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#304820 - 18/05/2009 14:07 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
LOE110119 Offline
Anonym auf Wunsch
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Hallo Jule,
da wir als Kinder mehrmals umgezogen sind in ganz Deutschland, habe ich kein "zu hause". Meine Oma ist nun zu meinem Opa ins Grab gelegt worden - 350 km entfernt. Niemand wohnt mehr dort. Niemand kann eben mal kurz 700 km zum Blumen giessen fahren. Was bleibt von meiner verstorbenen Oma übrig? Schöne Erinnerungen und eine Belastung. Entschuldigung, dass ich sachlich (kühl) schreibe. Aber ich stecke mitten in diesem Akt und muss schauen wie es gelöst werden kann.
Soll ich nun meine Familienangehörigen in meinem derzeitigen Wohnort beerdigen? Was ist, wenn ich wegziehe, ggfs. nach Tunesien?
Die Familie in TN lebt aber seit Generationen über Generationen in Hammamet, dort hat jeder seinen Platz, ein zu hause, eine Berechtigung. Vielleicht habe ich daher kein Problem, dass mein Sohn das auch so sieht? Sein Vater wird auch auf jeden Fall nach TN verschickt............da ist einem das Tunesische Konsulat behilflich auch bei binationalen Kindern (sofern sie moslemisch sind).
LG Simla

hoch
#304821 - 18/05/2009 14:07 Re: Beerdigung [Re: midouna]
Jule1980 Offline
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Beiträge: 2878
Ort: Ruhrpott
@midouna:

Das habe ich ja geschrieben, das es eigentlich schwerer ist, mitanzusehen, wie die anderen leiden. Natürlich heult man da automatisch mit.
O.T. Einmal hatte ich einen kleinen Streit mit meinem Mann und ich habe im Haus meiner Schwiegerletern geweint. Schwester und Mama meines Mannes kamen sofort an, nahmen mich in Arm, fragten was los ist...ich hab natürlich gleich noch mehr geweint. Plötzlich haben die beiden mitgeweint. Als ich es mitbekam, huschte ein Lächeln über mein Gesicht und kurze Zeit später haben wir schallend darüber gelacht. Als mein Mann nach Hause kam, hat er ne Abfuhr von seiner mama bekommen und von seiner 102 jährigen Oma, eine mit dem Latsch.

Meine Oma konnte nicht weinen, sie hat es versucht. Aber irgndwie der Druck "nun ist Beerdigung..hier wird geweint" war ihr zuviel. Sie konnte einfach nicht.
_________________________
Bevor ich das nehme, was ich kriegen kann,
warte ich lieber darauf,
bis ich das bekomme, was ich haben will!!!





hoch
#304823 - 18/05/2009 14:14 Re: Beerdigung [Re: LOE110119]
Jule1980 Offline
Mitglied*

Registriert: 06/07/2007
Beiträge: 2878
Ort: Ruhrpott
@simla

so ist es bei mir auch. ich wohne 400 km von "zu Hause" entfernt und komme höchstens 2 mal imm Jahr dahin, um meine Eltern und Omas zu besuchen. Sind sie eines Tages nicht mehr, habe ich auch keinen Grund mehr in meine alte heimat zu reisen...und nur zur Grabpflege...kann dich verstehen, das das eine Belastung ist. Und auch ich weiß nicht, ob ich in dieser Stadt bleibe. Und außer meinem Mann habe ich niemanden hier. Und wwer weiß was er macht, falls ich mal sterben sollte. Was soll ich also hier beerdigt werden.
_________________________
Bevor ich das nehme, was ich kriegen kann,
warte ich lieber darauf,
bis ich das bekomme, was ich haben will!!!





hoch
#304836 - 18/05/2009 16:33 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
Tanit Offline
Mitglied

Registriert: 07/04/2005
Beiträge: 2132
Ort: NRW
Jule soweit ich weiß gibt es in Hammamet auf dem Friedhof eine "Ecke" wo Christen begraben sind es ist/sind Franzosen,hat mir mal mein Mann gesagt.Simla wird das sicher auch wissen.Mein Mann möchte auch in Tunesien beerdigt werden was ich verstehen kann,aber mir auch das Herz brechen wird wenn ich noch nicht einmal mal eben zum nächsten Friedhof gehen kann hier in meiner Nähe.Ich möchte verbrannt werden was mein Mann ganz furchtbar findet und meine Tochter,oh Gott ich darf gar nicht nachdenken ,ist Christin wie ich und sie möchte mit Sicherheit hier beerdigt werden ,da sie auch nicht so den Draht zu Tunesien hat.Was für ein furchtbares Thema an so einem schönen sonnigen Tag aber es ist gut das man mal darüber sprechen kann.Gruss Siggi.

hoch
#304837 - 18/05/2009 16:59 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
sharaz99 Offline
Mitglied

Registriert: 21/04/2008
Beiträge: 765
Ort: Deutschland+Tunis
Original geschrieben von: Jule1980
@simla

so ist es bei mir auch. ich wohne 400 km von "zu Hause" entfernt und komme höchstens 2 mal imm Jahr dahin, um meine Eltern und Omas zu besuchen. Sind sie eines Tages nicht mehr, habe ich auch keinen Grund mehr in meine alte heimat zu reisen...und nur zur Grabpflege...kann dich verstehen, das das eine Belastung ist. Und auch ich weiß nicht, ob ich in dieser Stadt bleibe. Und außer meinem Mann habe ich niemanden hier. Und wwer weiß was er macht, falls ich mal sterben sollte. Was soll ich also hier beerdigt werden.


Hallo @all - es gibt auch die Möglichkeit hier in Baden-Württemberg eines Rasengrabes. Wenn man also wegen der Grabpflege niemand zur Last fallen möchte kann man sich z.B. so beerdigen lassen. Oder in einem Urnengrab. Desweiteren ist es in manchen Gemeinden hier möglich eine Grabplatte - egal ob aus Granit oder Marmor - auflegen zu lassen. Hiermit entfällt auch die Grabpflege. Meinem Mann ist es egal wo er beerdigt wird - er sagt auch es ist ihm egal, die Hauptsache es kostet nicht viel, wäre sowieso Quatsch. Kann es auch etwas nachempfinden, und ich finde der ganze Kult der hier z. Teil veranstaltet wird, maßlos übertrieben.

Ich weiß nun nicht wie es bei Tunesiern ist, aber normalerweise werden ja alle Mohammedaner in weiße Tücher gehüllt und begraben. Egal ob König oder Bettelmann. In Jerusalem oder auch in der näheren Umgebung ist es so, dass alle in eine Art gemauerte oder betonierte Gruft kommen. Der Boden ist sehr felsig und man kann dort nicht tief genug graben. Also alle Familienangehörige kommen in die gleiche gemauerte Gruft oder Steingrab und sobald der nächste kommt werden die Knochen des vorherigen etwas beiseite geschoben.
Es werden auch keine Blumen hingelegt. Mein Schwiegeronkel hat sich sogar sein eigenes Grab bzw. das für seine Familie selbst gebaut.
Für uns hört sich das vielleicht seltsam an aber man geht in arabischen Ländern anders mit dem Tod um als bei uns.

Tod und Geburt gehören dort zum Leben. Und wenn der Tod gekommen ist, so inschallah ist es eben so. Jeder hatte sein Leben.

hoch
#304838 - 18/05/2009 17:02 Re: Beerdigung [Re: Tanit]
Mahdia_haeti Offline
Mitglied*

Registriert: 05/06/2007
Beiträge: 3077
Ort: Baden Württemberg
Also in Mahdia gehen auch nur die Männer zur Beerdigung und kondulieren dann später den trauernden Männern und ganz nahenstehenden Frauen( Frau, Mutter, Schwester, Tochter) zuhause. Ich habe noch nie Blumen auf den Gräbern gesehen aber viele kleine Steine und Muscheln. Ich habe die Bedeutung noch immer nicht richtig verstanden.

Die Frauen gehen bei uns oft am Donnerstag auf den Friedhof und beten bei ihren Verstorbenen.

Ich persönlich finde den Gedanken schrecklich dass ich irgendwo am einen Ende und mein Mann womöglich am anderen Ende des Friedhofes mal beerdigt werden könnten.
Ein *zusammenlegen* wie man es hier kennt geht nach islamischem Glauben nämlich nicht und von vornerein schon sagen ich will mal da oder da hin funktionert irgendwie scheinbar in Mahdia auch nicht.

Christen dürfen bei uns nicht auf dem selben Friedhof beerdigt werden.
Die russische Frau eines Nachbars war über 30 Jahre in Mahdia zuhause und musste dennoch ausserhalb der Friedhofsmauern beerdigt werden. Ihr man ist von Pontius zu Pilatus gerannt und es hat nix genutzt. Das finde ich noch schrecklicher....

Ich denke oft darüber nach was mal passiert wenn bei uns in der Familie so was ist...
Ich denke wir würden beide fliegen, aber die Kinder würd ich zuhause lassen, ich weiss es echt net.....darf gar net dran denken, macht mir grad wieder Angst...

lg Boussa gen Stg.
Yvonne

hoch
#304839 - 18/05/2009 17:08 Re: Beerdigung [Re: Mahdia_haeti]
sharaz99 Offline
Mitglied

Registriert: 21/04/2008
Beiträge: 765
Ort: Deutschland+Tunis
Hallo Mahdia, warum willst du die Kinder zuhause lassen? Wie alt sind sie denn? Ich kenne es aus meiner arabischen Familie so, dass ALLE bei einem Todesfall irgendwie integriert sind. Ob Kinder - groß oder klein. Sie wachsen so auf und für sie ist dies ganz normal - und ehrlich gesagt ich finde das viel besser als dieses Verdrängen in unserer Gesellschaft.

Was waren meine Kinder im Nachhinein froh dass sei ihre Oma im Tod noch einmal gesehen haben.

Und in meiner arabischen Familie ist es so, wenn ein männliches Mitglied verstirbt wird es auch natürlich von männlichen Mitgliedern der Familie gewaschen und da ist keiner davon ausgeschlossen dabeizusein, egal wie alt, allerdings nur aus dem engsten Familienkreis. Beim Tod einer Frau ist dieses ganze procedere natürlich umgekehr.

hoch
#304840 - 18/05/2009 17:27 Re: Beerdigung [Re: sharaz99]
AliBaba Offline
Mitglied

Registriert: 20/02/2005
Beiträge: 1110
Ort: Hessen
Hi,

im Islam ist es eigentlich Pflicht und auch üblich, einen Toten innerhalb von 24 Stunden zu bestatten. Ausnahmen gibt es sicherlich, man bedenke allein schon die Zeit z. B. für eine Überführung.
Man male sich aus, daß ein Toter in Tunesien im Sommer drei Tage zuhause oder sonstwo aufbewahrt würde...
Da möchte man nicht scheintot sein - denn nach 24 Stunden ist aus die Maus!
Unter anderem auch daher die Drei-Tages-Frist in der hiesigen Bestattungskultur.

Und für alle, die hier bleiben aber keinem zur Last fallen wollen gibt es noch die Friedwaldbestattung... das einzige, was mich daran noch stört ist die zwangsweise Einäscherung dafür.

LG, Alibaba

hoch
#304841 - 18/05/2009 17:35 Re: Beerdigung [Re: AliBaba]
sharaz99 Offline
Mitglied

Registriert: 21/04/2008
Beiträge: 765
Ort: Deutschland+Tunis
Original geschrieben von: AliBaba
Hi,

im Islam ist es eigentlich Pflicht und auch üblich, einen Toten innerhalb von 24 Stunden zu bestatten. Ausnahmen gibt es sicherlich, man bedenke allein schon die Zeit z. B. für eine Überführung.
Man male sich aus, daß ein Toter in Tunesien im Sommer drei Tage zuhause oder sonstwo aufbewahrt würde...
Da möchte man nicht scheintot sein - denn nach 24 Stunden ist aus die Maus!
Unter anderem auch daher die Drei-Tages-Frist in der hiesigen Bestattungskultur.

Und für alle, die hier bleiben aber keinem zur Last fallen wollen gibt es noch die Friedwaldbestattung... das einzige, was mich daran noch stört ist die zwangsweise Einäscherung dafür.

LG, Alibaba


Ja stimmt Alibaba, die Friedwaldbestattung hab ich vergessen - gibt es hier auch.

Nun wegen dieser 24-Stunden-Frist: Als mein Schwiegervater gestorben war hat man ihn solange im "Kühlhaus" aufbewahrt bis alle aus den verschiedensten Ecken dieser Welt angereist waren. Und das waren insgesamt 4-5 Tage. Erst danach fand die Beerdigung statt. Es ist wahrscheinlich doch nicht überall gleich. LG, sharaz

hoch
#304854 - 18/05/2009 20:27 Re: Beerdigung [Re: Tanit]
LOE110119 Offline
Anonym auf Wunsch
Mitglied*

Registriert: 29/12/2007
Beiträge: 4529
Ort: Deutschland
Original geschrieben von: Tanit
Jule soweit ich weiß gibt es in Hammamet auf dem Friedhof eine "Ecke" wo Christen begraben sind es ist/sind Franzosen,hat mir mal mein Mann gesagt.Simla wird das sicher auch wissen.

....Benedetto Craxi ist dort auch beerdigt...gegenüber des "islamischen" Friedhofs.
Bisher war es kein Problem für mich in Hammamet beerdigt zu werden, bin vor Jahren dort konvertiert, habe die Carte de sejour......nur ist da die Scheidung inzwischen dazwischen gekommen. Also müssen wir kurz vorm Ende doch nochmal heiraten ;-)

Aber wie man sieht ist das hier bei den meisten auch alles unklar.
LG Simla

hoch
#304857 - 18/05/2009 21:14 Re: Beerdigung [Re: LOE110119]
Mahdia_haeti Offline
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Beiträge: 3077
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Sharaz unsere Kids sind 11 und 12 (beide fast) Jahre alt.
Wenn heut oder morgen was passieren würde, würde ich sie zuhause lassen, da sie erstens in die Schule gehen, und zweitens ich selber heute noch an einem Erlebnis zu knabbern habe aus meiner Kindheit. Ich war genauso alt als mein Opa starb den ich über alles geliebt habe. Ich musste mit zur Beerdigung und man schleppte mich auch mit in die Leichenhalle um ihn ein letztes Mal zu sehen. Das Bild habe ich heute(bin fast 38) immer noch vor Augen und es verursacht bei mir heute noch ein Gefühl das ich kaum beschreiben kann.
Das ist für mich der Hauptgrund, ich möchte das unsere Kids selber entscheiden können ob sie dabeisein wollen oder nicht...

Simla warum musst dann noch mal heiraten? Wenn Du konvertiert bist ist doch alles ok oder etwa nicht?

Yvonne

hoch
#304865 - 19/05/2009 08:20 Re: Beerdigung [Re: Mahdia_haeti]
Emotionless Offline
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also ich bin auch dafür das die kinder selbst entscheiden sollten .. denn sollte man mit ihnen in diesem alter sehr gut darüber sprechen!!

das man ein kind nicht in die leichenhalle ziehen sollte ist natürlich eigentlich ganz klar!! das würde ich auch nicht tun wenn mein kind das in diesem alter möchte!!

Dennoch find ich sollte man auch einem kind die möglichkeit geben sich von einer geliebten person verabschieden zu können!! und das ist meist der letzte weg der person



ich weiß noch mein damaliger ex hat sich das leben genommen ich wollt unbedingt zur beerdigung meinem chef war natürlich die arbeit wichtiger und ich durfte nicht für 3 std weg... das fehlt mir bis heute noch!!



aber wies

hoch
#304867 - 19/05/2009 08:49 Re: Beerdigung [Re: Emotionless]
Jule1980 Offline
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als meine Opas starben war ich 18 und 23...ich bin beide male nicht mit in die Leichenhalle gegangen. Meine Oma wollte es gern, aber ich konnte und wollte das nicht. Ich habe es auch nicht bereut.
_________________________
Bevor ich das nehme, was ich kriegen kann,
warte ich lieber darauf,
bis ich das bekomme, was ich haben will!!!





hoch
#304885 - 19/05/2009 15:01 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
LOE090716 Offline
geloescht!
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Ich werde eines Tages sterben! Wie? Ich werde sterben, ich, der spricht, ich, der sich fühlt und berührt, ich könnte sterben? Es bereitet mir einige Mühe, das zu glauben: denn schließlich ist nichts natürlicher, als daß die anderen sterben: man sieht es alle Tage: man sieht sie dahingehen und man gewöhnt sich daran; aber selbst sterben? Persönlich sterben? Das ist ein ziemlich starkes Stück.

Xavier Comte de Maistre

Da liegt der wunde Punkt..in der Auseinandersetzung mit der schmerzhaften Thematik..ich habe mir sehr oft die Frage über das Bewusstsein der Menschen gestellt, die vor diese Diagnose gestellt werden...unheilbar..Die Konfrontation damit und der schmerzhafte Verlust von Freunden, meiner Schwiegerma und der wohl unheilbaren Krankheit meiner Mama hat mich einen Schritt näher an die Erkenntnis gebracht und innerlich sollte man nichts verdrängen und es auch keinem versperren.
Ich bewundere Meine Freundin und Chefin, die mit ihrem starken Willen kämpfte, sich aber bereits einen Platz auf dem Friedwald reservierte und auch dort begraben wurde.
Es ist ein aktuelles Thema..das ich lang weggeschoben habe und es doch jetzt bewusster erlebe und wahrnehme, als mir manchmal lieb ist.




Bearbeitet von armsofanangel (19/05/2009 15:02)

hoch
#304887 - 19/05/2009 15:30 Re: Beerdigung [Re: LOE090716]
majnuna_kbira Offline
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Wie ihr wisst, ist mein Papa am 01.01. dieses Jahr "heim gekehrt". Es war sehr schrecklich für mich, denn das war das erste Mal, dass ich mit dem Tod konfrontiert wurde. Wir haben 2 Wochen lang gehofft und gebetet. Jeden Tag stellte man sich die Frage, WARUM MEIN PAPA??? Er war doch gerade erst 51 Jahre jung. Die Zeit zwischen Krankenhaus und seinem Tod waren die schlimmsten Wochen in meinem Leben und ich bin noch lange nicht darüber hinweg. Er musste noch so viel durchmachen...er hat noch so viel gekämpft! Jeder in meiner Familie hat meinen Papa nochmal besucht, im Institut, aber ich konnte es nicht. Mein Mann ist für mich gegangen...ICH hätte das nicht geschafft. Und ich weiß auch, dass mein Papa das nicht gewollt hätte, dass ich ihn so sehe.

Meine dreijährige Nichte war auch mit auf der Beerdigung. Das war für meine Schwester von Anfang an klar. Aber im Institut war sie nicht dabei und das halte ich persönlich auch nicht für falsch. Denn im Endeffekt weiß man nicht, wie ein kleines Kind damit umgeht, bzw. wie sehr es bei dem Kind hängen bleibt.

Lg Sasa
_________________________




hoch
#304891 - 19/05/2009 15:43 Re: Beerdigung [Re: majnuna_kbira]
Mahdia_haeti Offline
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Für mich ist das heute noch ein traumatisches Erlebnis.....
Wobei ich meinen Eltern keinen Vorwurf mache, denn der Tod kam damals mehr als überraschend und alle waren dermassen geschockt, ich glaube meine Eltern haben sich da über mich die allerwenigsten Gedanken gemacht weil sie dazu gar keinen Kopf hatten.

hoch
#304908 - 19/05/2009 16:14 Re: Beerdigung [Re: Mahdia_haeti]
LOE090716 Offline
geloescht!
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Für mich war es nie die Frage, wie ich selbst damit umgehe und Dinge verarbeite..es ist ein Lernprozess, der zum Leben dazu gehört..Ich habe somit in den schlimmsten Zeiten am Krankenbett meiner Ma verweilt um ihr das Gefühl von Kraft zu geben und bei einem eventuellen Scheitern ihrer Kraft und Hoffnung dabei zu sein.Ich kann jedoch auch jeden verstehen, der sich ungern damit konfrontiert..

hoch
#304912 - 19/05/2009 16:18 Re: Beerdigung [Re: LOE090716]
Mahdia_haeti Offline
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Ort: Baden Württemberg
Meine Schwester (29) war bis heute auf keiner Trauerfeier geschweige denn Beerdigung...
Das kann sie einfach net...finde auch das muss man respektieren.

hoch
#304913 - 19/05/2009 16:19 Re: Beerdigung [Re: Mahdia_haeti]
LOE090716 Offline
geloescht!
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man muss es mit sich selbst vereinbaren können..

hoch
#304917 - 19/05/2009 17:23 Re: Beerdigung [Re: LOE090716]
Jule1980 Offline
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ich z.B. kann mir auch nicht vorstellen einen schwerkranken Familienangehörigen zu pflegen...einfach weil es mich selber zu sehr psychissch belasten würde und ich damit nicht umgehen könnte. Aber sollte solche Situation einmal Realität werden, weiß ich nciht, ob ich dann nicht doch die Person pflegen würde...man wächst in solche Situationen rein.
(bevor ich schwanger wurde konnte ich mir auch nicht vorstellen ein Kind zu gebären und zu erziehen)
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Bevor ich das nehme, was ich kriegen kann,
warte ich lieber darauf,
bis ich das bekomme, was ich haben will!!!





hoch
#304953 - 20/05/2009 13:23 Re: Beerdigung [Re: Mahdia_haeti]
LOE120908 Offline
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Ort: Deutschland
Original geschrieben von: Mahdia_haeti
Also in Mahdia gehen auch nur die Männer zur Beerdigung und kondulieren dann später den trauernden Männern und ganz nahenstehenden Frauen( Frau, Mutter, Schwester, Tochter) zuhause. Ich habe noch nie Blumen auf den Gräbern gesehen aber viele kleine Steine und Muscheln. Ich habe die Bedeutung noch immer nicht richtig verstanden.

Die Frauen gehen bei uns oft am Donnerstag auf den Friedhof und beten bei ihren Verstorbenen.

Ich persönlich finde den Gedanken schrecklich dass ich irgendwo am einen Ende und mein Mann womöglich am anderen Ende des Friedhofes mal beerdigt werden könnten.
Ein *zusammenlegen* wie man es hier kennt geht nach islamischem Glauben nämlich nicht und von vornerein schon sagen ich will mal da oder da hin funktionert irgendwie scheinbar in Mahdia auch nicht.

Christen dürfen bei uns nicht auf dem selben Friedhof beerdigt werden.
Die russische Frau eines Nachbars war über 30 Jahre in Mahdia zuhause und musste dennoch ausserhalb der Friedhofsmauern beerdigt werden. Ihr man ist von Pontius zu Pilatus gerannt und es hat nix genutzt. Das finde ich noch schrecklicher....

Ich denke oft darüber nach was mal passiert wenn bei uns in der Familie so was ist...
Ich denke wir würden beide fliegen, aber die Kinder würd ich zuhause lassen, ich weiss es echt net.....darf gar net dran denken, macht mir grad wieder Angst...

lg Boussa gen Stg.
Yvonne


Hallo,
kenne es auch so, dass nur die Männer zu der Beisetzung/Beerdigung gehen und die Frauen zu Hause sitzen und dort zusammen trauern, die Männer allenfalls vor der Tür oder in einem separaten Raum. Auch das gemeinsame Korangebet anlässlich des Toten ist den Männern vorbehalten!

VonRegion zu Region unterscheiden sich dann weitere Traditionen: die Frauen bereiten 7 Tage lang nach dem Verscheiden keine Speise oder Getränke in der heimischen Küche (dort wo der/die Tote lebte.
Stattdessen wird das Frühstück, Mittagessen und Abendessen vor allem von Freunden, Nachbarn oder auch Verwandten gebracht. Die Frauen essen unter sich, die Männer ebenso.
Du kannst auch in dieses Haus gehen und
HERZLICHES BEILEID wünschen: "BURKAFIK";
sie sagen dann "ma tashbi tsher",
Du sagst "RABBI §atikum saber!"
(der Herr gebe Dir Geduld, das zu ertragen).
Dann setzt Du Dich zu den Frauen.
Würde vielleicht, wenn Du das kannst ein Frühstück und ein Mittagessen vorbeibringen, das Du (mit einer Schwester, aber nicht im Trauerhaus) gekocht hast.
Damit unterstützt Du sie am meisten und machst Ihnen eine RiesenFreude!
Am siebten Tag ist dann die "WOCHE"- "USBU3A", der letzte Tag, der Trauerwoche und danach läuft fast alles wie gehabt.
U.U. trägt die Frau des Verstorbenen schwarz, wie bei uns und geht nicht mehr aus dem Haus (40 Tage lang). Falls Du dabeibist ist aus Respekt Kopfbedeckung angesagt und jedenfalls keine auffällige Schminke!!!
Das (halbe) Jahr nach dem Tod darf in der Familie niemand heiraten! LG, anchadia

hoch
#304955 - 20/05/2009 13:51 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
LOE090716 Offline
geloescht!
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Registriert: 14/10/2006
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Ort: Deutschland
Original geschrieben von: Jule1980
ich z.B. kann mir auch nicht vorstellen einen schwerkranken Familienangehörigen zu pflegen...einfach weil es mich selber zu sehr psychissch belasten würde und ich damit nicht umgehen könnte. Aber sollte solche Situation einmal Realität werden, weiß ich nciht, ob ich dann nicht doch die Person pflegen würde...man wächst in solche Situationen rein.
(bevor ich schwanger wurde konnte ich mir auch nicht vorstellen ein Kind zu gebären und zu erziehen)


so ist es, irgendwann fängt man an, an seinen Aufgaben zu wachsen..

hoch
#304956 - 20/05/2009 14:00 Re: Beerdigung [Re: LOE090716]
Jule1980 Offline
Mitglied*

Registriert: 06/07/2007
Beiträge: 2878
Ort: Ruhrpott
Und weil wir grad beim Thema sind:

Der Lieblingsonkel meines Mannes ist letzte nacht an einem Herinfarkt verstorben.
Die Beerdigung findet heute noch statt.
Sein Sohn der in D. studiert, hat einen Flug gefunden und ist 19:00 in Tunesien.
_________________________
Bevor ich das nehme, was ich kriegen kann,
warte ich lieber darauf,
bis ich das bekomme, was ich haben will!!!





hoch
#304969 - 20/05/2009 22:34 Re: Beerdigung [Re: Jule1980]
sina82 Offline
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Registriert: 31/07/2008
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Ort: Deutschland
So, irgendwie wühlt das Thema grad alles in mir auf...
Bin vorletzte Woche 3 Tage am Sterbebett meines Opa`s gesessen!Wir hatten eine ganz besondere Beziehung, ich liebe ihn mehr als irgendjemand anderen!!!
Desahlb war ich soviel bei ihm, um ihm ständig zu sagen dass er gehen soll!!
Es zog sich 3 Tage hin, bis er endlich gehen konnte!
Die Nacht davor musste mein Mann Nachts um 23Uhr(ich hatte ein ganz komisches Gefühl) noch mit mir ins Krankenhaus fahren(40km weit weg)!ich habe mich zu meinem Opa(der schon seit Mittags schlief(ich war Mittags 3 h bei ihm,habe ihn noch gefüttert,dann hat er mich angelächelt und ist tief und fest eingeschlafen), und nicht mehr die Augen geöffnet hatte) ins Bett gelegt, und geweint und ihn gestreichelt!Für meinen Mann war das alles sehr schwer anzusehen!
Um 3 Uhr habe ich mich dann intensiv von ihm verabschiedet!
Ab nächsten Abend ist er in den Armen von meiner Mama gestorben!
Ich bin sofort zu ihm gefahren, und habe 4 h seine Hand gehalten!
Es war so unheimlich..
Ich konnte ihn einfach nicht los lassen!
Nächsten Dienstag ist seine Beerdigung,Urnenbestattung!!
Ich habe unheimlich Angst davor!!

Ich habe zwar in meiner Arbeit oft m.d Tod zutun, aber jetzt ist es dass erstemal Jemand aus meiner Familie-und ich habe soviel Angst vor der Beerdigung...

hoch
#304974 - 21/05/2009 08:22 Re: Beerdigung [Re: LOE110119]
LOE110119 Offline
Anonym auf Wunsch
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Ort: Deutschland
....nochmals vielen Dank für Eure Antworten.
Leider haben sich kaum User zu den eigenen Kindern geäussert. Eben habe ich hier über das Thema "Beschneidung" gelesen. Heisst im Umkehrschluss doch auch, dass diese Menschen dann moslemisch beerdigt werden.
Sehe ich das richitg?
LG Simla

hoch
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