gewöhnt, und unser Augenlicht ist schwach geworden. Wir sind gewohnt, Mitbürger zum Sprechen zu bringen, damit Geheimdienstler einfach aufgrund deren Akzentes beurteilen können, wie gefährlich dieselben seien. Das ist uns zur zweiten Natur geworden. Rassismus liegt auf der Straße, doch wir bilden uns weiterhin ein, in einer aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft zu leben.

Nun kommt dieser Ezra daher und hält uns ohne Vorwarnung den Spiegel vor. Das Bild ist hässlich. Wo mag schon der Unterschied liegen zwischen dem Ausschnüffeln von Arabern wie Ezra anregt, und dem Trick, Passanten sprechen zu lassen um zu sehen, ob sie vielleicht einen arabischen Akzent haben? "Orientalisches" Aussehen, arabischer Akzent, dunkle Hautfarbe oder traditionelle Kleidung erregen umgehenden Verdacht.

Das mag verstehbar sein, wir müssen uns jedoch über die Folgen solchen Verhaltens bewusst werden. Eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder nach Herkunft klassifiziert und das Verfahren als normal empfindet, kann keine gerechte Gesellschaft sein.

Die noch gehässigeren Manifestierungen von Rassismus, wie etwa die üblich gewordenen widerlichen Obszönitäten bei Fußballspielen, sind eine direkte und unvermeidliche Fortschreibung solcher Zustände sowie unserer Billigung. Von den alltäglichen Diskriminierungen bei Budgetfragen und Bürgerrechten gar nicht zu reden.

Es ist heute sehr schwierig geworden, in Israel Araber zu sein, egal ob als Staatsbürger oder als Bewohner der besetzten Gebiete.

Jeder Araber ist ein verdächtiges Individuum, bis zum Beweis des Gegenteils. Dr. Mohammed Darawshe, israelischer Staatsbürger und am Givat Haviva Institute for Advanced Studies lehrend, einem Ausbildungszentrum der Kibbutz Artzi-Bewegung, wollte vor einigen Wochen von Eilat nach Tel Aviv fliegen. Er hatte Dutzende impertinenter und bohrender Fragen zu beantworten hinsichtlich des Zwecks seiner Reise - dies nur ob der ethnischen Herkunft. Zwischen den gestellten Fragen
(Wo hielten Sie Vorträge? Zu welchem Thema? Weshalb sind Sie nach Eilat gekommen? ) und möglicher Gefahr, die seine Gegenwart im Flugzeug heraufbeschworen hätte, bestand nicht der geringste Zusammenhang. Doch Dr. Darawshe ist Araber, und Araber sind bei jeder gebotenen Gelegenheit zu verhören. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Darawshe dieses erniedrigende Erlebnis von Eilat für lange Zeit nicht mehr vergessen wird, selbst wenn es Routine ist.

Getrennte Schlangen für Juden und Araber werden hier seit Jahr und Tag als völlig normal empfunden. Man braucht dazu nicht erst in die besetzten Gebiete gehen - wo Apartheid-Strassen für Juden exklusiv und Ausgangssperren für Araber exklusiv zum Alltag gehören - , um Zeuge von derartiger Segregation zu werden. Die Sache findet im Lande statt, mitten unter uns.

Unter dem Sicherheitsvorwand hat das Phänomen ein bedrohliches Ausmaß angenommen, jenseits aller Vernunft. Arabische Studenten finden in jüdischen Städten keine Bleibe mehr, dies nur ob ihrer ethnischen Herkunft und ohne jeden sicherheitspolitischen Grund.

Unsere arabischen Bürger igeln sich zunehmend in ihren Städten und Dörfern ein, einfach aufgrund der Verdächtigungen und Erniedrigungen, die ihnen bei jedem Kontakt mit jüdischen Bürgern oder den Behörden erwachsen [...].

Als Ergebnis haben wir es heute mit einer jüdischen Generation zu tun, die keine Erfahrung im Umgang mit Arabern und keine Kenntnis der arabischen Gesellschaft mehr besitzt. Jeder Araber ist für sie ein zu bekämpfender potenzieller Feind, und das schon vor der Militärzeit oder dem erniedrigenden Waffendienst in den besetzten Gebieten.

Auf der anderen Seite ist eine arabische Generation herangewachsen, die sich der Apartheid bewusst wird und sich dagegen auflehnt (zusammen mit einer neuen Generation in den besetzten Gebieten, welche den Israeli nur als Waffenträger kennt, als Aggressor ins Zuhause eindringend). Der arabische Israeli, der einfach aufgrund von Akzent oder Aussehen aus einer Diskothek herausgeschmissen wird, wird das Erlebnis lange nicht vergessen.

In den Vereinigten Staaten, wo ähnliche Verhältnisse herrschen, verfielen nach dem 11. September 2001 alle Bürgerrechtsorganisationen in Schweigen. Jede Person, deren Name irgendwo islamisch klingt, ist heute ein verdächtiger Bürger. Und niemand wettert dagegen. Nicht wenige islamische US-Bürger wählten sich neue amerikanische Namen. Wir sollten hier aber kein Beispiel an den USA nehmen und uns nicht unter dem Vorwand von Sicherheit in Rassenwahn treiben lassen.

Wir schulden hingegen Minister Ezra ein großes Dankeschön. Auf seine unumwundene Weise enthüllt er die nackte Wahrheit. - Ja, wir schnüffeln nach Arabern. "

Wenn in Frankreich ein Gericht zu einem durch Objektivität bestechenden Urteilsspruch findet, leistet man sich gerne den Kommentar: Il y a encore des juges en France !

Hier möchte ich spontan ausrufen: Merci, Gideon Levy, il y a encore des journalistes en Israël !

* Frei aus dem Englischen von W. Freund.

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3.) ALGERISCHE ERSCHÜTTERUNGEN

Wolfgang Freund
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Israël (TGB-03-063-24.05.2003)
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ALGERISCHE ERSCHÜTTERUNGEN

Das neue algerische Erdbebendrama bringt ein geologisches Faktum dramatisch in unser Bewusstsein zurück: die Süd- und Ostküsten des Mittelmeeres zusammen mit der Atlantikflanke im Nordwesten Afrikas sowie Italien und die Balkan-Türkei-Iran-Afghanistan-Region liegen in einer tektonischen Gefahrenzone. Eine zuschlagendes Erdbeben ist deshalb immer auch die Vorankündigung des nachfolgenden. Das geht nun seit Jahrzehnten so: Agadir, Orléansville, El-Asnam, Libyen, Italien, Balkanländer, Türkei und ostwärts. Mit schöner Regelmäßigkeit erklären kluge Seismologen von Neuem, wie die Dinge beschaffen sind und wie illusorisch es wäre, eine konkrete Erdbebendiagnose zu einem präzisen Zeitpunkt für eine bestimmte Stelle des Krisengebietes erstellen zu wollen. Einzige Prognose, die gültig bleibt, in etwa dem unfehlbaren Wetterbericht aus dem Schwarzwald vergleichbar, und ich modifiziere die alte Bauernweisheit leicht: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, bebt die Erde oder auch nicht.

Oder, um es linksrheinisch-geopolitisch zu sagen: On ne peut rien contre la géographie. [Charles de Gaulle]

Morgen kann deshalb - Gott bewahre! - Tunis mit seiner Medina, den im Billigbau an den Stadtperipherien hochgezogenen Schlafburgen oder den im Schnellverfahren auf bewegungsfreudigem Küstensand errichteten Monsterhotels touristischer Küstenzonen an der Reihe sein. Dasselbe kann sich in Tripoli/Libyen, entlang der 10 Kilometer langen hochhausbestückten Corniche Alexandriens, im Stadtkern von Kairo oder sonst wo im meeresnahen Vorderen Orient wiederholen. Israelische Experten wissen, dass Tel Aviv und Haifa zunehmend gefährdet sind. In Tel Aviv entsprechen nur etwa 30% der Neubauten erdbebenorientierter Prophylaxe, alles Übrige läuft potentielle Gefahr, bei einer massiven Stoßfolge zu implodieren. Und Gaza-City, gerade 60 Kilometer im Süden Tel Avivs, würde innerhalb weniger Sekunden in einen einzigen Trümmerhaufen verwandelt.

Nur die Japaner haben das Problem seit langem erfasst und platzieren ihre Hochbauten auf Rollen, welche fein dosierte ?Pendeltoleranzen? gestatten. Das erfordert jedoch Vorausplanung und beachtliche Mittel. Beides hatte man in den einschlägigen Krisengebieten des Mittelmeerraumes bislang nie ernsthaft betrieben, bzw. investieren wollen, trotz der sich ständig erneuernden Flammenschriften an der Wand!

Damit driftet der Diskurs in eine neue Richtung. Die politischen Entscheidungsträger vieler von solch potentieller Zerstörung bedrohten Länder - und Algerien bildet hier einen Modellfall - haben jahrzehntelang korrupte, ausbeuterische, den Vitalinteressen der eigenen Nation weitgehend entgegenstehende Diktaturen hochgezogen und gehätschelt, wobei Wesentliches an zu schaffender nationaler "Lebensqualität" als quantités négligeables ständig unter den Tisch gefallen war ... und weiterhin fällt.

Algier / Boumerdès Mai 2003: die Menschen standen verzweifelt vor ihren in sich zusammengefallenen Häusern, unter denen Tausende von Angehörigen einen abrupten, schrecklichen Tod finden mussten. Doch Armee- oder Spezialeinheiten des Zivilschutzes blieben tagelang unsichtbar. Ein Land wie Algerien, wo die Erdbebendrohung um ein Vielfaches höher liegt als die Gefahr, von irgendwelchen imaginären Feinden angegriffen zu werden, hätte gut daran getan, bereits zu Beginn seiner nationalen Existenz entsprechende Armeekorps zur Bewältigung von Erdbebenkatastrophen ausgebildet und ausgerüstet, sowie dieselben in ständigem Training auf den up to date-Stand permanenter und ?blitzartiger? Einsatzfähigkeit gebracht zu haben.

Davon war auch dieses Mal wieder nichts zu sehen. Erst nachdem eine Hundertschaft französischer Erdbebenexperten eingetroffen war, konnten noch einige Menschen dem sicheren Tod entrissen werden. Doch dieselben Franzosen ließen keinen Zweifel daran: bei sofortigem Einsatz kompetenter Spezialeinheiten hätten Hunderte von Menschen gerettet werden können. Ich glaube, der tatsächliche Zustand einer Gesellschaft kann zunächst einmal am Zustand ihrer Krankenhäuser und öffentlichen Bedürfnisanstalten gemessen werden. Dort wird sofort erkennbar, welchen Grad an Achtung ein bestimmtes Regime dem einfachen, anonymen, "machtlosen" und ökonomisch schwachen Bürger entgegenzubringen bereit ist.

Auch die Art und Weise, wie rasch und wie effizient das Kollektiv im Katastrophenfall dem/den betroffenen Einzelnen Soforthilfe zu leisten vermag - bei Epidemien, Verkehrsunfällen, Zugunglücken, Flugkatastrophen, Vulkanausbrüchen, Bränden, Hochwasser oder Gasexplosionen etc. pp. - gehört in dieses Bild. Nahezu alle Mittelmeerländer - unter diesenwiederum ganz besonders jene, die als Entwicklungs- oder Schwellenländer gelten - erhalten hier Zensuren zwischen mangelhaft bis ungenügend.

Mit Alt- oder Neokolonialismus hat das sehr wenig zu tun, sehr viel jedoch mit egozentrischer und profithungriger Menschenverachtung, die sich in derart "jungen" Nationen gerne pyramidenartig artikuliert, von oben nach unten sickernd.

"Revolutionäres Erwachen" könnte eines Tages Lawinen ins Rollen bringe, denen gegenüber die Katastrophenbilder von Algier und Boumerdès solchen aus dem Puppentheater vergleichbar wären !

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4.)

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#1886 - 18/06/2003 16:20 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
18.06.2003

Inhalt:

A ) Delegationsreise nach Irak

B ) Tourismus-Messe Syrien 22. - 23. Juli

C ) Hinweise in eigener Sache

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A )

Sehr geehrte Damen und Herren,

die von uns für diesen Monat geplante Irakreise wird um Monate verschoben werden müssen. Dies aus verschiedenen Gründen:

1. Wie wir aus verschieden Gesprächskreisen u.a. der deutschen Industrie mit dem DIHK und dem BMWA bzw. dem AA wissen, ist die Sicherheitslage im Irak nicht gewährleistet. Schutz wird allenfalls, soweit die Authority hierzu überhaupt in der Lage ist, nur Firmenvertretern aus den Ländern der Willigen zuteil.

Darüber werden wir uns zwar bald hinwegsetzen können, weil sich trotz der amerikanischen Besatzung innerhalb der irakischen Gesellschaft neue Sicherheitsstrukturen bilden. Wir meinen aber angesichts dieser unklaren Lage, verantwortungsvoll zu handeln und Risiken zu vermeiden, wenn wir unsere Pläne vorerst etwas zurückfahren.

Das amerikanische Generalgouvernement Iraq hat eine Zwei-Klassen-Sicherheit geschaffen:
I. Klasse: US-Amerikaner und Verbündete (Willige) und
II. Klasse: Alt-Europäer und Iraker und "Sonstige".
Dabei muss uns klar sein, dass die Zweite Klasse keinerlei Sicherheit genießt und dies auch so beabsichtigt ist: US-Soldaten, um es klar zu sagen, riskieren nichts, um deutsche Geschäftsleute zu schützen - die deshalb völlig schutzlos bewaffneten Banden gegenüberstehen. De facto handelt es sich daher um eine Sicherheitslage, die geeignet ist, alle nicht zur I. Klasse gehörenden Personen von Geschäften im Irak fernzuhalten.
Noch lässt sich auch nicht ausschließen, von der Authority sogar als unwillkommener Gegner behandelt zu werden, was nach der (geduldeten) Plünderung der deutschen Botschaft eher wahrscheinlich ist. Dass sich diese Politik zusehends ins Gegenteil verkehren wird, werden die GIs à la longue jedoch nicht verhindern können!

2. Eine Delegationsreise in den Irak ist zur Zeit auch deshalb sinnlos, weil es viel zu heiß ist und wegen der ungelösten Stromversorgung die Kühlsysteme versagen. Frühestens nach der Sommerperiode wird es wohl wieder weitergehen, der Weg dahin ist aber noch völlig unklar. Eine Reise nach dort erscheint uns daher zur Zeit wirklich inopportun, es sei denn, man beabsichtigt eine rein altruistische Aktion und bringt Hilfe und Lösungen mit.

3. Geschäfte lassen sich derzeit allenfalls nur ohne staatliche Förderung, auf rein privater Basis anbahnen und abwickeln, einige kleine Mitgliedsunternehmen von uns sind schon seit zwei Monaten wieder im Land, weil sie sich auf alte Kontakte beziehen können, die nicht von der Authority geknackt werden konnten.....

4. Allerdings können Firmen als "Anhängsel" über enge US-Firmenbeziehungen bereits zu Abschlüssen kommen. Bechtel hat bekanntlich den Riesenauftrag bekommen, der aus dem irakischen Öl finanziert werden soll, es fließt aber noch kein Öl. Bechtel erteilt Unteraufträge an irakische Firmen, welche ihrerseits im Ausland Hardware einkaufen (in Jordanien, Syrien, Libanon). Weiter kommen sie nicht, weil sie für weitere Reisen kein Geld haben.

5. Auch sind Geschäftsanbahnungen über Umwege, z.B. über Kuwait oder Jordanien realistisch.

6. Schließlich besteht die Möglichkeit, als Subcontractor (im harten internationalen Wettbewerb) zu Aufträgen zu gelangen.

7. Die täglichen Telefonverbindungen nach Bagdad sind kostenintensiv und recht abenteuerlich: Die normale Telefonleitung ist dauerhaft gestört. Der Sprechverkehr läuft über eine Telefongesellschaft mit Sitz in den Emiraten. Die meisten Leute, die angerufen werden und anrufen, verfügen über ein Mobil-Telefon. Das Telefonieren über diese Telefongesellschaft ist aber (für beide Seiten) sehr teuer, so dass man nur wenige Minuten spricht und nur das Nötigste mitteilt.

8. Es herrscht weitgehend völliges Chaos, in vielen Stadtteilen gibt es noch immer keinen Strom und kein Wasser, allenfalls stundenweise. Die Amerikaner wissen nicht, wie sie diese Situation bessern können, zudem liegen die Temperaturen gegenwärtig ständig zwischen 40 und 50 °C.

Die amerikanischen Soldaten sitzen in ihren Panzern, weil nur dort eine Klimaanlage installiert ist, sonst halten sie es nicht aus, zumal sie sich auch nur dort sicher fühlen. Jeeps mit Klimaanlage gibt es nicht, und in Räumen hat man allenfalls mobile Elektrizität, um eine Klimaanlage laufen zu lassen. Die Amerikaner verfügen aber nur über mobile Klimaanlagen und keine fest installierten. Die Amerikaner wagen auch keine Patroullien zu Fuß. Der Körperkontakt zur irakischen Bevölkerung fehlt.

9. Freie Wahlen, die Etablierung einer Landesregierung u.ä., haben für die amerikanische Authority keinerlei Priorität; sie sind ein Fernziel eher für Utopia, denn für Irak. Was sich aber zunehmend installiert, sind Gemeinderegierungen, Stadtteilregierungen auf kommunaler Ebene, und das ohne die Amerikaner, die ohnehin hilflos sind hinsichtlich der wirklichen Bedürfnisse und Gefühle der Menschen. Die Iraker nehmen die Dinge zunehmend selbst in die Hand und holen sich allenfalls ein permit dafür bei den Besatzern.

10. Ein Riesenproblem sind die 400.000 ehemaligen Armee-Angehörigen, die jetzt zu Hause sind und für die niemand Verwendung hat, weil sie nichts gelernt haben. Diese haben in ihrer Mehrzahl keinerlei Chance für irgendein Einkommen und keine Zukunftsideen. Einige meinen, sich mit Schießereien Luft verschaffen zu können. Auch die Ministerialbeamten sitzen zu Hause ohne Einkommen, weil die meisten Ministerien niedergebrannt und ausgeraubt sind. Am besten geht es den Basaris in den Souks, die irgendetwas verkaufen können, Obst, Gemüse, Kleidung usw.

11. Unser Gewährsmann fährt in etwa 2 Wochen wieder nach Bagdad, um sich um unser Verbindungsbüro zu kümmern, das noch immer ohne Strom ist und nur mit Generator wieder funktionieren kann, um die Arbeits-Infrastruktur wieder in Gang zu bringen. Danach kommt er nach Deutschland. Wir werden dann mehr erfahren können und Sie zu einer Gesprächsrunde nach Berlin einladen.

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B ) Tourismusmesse Syrien

SYRIAN ARAB REPUBLIC Under the patronage of the ministry of tourism

Damascus international Tourists meeting for Businessmen and Investors Meeting date: 22-23/7/2003 Activities of the meeting
· Presentation offers and investment of potential opportunities in Syria presented by the Ministry of Tourism for the first time.
· Presentation of the project and investing offers, presented by the companies and individual as per the project form.
· Arranging mutual meeting among businessmen and investors to discuss the touristic investment chances.
· showning the latest successful touristic investment.
· Meeting counterparts in the field of tourism.
· offering a membership card of the meeting with the handbag, which includ literature of the full program of meeting .

The main topics for businessmen and investors in Damascus International Touristic Meeting.
· Touristic investments in Syrian Arab Republic, which will be presented by the ministry of tourism.
· reviewing the investing offers and projects which the participants may present.
· the reality of investing offers and which are possible in Syrian Arab Republic.
· the advantages and guarantees which Syrian Arab Republic offer for protecting the investors and theinvestments.
· reviewing the projects and investment projects that are offered by the Syrian ministries.
· Touristic atmosphere in Syria and promotions for Syrian tourism.
· Seminar about tourist marketing.

Participation Form
Looking forward to your participation and presence at Damascus International Touristic Meeting for businessmen and investors.
Kindly provide us with your activities and your field of interest to enable us to help you and arrange meetings with your counterparts in your field .

· I like to meet my counterpart in the field of:
· Company name:
· Activity:
· Address:
· Telephone no:
· delegated person:
· fax:
· E-mail
· hotel room (five stars hotel)
? the coast of participation is 300$
Note: For hotel reservation, our booking will be at Sheraton hotel (100 us$) per day.
Don?t hesitate to contact us at: alfaek@net.sy
Tel : 00963 11 2453918
00963 11 2455732
00963 93 244299

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#1887 - 01/07/2003 14:04 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT
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10557 Berlin
Tel.: 030-80941992
Fax: 030-80941996
www.d-a-g.de info@d-a-g.de
22. Juni 2003

Inhalt:

1. Rundschreiben
1.1 Würdigung der Arbeit von Jürgen Möllemann
1.2 Stipendien und Korrespondentenpreis
1.3 Nachfolge

2. Einladung Diskussionsrunde - 26. Juni 2003

3. Neue Mitarbeiter

4. Organisatorisches

5. Einladung zu informellem ehrenamtlichen Mitarbeitergespräch - 27. Juni 2003

6. In eigener Sache

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1.

An die Mitglieder und Freunde der
DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT

Sehr geehrte Damen und Herren,

1.1
der Tod unseres langjährigen Präsidenten trifft uns alle fassungslos. Er hatte der D-A-G Konturen gegeben und ihren politischen Kurs wesentlich bestimmt.
Kein anderer Deutscher des öffentlichen Lebens hatte in Arabien so viele Freunde, niemand anderes wurde in arabischen Medien so oft als personifizierter Beleg genannt für die Existenz der deutsch-arabischen Freundschaft.
Sein Tod bedeutet für uns gewiss eine schmerzliche Zäsur, aber wir würden uns der spannenden Herausforderung der Pflege dieser Freundschaft nicht stellen, wenn wir jetzt aus dem Tritt gerieten.

1.2
Mich haben inzwischen Hunderte von Zuschriften erreicht, in denen danach gefragt wurde, in welcher Form wir das Andenken an Jürgen W. Möllemann wach halten können. Nach Beratung mit Vorstands- und Beiratsmitgliedern gelangten wir zur Überzeugung, es entspräche seinen Wünschen, wenn wir es erreichten, ein Stipendienprogramm für deutsche und arabische Studierende ins Leben zu rufen. Auch die Verleihung eines Preises für faire Berichterstattung aus Nah- und Mittelost war ein Anliegen unseres verstorbenen Präsidenten. Wir suchen nach Wegen, diese Ziele zu realisieren.

1.3
Wir sehen uns z. Zt. nach einem geeigneten Nachfolger um, der auf Grund seiner Persönlichkeit unserer Arbeit Impulse geben kann und dazu beiträgt, die beiden sich gegenüberliegenden Kulturkreise enger zu verweben.

1.4
Die ursprünglich für den 27. Juni 2003 geplante 2. Jahresmitgliederversammlung musste aus diesen Gründen zwangsläufig verschoben werden.
Wir werden uns aber an diesem Tage zu einem Meinungsaustausch treffen, um uns über die Frage der Schaffung einer gerechten Friedensordnung in Arabien zu unterhalten; vgl. die nachstehende Einladung (vgl. TZ 5).

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2.

Bringt Amerika den Frieden nach Nah- und Mittelost?
_________________________________________

Die Deutsch-Arabische Gesellschaft (D-A-G) lädt ein

zu einer Diskussionsrunde
______________

am Donnerstag, dem 26. Juni um 18.30 h in den Konferenzsaal der D-A-G,
Calvinstraße 23, 10557 Berlin.

Referenten:

Prof. Dr. Lamice El Amari, Berlin:

>>>Enttäuschter Blick auf Bagdad
nach 20 Jahren Exil in Europa und Amerika

Harald M. Bock, Generalsekretär der D-A-G:

>>> Die Roadmap des George W. Bush -
>>> Verdient sich der Golfkrieger den Friedensnobelpreis?
- Die Rolle Europas im Minenfeld Nahost

Um Antwort wird gebeten bis zum 25. Juni 2003 unter info@d-a-g.de
bzw. Fax: 030-80941996 (bitte nur Zusagen)

----------------------------------------------------------------------------------
4.

Einige organisatorische Hinweise:

Seit wenigen Tagen ist unser Berliner Büro wieder voll besetzt; Frau Darwich und Frau Baberowski sind werktäglich zwischen 9 und 17.00 h für Sie erreichbar. Frau Maternowski ist inzwischen aus Beirut zurück und arbeitet wieder tageweise für die D-A-G. Herr Zuber arbeitet nicht mehr für uns. Ehrenamtliche Mitarbeit ist immer willkommen (vgl. auch TZ 5).

Bitte teilen Sie uns ggf. Adress- und Telefonänderungen, Änderungen Ihrer elektronischen Verbindung (e-mail) und für Mitglieder, die am Lastschriftverfahren teilnehmen, etwaige Änderungen ihres Kontos mit.
Wir haben unsere Mitgliedersoftware modernisiert und umgestellt, was mit erheblichen Schwierigkeiten einherging; Doppelbuchungen waren für Sie und für uns äußerst ärgerlich. Bitte haben Sie Verständnis für die Pannen, die damit verbunden waren. Ich hoffe künftig wird dies störungsfrei laufen.
Unser Internetauftritt wird immer umfangreicher und informativer, auch wenn wir wegen der Personalumstellung eine zweiwöchige Aktualitätseinbuße in Kauf nehmen mussten.

Ein umfangreicher Mitgliederrundbrief ist in Vorbereitung; er wird den D-A-G ? Mitgliedern auf dem Postweg zugestellt werden.

Mit den besten Grüßen

Ihr

Harald M. Bock

Deutsch-Arabische Gesellschaft, Calvinstr. 23, 10557, Berlin (S-Bahn Bellevue),
Tel.+49 30 80941992-95; www.d-a-g.de
Konto: VR ? Bank Bonn, BLZ 38160220 ; Kontonummer: 6106044013
.

Aufruf vor allem an die Mitglieder und Freunde aus Berlin und dem Berliner Umland:

Alle, die ihre Arbeit ehrenamtlich einbringen wollen in die Deutsch-Arabische Gesellschaft, sind hiermit herzlich eingeladen,

am 27. Juni 2003 von 15.00 h bis 18.00 h
zu einem Mitarbeiter - Workshop.
___________________

Treffpunkt: D-A-G - Geschäftsstelle Calvinstraße 23

In ad hoc zu bildenden Arbeitskreisen - Bezugnahme auf die in der letzten Mitgliederversammlung angeregten AKs - wollen wir Konzepte diskutieren und über künftige Aktivitäten sprechen.

Bitte teilen Sie per e-mail unter Stichwort "AK" mit, wenn Sie an diesem Treffen mitwirken wollen.

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6.

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#1888 - 02/07/2003 20:18 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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der Deutsch-Arabischen Gesellschaft
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Inhalt:

1. Semiramis im Blitzgewitter - Eine SPIEGEL - Reportage

2. Arabisch Lernen - elektronisch

3. Das Kulturereignis des Jahres

4. Leseempfehlung

5. In eigener Sache

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1.

Semiramis im Blitzgewitter

Antikencoup in Bagdad: Das US-Oberkommando will der Weltpresse den verschollen geglaubten "Schatz der Königinnen von Nimrud" präsentieren -
57 Kilogramm pures Gold aus Assyrien.
Die Herrscherinnen-Skelette werden derweil in Göttingen untersucht.

Als Mesopotamiens Kultur schon 2000 Jahre alt war und Abendlicht über Euphrat und Tigris leuchtete, als Schubkarre und Schrift, Gesetzbuch und Bier längst erfunden waren, bestieg im Norden dieses Garten Eden ein schlimmer Hitzkopf den Thron.

Assurnasirpal II., so sein Name, besaß zwar ein Wasserklo, auch ließ er sich täglich den Bart kämmen. Doch im Herzen dieses Mannes, so formulierte es der Orientalist Wolfram von Soden, keimten "widerwärtigste Regungen".

"Ich verbrannte Jünglinge und Mädchen mit Feuer", röhrte der Grobian, "ich stapelte Leichen zu Türmen." Bis nach Persien und zum Mittelmeer stieß der Stratege vor - und fackelte nicht lange: "Dem Hulai, ihrem Stadtherrn, zog ich die Haut ab und hing sie an der Mauer von Damdamusa auf." Dann wieder prahlte er: "Ich fing lebende Tiger."


Antikenverwalter George, US-Soldaten (bei der Präsentation einer sumerischen Priesterstatue, die nach der Plünderung wieder aufgetaucht ist): Im Hintergrund ziehen die Amerikaner die Strippen


Dieser Rambo, Urbild orientalischer Despotie, der um 880 vor Christus den Grundstein für das Neuassyrische Reich legte, war aber auch ein charmanter Galan und Liebhaber der Frauen. Üppig war sein Harem. Unter dem Fußboden seines Palastes in Nimrud fanden vier Königinnen ihre letzte Ruhestätte. Die jüngste starb mit kaum 20 Jahren.

Es war im Frühling 1988, als der irakische Antikendienst östlich von Mossul auf die erste Gruft stieß. Ein Jahr später kam die nächste Kammer zum Vorschein, gefüllt mit "Beigaben von atemberaubender Pracht", wie es im vorläufigen Grabungsbericht hieß.

Kristallbecher und Juwelen, Anhänger aus Lapislazuli, Diademe, Armreife, dazu 400 Keilschrifttafeln bargen die Forscher aus den Gewölben. Im August 1989 kam noch eine dritte Kammer dazu. In ihr lag aufgebahrt eine - namentlich nicht bekannte - Königin, behängt mit 23 Kilogramm Gold. Daneben fand sich ein Kind, auf dem Schädel eine riesige Krone.

"Einmalig" nennt die Fachwelt den rund 2800 Jahre alten Fundkomplex von Nimrud, dessen Goldschmiede auf höchstem Niveau arbeiteten. Der Marburger Orientalist Walter Sommerfeld drückt es so aus: "Es ist der größte Antikenschatz seit Tutanchamun."

Bekannt sind die Kostbarkeiten kaum. Kurz nach ihrer Bergung brach der erste Golfkrieg aus. Die Objekte wanderten in den bombensicheren Tresor der Nationalbank von Bagdad. Danach, mit dem Embargo, kam die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde zum Erliegen.

Teile der Skelette jedoch gelangten 1997 zur Analyse nach Deutschland. Im Koffer hatte der Göttinger Anatom und Paläopathologe Michael Schultz die Gebeine der Königinnen in das Uni-Institut verbracht. Dort untersucht er sie derzeit mit Endoskopen und einem Rasterelektronenmikroskop.



Reste von insgesamt 17 Personen konnte der Fachmann ermitteln. Schultz entdeckte unterm Mikroskop Hautreste sowie Partikel des Leichenschleiers. Ein Gerippe ist ganz grün, die Kupferionen des Bronzesarges haben es verfärbt. Dann zeigt der Experte auf braune Krümel. "Das könnte Gehirnmasse der Königin Jaba sein."

Die Edeldamen vom Tigris, keine Frage, sind ein Knüller. So sieht es auch das Oberkommando der US-Streitkräfte im Irak. Obwohl durch Bagdad immer noch bewaffnete Banden laufen, soll der Schatz am Mittwoch von der Bank ins Nationalmuseum verbracht werden. Für Donnerstagmittag ist in der Haupthalle ein Fotoshooting angesagt: Der schönste Goldfund aus dem Zweistromland wird der Weltpresse gezeigt.

Puderdosen und Kristallkelche, dazu Armringe, in denen winzige Steine aus Türkis, Malachit und Tigeraugen sitzen, will das Militär unter Bewachung vorführen. Das schwerste Einzelstück, ein Fußring mit Blumendekor, wiegt über 1100 Gramm.

An dem Geschmeide klebt Blut: Es stammt aus der brutalsten Phase in der Geschichte des Alten Orients. Hergestellt wur- de es zwischen 883 und 612 vor Christus, zu jener Zeit, als die bärtigen Tyrannen vom Tigris zur Weltherrschaft griffen.

Viel Leid brachte dieses Volk seinen Nachbarn. Assyriens Heer pfählte, blendete und verstümmelte seine Feinde von Zypern bis hinunter in den Jemen. Die Herrscher ordneten Massendeportationen an; gegnerischen Kriegern wurde die Rückenhaut abgezogen, so dass sie ausdörrten (Dauer des Sterbens: etwa ein bis zwei Stunden). In der Bibel taucht Nimrud unter dem Namen "Kelach" auf und wurde (weil seine Heere auch Juda und Israel besiegten) zur Chiffre fürs Inhumane schlechthin.

Die Griechen, weiter vom Schauplatz entfernt, sahen es gelassener. Sie erzählten sich Sagen vom unermesslichen Reichtum Nimruds. In der glanzvollen Metropole lebte auch die männermordende Königin Semiramis (die in Wahrheit Sammuramat hieß und etwa um 800 vor Christus starb). Die ihr zugeschriebenen Hängenden Gärten zählten die Griechen zu den sieben Weltwundern.

Verschwiegen liefen vergangene Woche die Vorbereitungen für die große Goldschau. Irakische Restauratoren stiegen hinab in den Banksafe und polierten die Juwelen, die in insgesamt 25 Kisten lagern. Gezeigt werden sollen aber auch völlig unbekannte Objekte, darunter Silber aus einem mysteriösen vierten Nimrud-Grab, sowie zwei geflügelte Stiere mit Menschenkopf, intern "Baby-Kolosse" genannt.

Doch ist die Idee, der Welt diese Pracht vorzuführen, wirklich gut? Über 60 alliierte Soldaten sind seit dem Ende der Kämpfe im Irak getötet worden. Die Scherben im geplünderten Bagdad-Museum sind zwar weggeräumt. Doch viele Türen sind immer noch kaputt, die Alarmanlage funktioniert nicht.

Sommerfeld hält den Klunker-Event denn auch für eine "PR-Aktion", mit der sich das Pentagon reinwaschen wolle. Durch die Unachtsamkeit der siegreichen US-Armee war am 9. April das Museum ausgeraubt worden. Nach der ersten Inventur fehlen aus den Magazinen 10.000 Objekte. Auch Meisterwerke gingen zu Bruch, darunter die berühmte Harfe von Ur.

In der Provinz ist die Lage immer noch außer Kontrolle. Mit Jeeps und Helikoptern haben Archäologen die antiken Ruinen im Land besucht. Überall treiben Grabräuber ihr Unwesen. Isin, einst Hauptstadt Mesopotamiens, gleiche einer Mondlandschaft, erzählt der Heidelberger Archäologe Peter Miglus. Mit Schaufelbaggern graben die Diebe dort zehn Meter tiefe Löcher in den Boden.


Schmuckplatte mit Palmenemblem aus Nimrud: Gold-Show als PR-Aktion


Auch hinter dem Verbleib des Nimrud-Schatzes stand anfangs ein Fragezeichen. Mit Brechstangen hatten Stammeskrieger die Zentralbank gestürmt. Ende Mai führten irakische Archäologen das FBI hinunter in die Safes. Alle atmeten auf: Die Plünderer hatten zwar Granaten auf die Tresortüren geworfen, wodurch die Sprinkleranlage ansprang und alles unter Wasser setzte. Doch die Plomben der Schatzkisten blieben unversehrt.

Mit der Öffnung dieser Schmuckschatullen hofft der neue Chef der Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer, werde sein Land endlich wieder positive Schlagzeilen machen. Die Idee mit der Gold-Show stammt von ihm.

Der alte Antikendirektor Jaber Khalil Ibrahim wurde kurzerhand seines Amtes enthoben. Neuer Liebling der Amerikaner ist der joviale Donny George, der bislang als Forschungsdirektor der Altertümer-Behörde fungierte.

Artig posierte der freundliche Sanguiniker letzte Woche mit einer Gruppe amerikanischer Gardesoldaten vor einer sumerischen Priesterfigur - ein Bild mit Symbolgehalt: vorn steht klein die Kultur, dahinter Donny George. Und im Hintergrund ziehen die Amerikaner die Strippen.

Donnerstagmittag, heißt es, werde den Kameras der Zugang zu dem Assyrerschatz gewährt. Erwartet wird ein Blitzgewitter über den aufgestapelten Schätzen aus dem Umkreis der Königin Semiramis.

Doch, bei aller Kritik, die große Archäo-Schau hat auch gute Seiten. Endlich wird dieser antike Ausnahmefund der Öffentlichkeit vorgestellt. Vor allem die Arbeit des Göttinger Anatomen Schultz macht klar, mit wie vielen Rätseln das Grab der Königinnen von Nimrud noch verbunden ist:

In Gruft 1 lag eine prächtig geschmückte Frau, 50 bis 55 Jahre alt, mit Hakennase. Der Tonsarg, original mit Bitumen verschlossen, stammt aus der Zeit von Salmanassar III. (858 bis 824 vor Christus). Wer aber ist die Tote?

Gruft 2 enthielt gleich zwei Königinnen. Im unteren Teil der Sargwanne befand sich das Skelett von Königin Jaba, Gattin Tiglatpilesers III. (745 bis 727 vor Christus). Sie starb mit etwa Mitte 30. Auf diese Leiche legten die Bestatter - offenbar eilig und ruck, zuck - eine weitere Königin: Atalia, die Gattin Sargons II. (721 bis 705 vor Christus).

Noch wirrer sieht es in Gruft 3 aus. In der Vorkammer standen drei Bronzesärge, in denen sich Reste von insgesamt 13 Menschen befanden, darunter vier Kinder, ein drei Monate altes Baby und ein königlicher Eunuch. Keines der Skelette ist vollständig. Schultz vermutet: "Die Toten wurden in verwestem oder skelettiertem Zustand in aller Eile umgebettet."
Das Gebein-Wirrwarr steht nach Ansicht der Experten in Zusammenhang mit jenem fürchterlichen Big Bang, der das stolze Nimrud für immer in den Abgrund riss. 612 vor Christus erstürmte eine persisch-medische Streitmacht die Festung am Tigris und drang in den Königspalast ein.

Der Einfall der Ostvölker, deren Streitkräfte die assyrische Bevölkerung buchstäblich ausrotteten (noch 200 Jahre später fanden die Griechen das Land nahezu menschenleer vor), war Rache für die unerträglichen Leiden, die Assurnasirpal II. über den Orient gebracht hatte. Unterstützt durch fahrbare Sturmböcke und Kamel-Kavallerie war er mit seinen Truppen bis zum Mittelmeer vorgestoßen.


Angesichts derartiger Machtfülle musste auch eine neue Residenz her: Nimrud. Maurer und Steineschlepper zogen auf einem Felssporn am linken Tigris-Ufer im Rekordtempo Häuser hoch. Ein Stufenturm ("Zikkurat") wurde gebaut, dazu Brücken, ein Löwenzoo, eine Sternwarte. Der König lebte in einem 200 Meter langen Palast, an dessen Wänden Relieftafeln wie Comicstrips prangten.

Zum Richtfest im Jahr 879 vor Christus lud der Regent, den Annalen zufolge, 69.000 Menschen ein. Zum Klang von Harfen und Trommeln servierten Diener Berge an Fisch, Feigen und Pistazien, 16.000 Schafe sowie 10.000 Schläuche Wein.

Lange war unklar, wo eigentlich dieses Schlaraffia lag. Erst 1820 kam ein britischer Abenteurer auf die richtige Spur und identifizierte die Ruinen. 1949 grub dann der englische Archäologe Max Mallowan in Nimrud, der Ehemann von Agatha Christie. Im Beisein der Krimiautorin wuchtete er 30 Tonnen schwere Fabeltiere aus dem Staub. Die Goldgrüfte aber fand er nicht.

Erst den Irakern fielen bei einer Nachuntersuchung merkwürdige Beulen im Palastfußboden auf. Flugs brachen sie das Pflaster auf und lugten in ein Gewölbe. Gruft 1 war bis zum Rand mit Staub gefüllt - zugerieselt wie eine Sanduhr.

Aus Gruft 2 stieg Modergeruch. "Lange Wurzeln der Halfa-Pflanze, eines robusten Unkrauts, hingen wie elektrische Kabel von der Gewölbedecke", heißt es im Grabungsprotokoll. Die Toten lagen unter einem dunklen Leichentuch mit goldenen Sternen. Als die Forscher es berührten, zerfiel es zu Staub.

Was für ein Coup! Gleichsam unterm königlichen Schlafzimmer verborgen, traten plötzlich unbekannte, in keiner Keilschrift erwähnte assyrische Edelfrolleins ans Licht, überprächtig behängt mit Geschmeide. Einst lebten sie an der Seite antiker Weltenherrscher.

Und sie hatten süß gelebt. Allein im Sarg der Königinnen Jaba und Atalia türmten sich Berge von Schmuck: 79 goldene Ohrringe kamen zu Tage, Diademe, 6 Halsketten, 14 Arm- und 30 Fingerringe, Fibeln, Broschen, 15 Goldgefäße sowie 11 kleine Goldfläschchen für Parfums und Kosmetika.

Putzsüchtig und eitel waren diese Damen, keine Frage. Und sie faulenzten viel. Obwohl jung gestorben, wiesen beide Königinnen bereits Anzeichen von Arthrose auf. "Ein Hinweis auf Bewegungsmangel, ihre Körper waren untrainiert", erklärt Schultz. Im Klartext: Während ihre Männer Krieg führten, gammelten sie, von Eunuchen bewacht, auf weichen Kissen im Harem herum.

Auch die Essgewohnheiten der Frauen konnte der Mediziner ermitteln. "Der Abrieb ihrer Zähne ist sehr gering", erzählt er. "Sie aßen viel weiche Kost, Pasteten, zartes Fleisch, aber wenig faserreiche, pflanzliche Nahrung." Atalia brach sich irgendwann den linken kleinen Zeh, aber die Fraktur verheilte. Warum die Herrscherinnen beide schon mit etwa 35 Jahren starben, weiß der Mediziner nicht.

Weniger gut ins Bild vom Lotterleben passt die Diagnose des königlichen Zahnfleisches. Es war entzündet, teilweise hatten sich Abszesse gebildet: "Die hatten wohl schlimmen Mundgeruch", meint der Knochen-Detektiv aus Göttingen. Zudem war der Hochadel häufig verschnupft: Viele Skelette weisen Spuren chronischer Stirnhöhlenvereiterungen auf. Der Palast war im Winter feucht und fußkalt.

Warum aber sind die Kollagenfasern in den Gebeinen der Atalia verändert? "Die Leiche wurde mehrere Stunden lang auf 150 bis 250 Grad erhitzt", sagt der Anatom. Sein Verdacht: Der Körper sollte mittels Braten und Rösten haltbar gemacht werden.

Betrieben demnach auch die Assyrer Totenkonservierung, ähnlich wie die Pharaonen? Das wäre durchaus denkbar. Ob Mode, Kunst, Kosmetik oder Architektur - der Nilstaat gab auf vielen Gebieten den Ton an. In Memphis lebten die elegantesten Damen. In einer der Nimrud-Grüfte lag ein ägyptischer Skarabäus.


Gleichwohl trägt der Alte Orient ein eigenes, unverwechselbares Gepräge. In Sachen Mathematik konnte dem Land der Zikkurate niemand das Wasser reichen. Auch bei der Sternenschau hatten die Assyrer die Nase vorn. Dutzende von Astronomen berieten den König. Jede Sternschnuppe, jede Mondfinsternis nahm das Volk als Omen, dessen Sinn es zu entschlüsseln galt. Seher lasen die Zukunft aus frischem Tiergedärm.

Auch die Phantasien des Schlafes galten als göttliche Zeichen. Das "assyrische Traumbuch" aus dem 7. Jahrhundert vor Christus deutet Fäkal- und Urinträume. Inzest- und Sodomiemotive kommen zur Sprache, auch Sexualkontakte unter Männern oder mit Kindern. "Wenn jemand Menschenfleisch isst", heißt es weiter, "wird er große Reichtümer bekommen."

Beim Krieg betrieben die Assyrer dagegen Realpolitik. 671 vor Christus preschte König Asarhaddon mit seinen Soldaten bis zum Nil vor. Der letzte große Rivale ging k. o. Umgehend ließ der Sieger ein Relief anfertigen. Es zeigt, wie der Assyrer den als Zwerg dargestellten Pharao am Nasenseil führt. Nimrud stand auf dem Gipfel seiner Macht.

Doch nichts währt ewig. Aus den Weiten des Ostens kamen die Meder (aus Persien) und bereiteten dem einst von Assurnasirpal II. gegründeten Reich ein grausames Ende. Nach langer Belagerung schossen sie Nimrud sturmreif. Die Stadttore splitterten. Dann entlud sich "der in Jahrhunderten angestaute Hass gegen die assyrische Bedrückung auf fürchterliche Weise", wie der Orientalist von Soden erklärt.

Das Knochenchaos in den königlichen Grüften zeugt vom Schrecken jener Tage. Wohl in Panik seien noch in allerletzter Sekunde "Sekundärbestattungen" durchgeführt worden, meint Schultz. Die Leichen hochrangiger Mitglieder der Herrscherfamilie sollten vor den Persern gerettet werden.

Vor allem das Gewirr in der Gruft 3 belegt diese These. Zwar brachen die Soldaten der Sieger mit brutaler Gewalt in die Hauptgruft ein. Dort stand der vier Meter lange Sarkophag der Königin Mullissu, Gattin des Reichsgründers Assurnasirpal. Gierig zerschlugen sie den Sargdeckel. Nur eine einzige Perle und einen kleinen Knochen ließen sie liegen.

Das blockierte Versteck im Nebengewölbe aber übersahen die Diebe. Dort standen drei Bronzesärge - vollgestopft mit den Resten von 13 Menschen.

"Die zartesten Gebeine", so der Paläopathologe Schultz, "stammen von einem Fötus im 8. bis 9. Lunarmonat." Ob es sich um eine Frühgeburt oder um die Leibesfrucht einer der bestatteten Frauen handelt, vermag er nicht zu sagen.

Hastig, glaubt Schultz, seien die Umbettungen erfolgt. Die Bestatter hätten dabei zum Teil schon zerfallene Körper herumgeschleppt, bei denen die Rippen und Fingerknochen bereits vermodert waren. In einer der Bronzewannen lagen Bruchstücke von fünf Erwachsenen; einer von ihnen ließ sich identifizieren: Es ist der Feldherr Samsi-ilu, der unter vier Königen diente.

Dass die persischen Häscher den Palast gezielt nach Schätzen absuchten, macht auch ein anderer (noch unveröffentlichter) Fund deutlich. Im Brunnen des Palasthofes steckten 300 menschliche Gerippe, alle trugen eiserne Hand- und Fußfesseln. Wahrscheinlich handelt es sich um gefolterte Diener, denen die Sieger das Geheimnis der Goldgrüfte abpressen wollten.

Zum Glück spürten die Eroberer damals nicht alle Gewölbe auf, drei Gräber übersahen sie. Doch schon deren Beigaben sind so wertvoll, dass sie mit heutigem Geld kaum aufzuwiegen sind. Vor einigen Jahren versuchte das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz, den Schmuck für eine große Ausstellung nach Deutschland zu holen. Das Vorhaben scheiterte - kein Unternehmen war bereit, die Objekte zu versichern.

Das US-Militär wagt nun einen neuen Versuch. Im Schutz von Sturmgewehren und Abrams-Panzern holen Amerikas Soldaten das Gold von Nimrud aus dem Tresor. Gezeigt wird auch die Krone aus Gruft 3, die mit kleinen Engeln verziert ist. Vielleicht sind es auch Bienen.

Ein bisschen vom Glitzer dieser 2800 Jahre alten Schätze wird am Donnerstag auch auf die neue Macht im Irak abstrahlen. Die wahren Probleme des Landes, darüber kann die Propaganda-Show nicht hinwegtäuschen, liegen indes woanders.

"Tagtäglich verwüsten Raubgräber systematisch die antike Kultur Mesopotamiens", erklärt Sommerfeld, "und keiner tut was."

MATTHIAS SCHULZ, BERNHARD ZAND

aus:
DER SPIEGEL 27/2003 - 30. Juni 2003
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,255228,00.html
Archäologie *

(* unter diesem Hyperlink finden Sie auch spektakuläre Bilder des erstmalig ausgestellten Schatzes der Assyrer)

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2.

Seit dem 1. Juli 2003 gibt es die erste deutschsprachige CD-ROM zum Erlernen der arabischen Sprache am PC (Hocharabisch und syrische Dialekte, mit dem man sich in der arabischen Welt aber gut verständigen kann.).

Informationen enthält der beigefügte Flyer, der allerdings aufgrund der Photos ziemlich dick ist, daher über diesen Newsletter mit dem Domeus ? System nicht versandt werden kann. Mehr zur der CD Arabia gibt es auch unter
www.buske.de

Sie können den Flyer ab Ende dieser Woche als download von der D-A-G Homepage erhalten.

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3. Die Leseempfehlung

SPIEGEL - Spezial Nr. 2 vom Juni 2003

Der Islam und der Nahe Osten - Allahs blutiges Land

Diese neue Spiegel-Veröffentlichung zum Krisenherd Nahost (5 EURO - 130 Seiten) enthält neben einem Überblick mit informativen Länder - Dossiers verschiedene Aufsätze über den Islam und die unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die Baath-Partei, die Hintergründe der Entstehung des Juden - Staates und die Schlüsselrolle der USA auch ein bemerkenswertes Interview mit Außenminister Josef Fischer und seine Vermittlungsversuche zwischen den Antipoden.

Ob jedoch eine Sentenz Fischers wie die folgende ihn für diese Rolle qualifiziert, ist eher fraglich: "Tatsächlich ist Israel eine Herausforderung für seine arabischen Nachbarn, aber eine positive: durch seine Modernität, die Offenheit der Gesellschaft, ihre Lebendigkeit, die Dynamik der Ökonomie von Technologie, von Forschung (vgl. S. 35)."

Weiter enthält das Heft Aufsätze zum amerikanischen Abenteuer im Zweistromland und gibt Überblicke über die politische Situation in Syrien, Iran, Jordanien, Saudi-Arabien, Ägypten, Kuweit, Dubai, Jemen, Libanon, Israel und Palästina - angereichert mit einer Fülle von Bildern und Kartenmaterial.

hoch
#1889 - 02/07/2003 20:19 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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-A-G - Newsletter (Politik) Nr. 9 / 2003
DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT
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10557 Berlin
Tel.: 030-80941992
Fax: 030-80941996
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02. Juli 2003

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Inhalt
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0. Vorwort

1. Prof. Lewan über die Medien und Möllemanns "Hinrichtung"

2. Uri Avnery und das Israelo-Arabische Friedenscorps

3. Alfred Grosser und die "Pressefreiheit" des Exprès

4. Israels Appartheidsmauer

5. Gideon Levy in Haaretz über die "faire" Friedensinitiative Roadmap

6. Terrorgefängnisse der israelischen Besatzer

7. Daily Star kommentiert Israels Besatzungspolitik

8. Buchempfehlung

9. In eigener Sache

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0.

Westerwelle, Gerhard und Kollegen mussten sich nach dem tragischen Tod von Jürgen Möllemann den Vorwurf gefallen lassen, mit ihren Äußerungen die Ereignisse mitverschuldet zu haben. Statt des bequemen Alleinschuldigen Möllemann am Wahldesaster der FDP fanden sie sich auf einmal auf der Anklagebank. Doch auch andere, die sich öffentlichkeitswirksam in den Strom der Kritiker einreihten, trugen zum Psychoterror gegen Möllemann bei. A.S.

(Übrigens: der Tugendwächter der Nation bzw. der selbsternannte telegene Vertreter der Anklage erlebt z.Zt. sein schlüpfrig verkokstes Waterloo; nachzulesen unter: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,druck-255449,00.html !!! )

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1.

Professor Dr. Kenneth Lewan erinnert in einem Artikel in der FAZ an diese nahe Vergangenheit :

Auch andere hetzten gegen Möllemann

Im Artikel "Ende eines Überlebenskampfes" (F.A.Z. vom 6. Juni) würdigte
Volker Zastrow Jürgen Möllemanns hervorragende Eigenschaften und
Leistungen wie auch seine Verfehlungen gegenüber anderen in seiner
Partei. Gleichzeitig rügte er die FDP wegen ihrer maßlosen Angriffe,
ihren "Vernichtungskampf" gegen Möllemann. So weit, so sehr gut. In
diesem Zusammenhang ist es angebracht, die Beteiligung anderer an dieser
Bestrebung zu vergegenwärtigen. Zu dieser Zeit war Wahlkampf. Der
palästinensische Aufstand war ausgebrochen, und der erbarmungslose
israelische Zerstörungskampf in den besetzten Gebieten war im Gange. Aus
den Führungskreisen anderer Parteien und dem Zentralrat der Juden begann
eine großangelegte Hetze gegen Möllemann mit dem Antisemitismusvorwurf,
obwohl keine seiner damaligen Äußerungen gegen die israelische Führung
und Michel Friedman Antisemitismus im landläufigen und
wissenschaftlichen Sinn waren. Keine enthielt eine Verallgemeinerung
über "die Juden", das heißt über eine ganze Volks- oder
Glaubensgemeinschaft.

Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, warnte in einer Rede
auf dem Parteitag der CDU vor einer Koalition mit der FDP, weil "ein
führendes Mitglied, dessen antijüdische und antisemitische Äußerungen
sattsam bekannt sind", Regierungsverantwortung bekommen könnte, so daß
"Antisemitismus als Teil öffentlicher Politik wieder denkbar und
ermöglicht" würde. Frau Bohley (Grüne) behauptete: "Möllemann ist ein
lumpiger Antisemit." In diesem Sinne äußerten sich drei weitere Grüne,
Außenminister Fischer, Beck und Frau Roth, allerdings ohne den
marktschreierischen Ton von Frau Bohley. Bundeskanzler Schröder
beschuldigte die FDP und damit Möllemann, "mit dem Antisemitismus zu
spielen". So auch Müntefering: Die FDP wolle "antisemitische Stimmungen
in Deutschland für ihren Zweck instrumentalisieren". Die gleichen
Geräusche konnte man aus den Führungskreisen von CDU/CSU vernehmen.
Bernhard Vogel: Möllemann habe "den Juden" die Schuld am Antisemitismus
vorgeworfen. Edmund Stoiber: Die FDP und damit Möllemann "spielen mit
dem Feuer des Antisemitismus aus wahltaktischen Gründen". Sie würden
Ewiggestrige gewinnen wollen.

Eine scharfe Zurückweisung dieser Vorwürfe von einzelnen in der CDU/CSU
und bei der FDP gab es schon, aber es gab keine nennenswerte Anzahl von
Aufmüpfigen in politischen Kreisen.

Professor Dr. Kenneth Lewan,

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2003, Nr. 149 / Seite 38

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2.

Dass Israelis und Palästinenser nicht auf die ?uneigennützige? Hilfe des großen Bruders Amerika angewiesen sein müssen zeigt die hoffnungsvolle Initiative von Uri Avneri und gleichgesinnten Israelis und Palästinensern in Ramallah. Trotz des Versuchs der israelischen Sicherheitskräfte fand dort die Gründungskonferenz einer Gruppierung statt, die für das künftige Zusammenleben von Israelis und Palästinensern wegweisend sein könnte.

Uri Avnery :

?Ein wichtiges Ereignis fand heute in Ramallah statt. Dreihundert
Persönlichkeiten, die Hälfte von ihnen Palästinenser, die andere Hälfte
Israelis, nahmen an der Gründungskonferenz der ersten völlig
integrierten, gemeinsamen Friedensorganisation teil: die Gemeinsame
Israelisch-Palästinensische Aktionsgruppe für Frieden.?

Im folgenden einige Auszüge aus seiner sehr emotionalen Rede :

?Liebe Freunde,
Wir, Israelis und Palästinenser, Palästinenser und Israelis, kommen
heute zusammen, um etwas völlig Neues zu schaffen: eine gemeinsame
Aktionsgruppe für Frieden.
Es geht nicht um einen Waffenstillstand (arab.: Hudna), nicht um einen
vorläufigen Kompromiss, nicht nur um einen weiteren kleinen Schritt in
einem endlosen Prozess der kleinen Schritte, sondern um einen wirklichen
Frieden, um einen gerechten Frieden, um einen Frieden mit Würde, um
einen Frieden zwischen Gleichberechtigten.

Was wir jetzt zu tun versuchen, ist etwas vollkommen Neues. Wir wollen
nicht noch einen neuen Rahmen für Zusammenarbeit zwischen Feinden
aufbauen, sondern eine vollkommen integrierte Kampfgruppe; nicht eine
israelische Bewegung mit einem palästinensischen Anhängsel; auch nicht
eine palästinensische Bewegung mit einem israelischen Anhängsel. Sondern
eine Organisation, in der wir alle, Israelis genau so wie Palästinenser,
gleichwertige Partner sind, die durch eine gemeinsame Vision eines
freien Palästina und eines freien Israel vereint sind, um zusammen
nebeneinander zu leben. (...)

Als wir den Slogan ?Zwei Staaten für zwei Völker" schufen, meinten wir
nicht Trennung. Ganz sicher verstanden wir darunter nicht zwei Ghettos,
die nebeneinander leben, und jedes von hohen Mauern und elektrischen
Zäunen umgeben. Im Gegenteil - wir verstanden darunter nahe nachbarliche
Beziehungen, Zusammenarbeit, Partnerschaft, offene Grenzen, freie
Bewegung der Menschen.

Um unsere eigenen Völker davon zu überzeugen, dass dies möglich, dass
dies nicht nur ein Traum naiver Peaceniks (Friedenskämpfer) sei, müssen
wir durch unsere täglichen Aktivitäten beweisen, dass wir
zusammenarbeiten und zusammen mit einer Stimme reden können. Es ist eine
Tragödie, dass in all den Jahren - besonders seit Oslo - keine
gemeinsame Friedensorganisation entstanden ist. (...)

Wir treffen uns in finsteren Zeiten. Gezielte Tötungen,
Selbstmordattentate, das Töten von Frauen und Kindern ist zur täglichen
Routine geworden. Auf beiden Seiten leben die Menschen in einem Zustand
der Angst, der Hoffnungslosigkeit und der Apathie. Aber wir haben keinen
Grund, die Hoffnung zu verlieren. Wenn wir auf die Jahrzehnte unseres
Kampfes blicken, sehen wir eine stete Vorwärtsbewegung in Richtung
Frieden. (...)

Vor 30 Jahren, als wir die ersten Kontakte mit der PLO knüpften, wurden
wir als Verräter betrachtet. Heute ist es die offizielle israelische
Politik.

Vor sieben Jahren bei einer gemeinsamen Demonstration vor den Mauern
Jerusalems mit Feisal Husseini - würde er noch leben, säße er hier unter
uns - brachen wir ein israelisches Tabu und erklärten Jerusalem zur
Hauptstadt von zwei Staaten. Heute wird diese Idee allgemein anerkannt,
sogar von denen, die sie hassen. (...)

Wir sind noch immer sehr weit vom Sieg entfernt. Viele Mühen und viel
Leiden liegen noch vor uns. Aber wenn wir zusammen handeln - mit
Nachdruck und Entschlossenheit - wird unsere Vision sich durchsetzen.
Wir müssen der Leuchtturm sein, dessen Licht die klare Richtung und den
Weg anzeigt. (...)?

Zur Umsetzung schlägt Avneri ein gemeinsames Experten ?Komitee vor, das
den Text für ein israelisch-palästinensisches Friedensabkommen erarbeiten soll.
Des weiteren ein ?Komitee zur Wahrheitsfindung und versöhnung? nach dem
südafrikanischen Vorbild und schließlich Operationsstab, der die Öffentlichkeit
ohne politisches Kalkül informieren soll.

Uri Avneri schließt mit Worten, die alleine schon Programm für Palästinas Zukunft
sein könnten :

?Die Hauptsache ist, dass wir dies gemeinsam tun und ausführen, bis der
Frieden, nach dem wir uns alle sehnen, über dieses geliebte Land kommt.?

Vor ein paar Wochen, als wir uns mit Yasser Arafat trafen, fragten ihn
Journalisten, wann der Frieden käme. Er sagte: ?Wir beide, Uri Avnery
und ich, werden ihn noch erleben". Arafat ist 74 Jahre alt und ich werde
in wenigen Wochen 80. Also machen wir uns dran.

Quelle:
http://www.uri-avnery.de/magazin/artikel.php?artikel=103&type=2&menuid=4
&topmenu=4

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3.

Dass Kritik an der Politik Israels in Palästina auch in bei unseren französischen Nachbarn
nicht ?ungestraft? bleiben kann, zeigt das aktuelle Beispiel des?L´EXPRESS?-
Journalisten Alfred Grosser.

Kritik an Israel: Alfred Grosser scheidet im Streit von "L'Express"
Kritik an der Politik Israels zu üben kann auch in Frankreich ein
heikles Unterfangen sein. Der bekannte Historiker und Publizist Alfred
Grosser, der auch in Deutschland einem großen Publikum als kritischer
Beobachter der deutsch-französischen Beziehungen vertraut ist, hat dies,
obgleich selbst Jude, am eigenen Leibe erfahren müssen.
Für die Wochenzeitschrift "L'Express" hatte Grosser eine Buchkritik
verfasst und darin die "Opferrolle" Israels infrage gestellt. Die
heftigen Leserreaktionen und der Umgang der Redaktion mit diesen Briefen
haben den 78-Jährigen nun dazu bewogen, den Aufsichtsrat der Zeitschrift
zu verlassen, dem er seit 1998 angehört. Entgegen den Gepflogenheiten
hatte man ihn weder über die Zuschriften ins Bild gesetzt noch ihm
Gelegenheit gegeben, darauf zu antworten. Stattdessen veröffentlichte
die Zeitschrift auf einer vollen Seite die Kritik an Grossers Text, der
unter anderem als "skandalös" und "unmoralisch" gebrandmarkt wurde.
Vom Rücktritt peinlich berührt, versuchte "L'Express" zurückzurudern.
Doch das Angebot, Grosser das "Recht auf künftige Gegendarstellungen"
zuzusichern, lehnte dieser ab. "Ich bin mit der allgemeinen
Grundeinstellung des Blattes zum Nahost-Konflikt nicht mehr
einverstanden", sagte Grosser der WELT. Auch in anderen Medien in
Frankreich und in Deutschland tue man so, als sei die Vereinbarung von
Camp David "wunderbar". Die wirklichen Quellen des Konfliktes aber
würden ignoriert. "Die Leiden der Palästinenser werden nicht genügend
beachtet", sagt Grosser und zieht einen Vergleich zu
Nachkriegsdeutschland. Wenn man von den Deutschen verlange, die
Verbrechen Hitlers zur Kenntnis zu nehmen, müsse man dies auch mit den
Bombenopfern in der Zivilbevölkerung und dem an den Vertriebenen
begangenen Unrecht tun.
Alfred Grosser ist selbst ein Vertriebener. 1933 emigrierte er aus
seiner Heimatstadt Frankfurt/Main nach Frankreich. hen

Artikel erschienen am 1. Jul 2003
http://www.welt.de/data/2003/07/01/126870.html

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4.

Mit dem ?Antipalästinensischen Schutzwall? Israels, der seinem DDR-Vorbild
in menschenverachtender Hinsicht in nichts nachsteht. beschäftigt sich
ein Artikel in der Welt vom 1. Juli :

Schutzwall oder Grenzziehung? Israels neuer Zaun ist umstritten
Tel Aviv - Neben dem Dorf Jabed im nördlichen Westjordanland hat ein
palästinensischer Heckenschütze einen rumänischen Bauarbeiter ermordet.
Das Ziel war sorgfältig ausgesucht. Die Straße gehört zum neuen
Sicherheitszaun, der Israel vom Autonomiegebiet trennen soll. Er ist ein
Dorn im Auge der Palästinenser. Und auch US-Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice übte während ihres Besuchs am Sonntag Kritik. Der Zaun
gefährdet die Stellung des neuen palästinensischen Premiers Mahmud
Abbas. Er gilt in Washington als einseitige Grenzfestlegung durch
Israel.
Gerade gemäßigte Stimmen in Israel setzten sich für den Bau ein. Er soll
das allzu leichte Eindringen von Selbstmordattentätern verhindern. Die
rechte Siedlerlobby wiederum widersetzte sich dem Zaunbau. Trennt er
doch mit den Palästinensern auch die Siedler vom Kernland. Premier Ariel
Scharon gab dem Druck der Öffentlichkeit nur widerwillig nach. Jetzt
wird doch gebaut. Nach den Plänen Scharons. Sein Zaun besteht nicht nur
aus elektronisch gesichertem Stacheldraht. Mit dazu gehört im Hinterland
eine breite "Sicherheitszone": Alles in allem, so die angesehene
Tageszeitung "Ha'aretz", geraten beim Bau dieses Sicherheitsbereichs
zehn bis 15 Prozent der Palästinensergebiete auf die Seite Israels.
Genau weiß es noch keiner: Es kommen immer noch Änderungsanträge der
Siedlerlobby nach.
Bei Jabed wird eine breite Enklave fruchtbaren Landes nicht abgetrennt,
sondern umzäunt. So fällt die israelische Siedlung Rechan auf die
westliche Seite des Zauns. Aber auch das palästinensische Dorf Kafr
Rihan. Dutzende dieser Dörfer mit etwa 200 000 Palästinensern werden so
nicht abgetrennt, sondern einverleibt. Viele Bauern verlieren Äcker. Die
Dörfer sind von allen Seiten mit Stacheldraht umgeben.
"Das Ziel verstärkten Schutzes gegen Terroristen ist da nur noch
zweitrangig", bestätigte auch der israelische Abgeordnete Ran Cohen den
US-Eindruck, es gehe in erster Linie um eine politische Grenzziehung.
Auch wenn die Regierung Scharon dies immer wieder abstreitet. Cohen
gehörte zu den Befürwortern eines Grenzzauns längs der "grünen Linie",
die bis 1967 Israel und Westjordanland trennte. (...)

Artikel erschienen am 1. Jul 2003
http://www.welt.de/data/2003/07/01/126881.html

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5.

Gideon Levy demaskiert in seinem Artikel für ?Ha´aretz? die nur scheinbar
offensive Umsetzung der in der ?roadmap? vereinbarten Räumungen im von Israel
okkupierten Westjordanland und deren öffentlichkeitswirksame Ausschlachtung
durch die Siedlerfraktion. Aktionismus zur Täuschung der Weltöffentlichkeit ist
immer noch ein Spiel, das Ariel Sharon perfekt beherrscht :

Schluss mit den Schein-Evakuierungen von Gideon Levy
Ha'aretz / ZNet 20.06.2003
Die Operation zur Evakuierung der Westbank-Außenposten, wie sie die
Regierung Scharon gerade durchführt, ist eine Farce, die dem
Friedensprozess schadet. Wäre besser, diese Scharade schnellstmöglich zu
stoppen. Der Schaden ist viel, viel größer als irgendein möglicher
Nutzen. Der Premierminister, die politische Rechte u. die Siedler sind
die Einzigen, die einen Vorteil von dieser abstrusen Räumungs-Prozedur
haben. Verlierer sind die Palästinenser, vor allem aber der
Friedensprozess. Die Amerikaner sind an diesem Betrug als vollwertige
Partner beteiligt. Auch sie sollten sich jetzt zusammenreißen u.
erkennen, dass diese Absurdität für den Frieden nichts bringt. Wäre ich
Palästinenser, ich würde möglichst rasch klarstellen - nein danke, das
ist weder Evakuierung noch vertrauensbildende Maßnahme. Es ist vielmehr
ein Betrug, der viel kosten wird. Denn hier geht es nicht um die
Evakuierung echter Siedlungen oder - noch wichtiger - echter Siedler.
Hier führt man eine Farce auf, bei der alle Schauspieler die Regeln
genau kennen, während sie auf der Bühne ihre Rollen spielen. Einziges
Ziel ist es, noch mehr Macht, noch mehr Sympathien zu bekommen. Um die
Förderung eines politischen Prozesses geht es nicht. Der, der durch
dieses verlogene Schauspiel am meisten profitiert, ist natürlich der
Premier. Schon wieder ist die halbe Nation geneigt zu glauben, wir
hätten es mit einem "neuen Scharon" zu tun, mit einer "komplexen" und
"faszinierenden" Persönlichkeit, die sich "historisch gewandelt" hat,
mit einem israelischen de Gaulle, mit dem Einzigen, der fähig ist,
Frieden zu schließen.

Scharon hat ein paar Wohnwägen wegschaffen lassen und ein paar dutzend
radikale Siedler von einem Punkt der besetzten Gebiete zum andern
verschoben. Und schon jubelt man ihn hoch. Mit einer Hand scheint er zu
evakuieren, mit der andern zu morden. Sein einziges Ziel - die
amerikanische Regierung zufriedenzustellen - er hat es zum Nulltarif
erreicht. Zwar ist die politische Rechte ein wenig verärgert, aber auch
ihr ist klar, das alles hier ist nur Schein. Die Rechte weiß ganz genau,
eine wirkliche Siedlung würde Scharon nie auflösen. Dadurch kann der
Premier wieder der miese alte Scharon sein, der Hamas-Führer ermorden
lässt, während gleichzeitig auf internationaler Ebene politische
Bemühungen für eine Waffenruhe mit Hamas laufen. Und zum Ausgleich für
die Pseudo-Evakuierungen tötet man 24 Palästinenser - in 3 Tagen, im
Zuge einer Attentatswelle, die dem Frieden weit mehr schadet, als die
Fake-Evakuierungen ihm nützen können. Wenn das hier die erste der
"schmerzvollen Konzessionen" ist, von denen Scharon spricht, weiß ich
nicht, wem hier Schmerz zugefügt wird.

Die Evakuierung der Außenposten nützt auch den (jüdischen) Siedlern.
Ohne einen Preis zu zahlen, stehen sie erneut als Opfer da - als die
Beraubten, die Enteigneten. Besonders zynisch ist aber dieses Heulen und
Wehklagen über jeden rostigen, alten Wohnwagen, der weggeschafft wird.
Sie wissen, je lauter sich sich beklagen, desto weniger wird man künftig
von ihnen verlangen, desto mehr wächst die öffentliche Sympathie für
sie. Das ist von jeher ihre Strategie: jammern - egal, über was ? etwas
aus den andern herauspressen. Die Bilder der über die Erde geschleiften
Siedler nützen ihnen. Die meisten Israelis sehen es nicht gerne, wenn
die eigenen Leute gewaltsam weggeschleift werden. Der semi-gewaltätige
Widerstand gegen die Evakuierung der Außenposten - die meisten dieser
Außenposten sind ja einzig zum Zweck dieses Schauspiels errichtete
Kulissen -, könnte viele überzeugen, dass es nie eine echte Chance geben
wird, die Siedlungen ohne massives Blutvergießen zu evakuieren. Denn,
wenn es schon so schwierig ist, den Außenposten auf 'Bachelor's Hill' zu
evakuieren, wie wird es erst bei Ofra, Ma'ale Aduminm oder Ariel sein?

Ein Nebenaspekt der Evakuierungen: Schön zu sehen, dass die Israelische
Armee, Grenzpolizei u. Polizei noch nicht ganz vergessen haben, wie man
sich in den Besetzten Gebieten mit Demonstranten auseinandersetzt, ohne
diese gleich mit Schusswaffen zu töten. Sind sie je so mit
palästinensischen Demonstranten umgegangen? Und es ist auch gut zu
wissen - bei demonstrierenden Juden kann unser Oberster Gerichtshof sehr
wohl aktiv werden und vorläufige Verfügungen erlassen. Der Staatsanwalt
lädt sogar zur Anhörung. Die meisten Klagen von Palästinensern, deren
Häuser abgerissen werden sollen, weist man üblicherweise ab. Handelt es
sich jedoch um Juden, kennt der Oberste Gerichtshof seine Pflichten.

Die Evakuierung sämtlicher (jüdischer) Siedlungen ist ein notwendiger
Schritt auf dem Weg zu einem gerechten Frieden. Die Evakuierung der
Außenposten, wie letzte Woche durchgeführt, ist hingegen kein Schritt in
Richtung Evakuierung der Siedlungen - im Gegenteil, es ist ein Hindernis
auf diesem Weg. Ginge es Israel wirklich um Frieden und
Vertrauensbildung gegenüber den Palästinensern, man hätte ein paar echte
Siedlungen evakuiert - Siedlungen, deren Räumung von einem breiten
öffentlichen Konsens getragen wird. Gaza zuerst - beispielsweise wären
all jene skandalösen Siedlungen im Gazastreifen zu evakuieren, die einen
hohen Blutzoll fordern - sowohl auf israelischer als auch auf
palästinensischer Seite, wäre ein guter Start. Die USA hätten das schon
längst von Scharon fordern sollen. Die israelische Öffentlichkeit würde
diese Evakuierungen auch akzeptieren und mit Verständnis begleiten; und
den Palästinensern hätte man auf die Weise vermitteln können, dass sie
einen echten (Verhandlungs-)Partner haben. Falls selbst das den
Premierminister überfordern sollte, er aber an Fortschritt interessiert
wäre - wie es die Heralde des "neuen Scharon" verkünden -, hätte es auch
andere Möglichkeiten zu vertrauensbildenden Maßnahmen gegeben. So hätte
er beispielsweise die unwürdigen Lebensbedingungen der Palästinenser
massiv verbessern können. Er hätte die hunderten Straßensperren
innerhalb der 'Gebiete' aus dem Weg räumen können. Er hätte viele der
politischen Gefangenen freilassen können. Das hätte Abu Mazen geholfen,
seine Position zu festigen - was die USA u. Israel ja von ihm wollen.
Und Mazens Volk hätte man dadurch Hoffnung gegeben. Es wäre ein Signal
gewesen, wir wolllen den Frieden wirklich.

Straßensperren oder Wohnwagen? In der momentanen Situation wäre es
besser, zunächst die Straßensperren zu entfernen. Lasst die
"Jugendlichen auf dem Hügel" sich ruhig austoben - bis Israel sich
wirklich entschließt, die Siedlungen zu räumen.
--
Übersetzt von: Andrea Noll
Orginalartikel: "End the Phony Evacuations"

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6.

Dass Israel sich in weiterer Hinsicht von wirksamen Mitteln totalitärer Regime inspirieren läßt
beleuchtet auch der folgende Artikel :

Israel gibt geheimes Gefängnis zu
30.06.2003

Wie AP am Montag berichtete, hat die israelische Regierung den Betrieb
eines geheimen Gefängnisses auf einer ebenfalls geheimen Militärbasis
zugegeben, wo Palästinenser und andere Ausländer teilweise wochenlang
ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt und zu anderen Gefangenen in
schwarzen Zellen gefangen gehalten wurden und werden.

Die israelische Menschenrechtsorganisation HaMoked hatte eine Petition
beim obersten Gerichtshof Israels eingereicht um Informationen über den
Verbleib zweier verschwundener Gefangener, Bashar und Muhammad Jodallah,
zu erhalten. Als Reaktion hierauf wurde die Existenz des Einrichtung
1391 genannten Gefängnisses bestätigt, aber jede weitere Information
über Lage oder derzeitige Insassen verweigert, da dies nach Angaben der
Regierung die nationale Sicherheit gefährden würde.

Der israelische Geheimdienst Shin Bet habe die Einrichtung im April
letzten Jahres kurze Zeit genutzt, nachdem bei dem Eindringen Israels in
die West Bank hunderte Palästinenser gefangengenommen worden waren und
es zu "einem Mangel an Arrestzellen" gekommen war. Seit dem seien alle
palästinensischen Gefangenen verlegt worden und die Einrichtung wird
"wenn überhaupt nur noch unter besonderen Umständen, für Gefangene, die
nicht Bewohner der Gebiete sind genutzt."

Die Armee als auch das Büro des Premierministers, das für Shin Bet
zuständig ist, weigerten sich, Kommentare zu den Identitäten und
Staatsangehörigkeiten von dort festgehaltenen Gefangenen oder zu der
Bedeutung von "besonderen Umständen" abzugeben.

Im Normalfall wird die Verhaftung von Palästinensern vom Militär, der
Polizei oder dem Gefängnis dokumentiert, so daß Angehörige,
Rechtsanwälte oder Menschenrechtsorganisationen erfahren können, wo sie
sich befinden. Die in dieser Einrichtung gefangen Gehaltenen hingegen
werden auf keiner Liste aufgeführt und sind so für die Zeit ihrer
Inhaftierung praktisch verschwunden.

"Eine geheime Gefängniseinrichtung wäre eine Verletzung sowohl der
Genfer Konventionen als auch des israelischen Rechts", sagte Yael Stein
von der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem . "Wenn niemand
weiß, wo die Gefangenen festgehalten werden, können sie mit ihnen
machen, was sie wollen. Sie können sie foltern und mißbrauchen oder sie
sogar töten und keiner würde es erfahren."

Menschenrechtsorganisation sagen, daß sie von mindestens sieben
Palästinensern wissen, die in dem Gefängnis einsaßen, daß es aber auch
unmöglich sei zu wissen, wie viele dort insgesamt festgehalten wurden.

Der 50-jährige Bashar Jodallah wurde im November 2002 zusammen mit
seinem Cousin Mohammad festgenommen, als sie von Jordanien aus nach
Israel einreisen wollten. Er wurde drei Monate festgehalten, von denen
er 38 Tage in dem geheimen Gefängnis verbracht hat. Sein 23-jähriger
Cousin wurde für schuldig befunden, ein Mitglied der Gruppe Hamas zu
sein und befindet sich noch in einem israelischen Gefängnis.

Gegenüber AP erzählte Bashar Jodallah, daß ihnen auf der Fahrt zu dem
Gefängnis die Augen verbunden worden waren. Dort wurden sie getrennt und
haben sich nicht mehr wiedergesehen.

Er sagte, man habe ihn in eine kleine Einzelzelle mit einem Bett aus
Beton gesteckt. "Die Wände und die Decke waren schwarz gestrichen und es
gab kein Fenster. Nur ein sehr schwaches Licht kam von oben, so daß ich
nicht wußte, ob es Tag oder Nacht war."

Jedes Mal, wenn er seine Zelle verließ wurden seine Augen wieder
verbunden und bevor Soldaten seine Zelle betraten mußte er sie sich
ebenfalls verbinden, damit er sie nicht erkennen konnte. "Ich fragte sie
immer wieder, wo ich war. Die Soldaten sagten mir, ich wäre auf dem Mond
und daß niemand wußte, wo ich war."

Die Gefangenen durften auch nicht miteinander reden. "Einmal hörte ich
zwei Gefangene miteinander sprechen. Die Soldaten kamen wie Verrückte,
schrien und beschimpften sie", erinnerte sich Jodallah.

Die Gefangenen wurden zwar anscheinend nicht körperlich mißhandelt, der
psychologische Druck war aber enorm. "Nicht zu wissen, wo ich war, die
Farbe der Räume, die Isolation hat sich auf mich ausgewirkt. Ich wollte
nur noch sterben", sagte er.

Angehörige von Mohammad Jodallah erzählten, daß ihm bei einem Verhör
gesagt wurde, daß der Führer des Palästinenseraufstands Marwan Barghouti
im gleichen Stuhl wie er gesessen hatte.

Der Anwalt Barghoutis, Jawad Boulos, sagte, daß sein Klient nach seiner
Festnahme fünf Tage lang in einer Einrichtung im Norden gefangengehalten
wurde, die in der Beschreibung mit der von Jodallah übereinstimmte.

Auch die beiden Libanesen Mustafa Dirani und Scheich Abdul-Karim Obeid
sollen in der Einrichtung gefangen gewesen sein.

In einer eidesstattlichen Versicherung, von der AP eine Kopie vorlag,
beschrieb Dirani eine Einrichtung, die wiederum mit der Beschreibung
Jodallahs identisch war.

Die beiden Libanesen werden als mögliche Tauschobjekte für einen seit
1986 im Libanon verschwundenen israelischen Piloten eines
Kampfflugzeugs, Ron Arad, seit 1989 und 1994 festgehalten ohne daß ihnen
bisher der Prozeß gemacht wurde.

Ihr Anwalt Zvi Rish konnte jahrelang nicht erfahren, wo sie festgehalten
wurden.
www.Freace.de

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7.

Mit dem ?Apartheidsstaat Israel? schließlich setzt sich der folgende Artikel von
Ali Abunimah auseinander :

The Electronic Intifada / ZNet 28.06.2003

Auf der anderen Seite hat Israel noch nie einem Juden (bzw. wen es als
Juden definiert) die Staatsbürgerschaft entzogen - für kein Verbrechen,
nicht einmal für Hochverrat, etwa, wenn man den israelischen
Premierminister ermordet. Dem verurteilten Mörder Yitzhak Rabins, Yigal
Amir, war es sogar erlaubt, von seiner Gefängniszelle aus an den letzten
israelischen Wahlen teilzunehmen. Und gleichzeitig plant Israel einer
ganzen (ethnischen) Gruppe - zufällig die Ureinwohner des Landes -
weitere Rechte zu entziehen. Der offene Rassismus hätte nicht
offensichtlicher sein können. Dies in einer Atmosphäre, in der
israelische Kabinettsminister offen für 'ethnische Vertreibung' als
"Lösung" des Konflikts, eintreten. In dieser Atmosphäre wundert es auch
nicht, dass ein derartig widerwärtiges neues Gesetz durchkommt.
Besonders beunruhigend: im Falle Israels halten es USA u. Europäische
Union nicht für nötig, ein solches Vorgehen zu kommentieren. USA u. EU
hoffen vielmehr weiter, die wurmstichige Roadmap führe zum Frieden. Und
gleichzeitig baut Israel mit Mauern, Bulldozern u. Rassengesetzen die
Apartheid vor Ort aus.

(Dieser Artikel erschien zuerst in 'The Daily Star':
www.dailystar.com.lb/opinion/26_06_03_d.asp)--

Übersetzt von: Andrea Noll
Orginalartikel: " Israel Israel - One more step into open apartheid"

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8.

Buchempfehlung:
Zum Thema Nationalismus und rechter Gewalt in Israel empfiehlt sich übrigens das mit
einem Vorwort von Leah Rabin versehene Buch . ? Rabin ? ein politischer Mord?
( Amnon Kapeliuk , Knaur Verlag )

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9.

werden Sie Mitglied in der Deutsch-Arabischen Gesellschaft:

--- www.d-a-g.de ---

hoch
#1890 - 03/07/2003 07:00 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Anonym
Nicht registriert


Guten Morgen,
also ich möchte ja jetzt nicht wieder meckern, aber ich finde manche Kommentare und Buchempfehlungen starken Tobak.
1.;

Zitat:
1. Prof. Lewan über die Medien und Möllemanns "Hinrichtung"

selbst in Anführungszeichen gesetzt absolut daneben, sorry


2.;
Zitat:
Westerwelle, Gerhard und Kollegen mussten sich nach dem tragischen Tod von Jürgen Möllemann den Vorwurf gefallen lassen, mit ihren Äußerungen die Ereignisse mitverschuldet zu haben. Statt des bequemen Alleinschuldigen Möllemann am Wahldesaster der FDP fanden sie sich auf einmal auf der Anklagebank. Doch auch andere, die sich öffentlichkeitswirksam in den Strom der Kritiker einreihten, trugen zum Psychoterror gegen Möllemann bei. A.S.

(Übrigens: der Tugendwächter der Nation bzw. der selbsternannte telegene Vertreter der Anklage erlebt z.Zt. sein schlüpfrig verkokstes Waterloo; nachzulesen unter: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,druck-255449,00.html !!! )

Die antisemitischen Schmierereien von Herrn Möllemann waren ja wohl auch nicht zu ertragen! Und sich jetzt auf Herrn Friedmann zu stürzen, das finde ich schon sehr billig....komisch ist sie schon, die ganze Friedmann-Möllemann-Geschichte, am gleichen Abend zur Prime Time in der Tagesschau - das soll ohne Zusammenhang sein?

3.;
Zitat:
Diese neue Spiegel-Veröffentlichung zum Krisenherd Nahost (5 EURO - 130 Seiten) enthält neben einem Überblick mit informativen Länder - Dossiers verschiedene Aufsätze über den Islam und die unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die Baath-Partei, die Hintergründe der Entstehung des Juden - Staates und die Schlüsselrolle der USA auch ein bemerkenswertes Interview mit Außenminister Josef Fischer und seine Vermittlungsversuche zwischen den Antipoden.

Ob jedoch eine Sentenz Fischers wie die folgende ihn für diese Rolle qualifiziert, ist eher fraglich: "Tatsächlich ist Israel eine Herausforderung für seine arabischen Nachbarn, aber eine positive: durch seine Modernität, die Offenheit der Gesellschaft, ihre Lebendigkeit, die Dynamik der Ökonomie von Technologie, von Forschung (vgl. S. 35)."

Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen, und hört sich jetzt so an, als sei das, was Israel z.T.widerwärtiges tut, eine positive Herausforderung. Natürlich ist es so nicht gemeint, wie es hier verkauft werden soll. Herrn Fischer die Kompetenz zur Vermittlung abzusprechen finde ich schon sehr gewagt...

4.; Themenschwerpunkte sind Palästina und Irak...klar, die Brennpunkte..kann ich auch verstehen...aber ich kaum etwas über die politische/menschenrechtliche Situation in den anderen arabischen Ländern finden, etwas über Demoratisierungsprozesse, etwas über Emanzipationsprozesse.

Was ist denn das Ziel der deutsch-arabischen Gesellschaft?

LG
Katja

hoch
#1891 - 03/07/2003 07:19 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Katja deine Frage solltest du an die DAG stellen, da dies der Newsletter ist den wir schon seit Monaten rein stellen, weil auch oft sehr interessante Berichte dabei sind, kann ich dir keine Auskunft dazu geben, warum die Satzzeichen so gestellt sind.

Claudia

hoch
#1892 - 03/07/2003 07:21 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Anonym
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Claudia, so spitz an der Nase runter heute?

Da Du den Newsletter hier unkommentiert reinstellst, darf ich das hier wohl zur Diskussion stellen.

Soll ich Dir nochmal erklären, dass ich nicht von Satzzeichen spreche, sondern meine Frage eine andere war? Oder hast Du das verstanden, möchtest Dich aber nicht äußern?

Katja

hoch
#1893 - 03/07/2003 07:29 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Katja warum soll ich Newsletter kommentieren, seit Mai und schon davor stelle ich diese hier rein, komisch echt.

Verstanden habe ich dich schon, aber wie ich dir schon schrieb, deine Fragen mußt du an die DTG stellen nicht an uns, denn hier kann sie dir keiner beantworten und Kommentrate nützen auch nicht viel, weil die Schreiber nicht hier sind.

Die Mail Adresse steht ja dabei und auch die Schreiber der einzelnen Texte dann wende dich mit einer Mail an diese und du wirst eine Antwort bekommen.

Claudia

hoch
#1894 - 03/07/2003 07:45 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
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stellst Du sie seit Mai darein oder auch schon davor? Wie jetzt? Was ist daran komisch? Mir stoßen diese Dinger immer schon auf.
Und Du denkst Dir doch bestimmt was dabei, wenn Du sie schon seit Mai und auch vorher schon reinstellt, oder?

hoch
#1895 - 03/07/2003 08:01 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Ich stellte sie schon vor Mai rein, dazu gibt es ein anderes Thema.
Ich denke mir schon etwas dabei, denn sehr oft sind sehr interessante berichte enthalten mit vielen Infos, und genau deshalb stelle ich sie rein, jeder kann sich das entnehmen was er gern möchte.

Claudia

hoch
#1896 - 10/07/2003 16:02 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Newsletter 10 / 2003 der DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT 10.07.2003
Erinnerung

Im Anschluss an die Gesprächsrunde des NMI im BDI
Haus der Deutschen Wirtschaft - ,
am Dienstag, dem 15. Juli 2003 (vgl. NL Nr. 09 / 2003)

wurden mit dem letzten Newsletter-euro-arabia
unsere Firmenmitglieder und alle,
die sich zu der geplanten Irak-Delegationsreise, mit Dr. E.J. Trapp und Prof. Dr. Peter Scholl-Latour in den Nachkriegsirak angemeldet haben, zu einer Lagebesprechung Irak in den Konferenzsaal der D-A-G, Calvinstraße 23, 10557 Berlin (S-Bahn-Bellevue) eingeladen.
Wir werden dieses Gespräch um eine halbe Stunde vorverlegen auf 18.00 Uhr am 15. Juli 2003

Wir bitten um Ihre Anmeldung
bis zum 11. Juli 2003, 16.00 h unter info@d-a-g.de,
ob wir mit Ihrem Erscheinen rechnen können (nur Zusagen).

Gesprächsleitung:
D-A-G Vizepräsident
Dr.-Ing. Ernst J. Trapp (Trapp AG, Wesel)

Dr. Trapp kennt als bedeutender deutscher Bauunternehmer den Irak
seit seinem 16. Lebensjahr aus eigenem Erleben.

Referenten:
TV-Moderator
Christoph R. Hörstel, München, (Hörstel networks)
D-A-G - Beiratsmitglied C. Hörstel ist Afghanistan-Veteran und
Terrorismus-Experte
über Sicherheit / Zusammenarbeit mit der Authority

Cordoba Al Dahir,
Mitglied der irakischen Liberalen Partei,
Frau Al Dahir lebt z.Zt. in München
über: Demokratisierung des Irak

Harald M. Bock,
Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft,
über Schuldenstand, Auslandsverbindlichkeiten und ?forderungen /
Wiederaufbauprogramm / Rückkehrerprogramme /
Reorganisation Bildungswesen

Kostenbeitrag: 60,-- Euro
per Scheck oder Überweisung an Konto der D-A-G
VR Bank Bonn
BLZ 38160220; KtoNr. 6106044013

hoch
#1897 - 14/07/2003 13:05 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Anonym
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Hier mal ein etwas tiefergehender Artikel zur deutsch-arabischen Gesellschaft. Damit das Ganze nicht immer so einseitig und ungefiltert im Raum steht:http://www.muslimmarkt.de/Service/zeitungsartikel/emma.htm

Gruß
Katja

hoch
#1898 - 25/07/2003 07:47 Re: DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Beiträge: 44030
Ort: Gera
Newsletter 10 / 2003 der
DEUTSCH-ARABISCHEN GESELLSCHAFT
Vom 24.07.2003
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Inhalt:

1. Aufträge für den Wiederaufbau des Irak
2. Bankenkonsortium soll irakische Handelsbank leiten
3. Rahmenbedingungen für Lieferverträge mit dem Irak
4. Internationale Konferenz zur Nasser - See Entwicklung
22. bis 29 Juli 2003 in Köln

1.

>> Aufträge für den Wiederaufbau des Irak

DUBAI - Eine Milliarde US-Dollar sollen innerhalb der nächsten 12 Monate für die Beschaffung von Informationstechnologie, insbesondere von Software- und Computerprogrammen zur Verfügung stehen, um die IT -Branche im Irak wieder zu etablieren, erklärte Salwan Yousif, stellvertretender Chef des vor einigen Tagen gegründeten Iraqi Business Council gestern in Dubai. Die Industrie- und Handelskammer von Dubai hatte die Leiter der Handelsmissionen und die Inhaber der führenden arabischen Firmen in Dubai zu einer Konferenz über die geschäftlichen Möglichkeiten im Irak eingeladen, um erste konkrete Projekte vorzustellen. Der Iraqi Business Council hat eine Infrastruktur-Plattform gegründet, um in Dubai ansässigen Firmen die Möglichkeit zu bieten, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen.

Im Vordergrund steht die Telekommunikation. Der Aufbau des Telefonnetzes werde Jahre dauern, so Yousif. Telefoniert werden könne im Irak nur über Satelliten-Telefone, ein GSM -Netz für Handys stehe nicht zur Verfügung.

Als nächstes müssten sämtliche Förderanlagen und Rohrleitungen für die Förderung von Öl und Gas repariert oder neu beschafft werden. Auch Kraftwerke und Wasserprojekte würden in Kürze ausgeschrieben, kündigte Yousif an. Das Brandenburg Economic Development Office in Dubai hat mit dem Iraqi Business Council vereinbart, dass Brandenburger Firmen das Wirtschaftsförderungsbüro des Landes Brandenburg in Dubai als Anlaufstelle nutzen können, um mit dem Irak ins Geschäft zu kommen (www.brandenburg-uae.com). Besonders sind Firmen gefragt, die zu einem Joint-Venture mit in Dubai ansässigen irakischen Unternehmen bereit sind. MAZ vom 23.07.03

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2.

>> Bankenkonsortium soll irakische Handelsbank leiten

US-Verwalter werden bis August ein internationales Bankenkonsortium auswählen, das Kreditbriefe für die irakische Ölindustrie und andere Unternehmen abwickeln soll. Die Transaktionen könnten später monatlich Milliardenhöhe erreichen. Dies hat das ?Wall Street Journal" am Dienstag berichtet. Kreditbriefe garantieren die Bezahlung von Geschäftstransaktionen.
HB/dpa NEW YORK. Die gewählte Bankengruppe solle die neu gebildete irakische Handelsbank (Trade Bank of Iraq) führen. Dies könne dem Sieger einen starken Brückenkopf in Bagdad geben. Die Handelsbank solle es irakischen Ministerien und Ölgesellschaften ermöglichen, Großeinkäufe im Ausland vorzunehmen. Die Käufe würden sich anfangs auf rund 100 Mill. Dollar (88 Mill. Euro) pro Monat belaufen. Das Geschäft der Bank könne jedoch in die Höhe schnellen sobald die irakische Ölindustrie wieder auf die Beine komme, erklärte die Zeitung.
Banken von New York bis Sydney wollten Allianzen bilden, um die irakische Handelbank zu managen. J.P. Morgan Chase habe sich mit der britischen Standard Chartered, der National Bank of Kuwait, der Australia and New Zealand Banking Group und der polnischen Millennium Bank liiert. Ein weiterer US-Bewerber sei die Citigroup.
Die Deutsche Bank wird nach Angaben des ?Wall Street Journal" ebenfalls als Herausforderer angesehen, wahrscheinlich in Verbindung mit einer großen US-Bank. Es werden etwa ein halbes Dutzend Gebote erwartet.
Es gebe keinen Spitzenreiter, doch werde die siegreiche Gruppe Banken aus mindestens zwei Ländern enthalten, erklärte Peter McPherson, der leitende Berater des US-Finanzministeriums in Bagdad. Das Ministerium ermutige Banken mit einer starken Präsenz im Nahen Osten, sich zu beteiligen. Dies betonte ein anderer Vertreter des Finanzministeriums. Man werde alle Bewerber willkommen heißen. Es werde die Teilnahme von Ländern ermutigt, in denen der Irak traditionell Schwerausrüstungen gekauft habe, auch wenn diese Länder gegen den Krieg gewesen seien.
Die Handelsbank soll Kreditbriefe für Rechnung der irakischen Regierungsbehörden ausstellen, die Großausrüstungen und andere Güter im Ausland kaufen wollen. Nach Lieferung sollen die Käufe von einem Konto der irakischen Zentralbank bei der New Yorker Federal Reserve Bank bezahlt werden. Die größten Kunden der Bank dürften in den Anfangsmonaten staatliche Unternehmen sein, die teure Generatoren und Ersatzteile für die Ölindustrie einkaufen.

HANDELSBLATT, Dienstag, 22. Juli 2003

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3.

>> Rahmenbedingungen für Lieferverträge mit dem Irak

Die bisherigen Machthaber des Irak sind besiegt. Und nun? Dem von jahrzehntelanger Diktatur, Krieg und schließlich Plünderungen gebeutelten Land steht ein gigantischer Wiederaufbau bevor an dem - entgegen verschiedentlich geäußerter Skepsis - neben amerikanischen und britischen Unternehmen auch deutsche Unternehmen beteiligt sein werden.
Allerdings eröffnet sich angesichts der momentan noch bestehenden Rechtsunsicherheit im Irak für Lieferanten die Frage, unter welcher rechtlichen Struktur der Nachkriegs-Irak Verträge für den umfassenden Wiederaufbau, insbesondere im Bereich der Strom- und Wasserversorgung, des Gesundheitswesens und den Maschinen- und Industrieanlagenbau abschließen wird........

Die Fortsetzung dieses ausführlichen Aufsatzes von Rechtsanwalt Dr. Ule, Frankfurt finden Sie
ab dem 25.07. 2003auf der DAG - Homepage unter http://www.d-a-g.de/infoirak.htm.
Dr. Ule hat zu dieser Thematik auch eine lesenswerte Monographie herausgebracht,
zu bestellen unter UleC@coudert.com .

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4.

>> Internationale Konferenz zur Nasser - See Entwicklung
22. bis 29 Juli 2003 in Köln

Rund um den ägyptischen Nasser ? See wird eine der größten Umsiedlungsmaßnahmen Afrikas vorbereitet. Die Fachhochschule Köln ist im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Lake Nasser Development Authority wissenschaftlich an dem Projekt beteiligt und hat Koordinierungsaufgaben übernommen. Vom 22. bis 29 Juli 2003 findet in der FH Köln ein zweites Vorbereitungstreffen statt, um ein ganzheitliches auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes, tragfähiges und international abgesichertes Entwicklungskonzept für die Region zu erstellen. Rund 1,5 Millionen Menschen sollen in den nächsten sieben bis 15 Jahren in eine Region umgesiedelt werden, die seit rund 5000 Jahren unbewohnt ist - eine Wüste mit 20 Prozent Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von 45 Grad Celsius im Schatten - und dort ein wirtschaftliche Existenz finden. Ziel ist es einerseits die Lebens- und Produktionsbedingungen mit intensiver land- und fischereiwirtschaftlicher Nutzung für die Anwohner optimal zu gestalten, andererseits auch dafür Sorge zu tragen, dass der Lake Nasser so sauber bleibt wie er ist und die Umwelt insgesamt durch abfallfreies Wirtschaften geschützt wird.

Im Rahmen eines Kooperationsvertrages zwischen der Lake Nasser Development Authority und der Fachhochschule Köln hat das Institut für Tropentechnologie der Hochschule neben seiner wissenschaftlichen Beteiligung Koordinierungsaufgaben übernommen. Der ägyptischen Delegation gehören neben Ministerialbeamten, der Leiter der Lake Nasser Development Authority (LNDA), Ing. M. El Shahat, sowie die leitenden Direktoren der vier Institute der LNDA an. Sie treffen im Rahmen der Konferenz auf 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten mehrerer Hochschulen.

Weitere Informationen zum Institut für Tropentechnologie erhalten Sie unter: www.tt.fh-koeln.de

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