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#98387 - 25/01/2005 10:58 Re: Was wissen Sie über Lessing
Jens Offline
Member

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Beiträge: 1414
Ort: Planet Erde
@Steif: Du wirst lachen, meine Freundin hatte neulich tatsächlich Harissa gekauft. Ich glaube aber nur zum Würzen und nicht zum Einreiben [Breites Grinsen]

Kommt dann wohl in den Kartoffelsalat...

hoch
#98388 - 25/01/2005 19:22 Re: Was wissen Sie über Lessing
sidibousaiid Offline
Junior Member

Registriert: 24/01/2005
Beiträge: 1
Ort: Bayern
Hallo Maged!

wo hat Goethe eine Nachrede zum Stück Lessings gehalten oder geschrieben? Aus deiner Erklärung geht hervor, dass Goethes Schätzung ein Epilog war.

hoch
#98389 - 26/01/2005 07:07 Re: Was wissen Sie über Lessing
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
Moderatorin
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http://kkg-hro.bei.t-online.de/aufklaerung/inhalt/Nathan.htm

Literatur - Lessings "Nathan der Weise"

Gotthold Ephraim Lessing (geb. in Kamenz 1729, gest. 1781 in Braunschweig): Nathan der Weise

1. Entstehungsgeschichte

"Nathan der Weise" im Kontext des Fragmentenstreits

Lessing arbeitete seit 1770 als Bibliothekar in Herzogs Karl von Braunschweig Herzoglicher Bibliothek zu Wolfenbüttel. Da er diese Arbeit zugleich als Öffentlichkeitsarbeit verstand, gab er die Beiträge aus der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel heraus. Dort veröffentlichte er ab 1774 als "Fragmente eines Unbekannten" Auszüge aus Hermann Samuel Reimarius "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes", denen er eigene Stellungnahmen beifügte. Diese bilden auch den Anfang von "Die Erziehung des Menschengeschlechts".

In den Fragmenten wurde zunächst Toleranz gegenüber den Deisten gefordert. Anschließend wurde die Glaubwürdigkeit der Jünger und Evangelienschreiber in Frage gestellt, schließlich sogar die Jesus Christus'. Es handelt sich also sowohl um eine Kritik der Dogmen als auch um eine Kritik an der Offenbarungslehre.
Allerdings lag die Brisanz der Fragmente in der Tatsache ihrer Veröffentlichung, nicht in ihrem Inhalt. Denn Lessing widersetzte sich dem Konsens, solche Diskussionen nur unter Gelehrten und auf Latein zu führen und keinesfalls die breite Masse daran teilhaben zu lassen.
Zunächst wurden die Fragmente von verschiedenen Geistlichen nur widerlegt und diskutiert, bis der Hamburger Pastor Johann Melchior Goeze 1778 in den Streit eingriff. Dieser griff Lessing auch persönlich an und sah durch ihn den Seelenfrieden der gläubigen Christen sowie die staatliche Ordnung gefährdet. Er forderte von Lessing eine Antwort auf die Frage, "Was für eine Religion er durch die christliche Religion verstehe und was für eine Religion er selbst als die wahre erkenne und annehme?". Lessing reagierte darauf mit der Herausgabe des "Anti-Goeze", in dem die Frage nach der wahren Religion diskutiert wurde und christliche Vorurteile abgebaut werden sollten.
Letztlich gelang es Goeze allerdings, vor allem durch die Anschuldigung, die öffentlichen Ordnung zu gefährden, dass Lessing seinen "Anti-Goeze" nach elf Ausgaben im Juli 1778 einstellen musste und Herzog Karl von Braunschweig ihm zusätzlich noch die Veröffentlichung religiöser Schriften verbot.

Entstehung

Wie aus Briefen hervorgeht, hatte Lessing schon früher an "Nathan der Weise" gearbeitet. Wann diese Anfänge zu datieren sind, ist allerdings nicht bekannt. Lessing plante, "Nathan der Weise" auf Vorausbestellungen veröffentlichen zu lassen, und durch Annoncen und Briefe gelang es ihm, in Kürze über 1000 Interessenten für sein Werk zu gewinnen. "Nathan der Weise" erschien im Mai 1779 zur Leipziger Ostermesse. Noch im selben Jahr wurden zwei weitere Auflagen gedruckt.
Lessing selbst zweifelte daran, dass sein Stück jemals auf der Bühne gespielt werden würde. Trotzdem wurde Lessings "Nathan der Weise" am 14.4.1783 am Theater in der Behrensstraße in Berlin uraufgeführt.

Versionen

Der Endfassung von "Nathan der Weise" liegt eine wohl auf 1778 zu datierende Urfassung zugrunde. Die Änderungen zur gedruckten Version sind allerdings gering, sie unterscheiden sich nur durch eine teils andere Aufteilung der Themen auf die einzelnen Auftritte und durch einige thematische Änderungen.
Lessing plante zunächst, seinem "Nathan der Weise" eine Vor- und Nachrede hinzuzufügen. In der Vorrede wollte Lessing Angaben zur Quelle seines Werkes, nämlich Boccaccios "Il Decamerone", machen, sowie einige der benutzten arabischen Begriffe erklären. Außerdem sollte nochmals betont werden, dass die Idee zu "Nathan der Weise" schon vor dem Fragmentenstreit entstanden ist. Außerdem wollte Lessing unterstreichen, dass in seinem Stück Nicht-Christen als gute Menschen dargestellt werden, um hier schon auf mögliche Kritiken einzugehen.
Das geplante Nachspiel sollte "Der Derwisch" heißen und die Al-Hafi-Handlung fortführen. Darüber liegen aber keine Aufzeichnungen Lessings vor, und auch die Literaturwissenschaftler können nur spekulieren.
Wegen des Seitenlimits, das Lessing sich gegeben hatte, und wegen einer Erkrankung blieben die Pläne zum Vor- und Nachspiel liegen.

1.2. Quellen des "Nathan"

a) Literarische Quellen

Wie Lessing mehrere Male erwähnt hat, diente ihm Giovanni Boccaccios "Il Decamerone" aus dem 14. Jahrhundert als Quelle. Lessing berief sich für seinen "Nathan" auf die dritte Novelle des zehnten Tages und für die Ringparabel auf die dritte Novelle des ersten Tages.
Boccaccios Ringparabel beruht auf einer langen Tradition, die ihre Ursprünge wohl um 1100 in Spanien hat.
Einige Ringparabeln stellen, wie Boccaccios, keine Religion als die wahre dar, so zum Beispiel auch Salomon Ibn Verga in "Schebet Jehuda".
Inwieweit sich Lessing auf andere Ringparabeln als die des Boccaccios bezog oder diese kannte, ist umstritten. Es ist im übrigen nicht verwunderlich, dass Lessing sein Stück im Jerusalem der Kreuzzüge spielen ließ. Ende des 18. Jahrhunderts war die orientalisch angehauchte Literatur zur Modeliteratur geworden, denn im Zeitalter der kolonialen Expansion und des entstehenden Welthandels übten die nichtchristlichen Kulturen eine starke Faszinationskraft auf die gebildete Gesellschaft des Abendlandes aus. Somit bemühte sich Lessing um einen orientalischen Ton.

b) Historische Quellen

Lessing beschäftigte sich eingehend mit der Geschichte der Kreuzzüge. Als Hauptquelle diente ihm François Louis Claude Marins "Geschichte Saladins Sulthans von Egypten und Syrien". Ansonsten benutzte Lessing noch Albrecht Schultens "Vita et res gestae Saladini auctore Bohadino nec non excerpta ex historia Abulfedae", Barthélemy de Hebelots "Bibliothêque Orientale ou Dictionaire universel contenant généralement tout ce qui regarde la conaissance des peuples de Orient" und Olfert Dappers "Delitiae Orientales: Das ist die Ergötzlich- und Merkwürdigkeiten des Morgenlandes in zwei Teilen abgefasset". Außerdem hat Lessing Marignys "Geschichte der Araber" und Voltaires "Geschichte der Kreuzzüge" übersetzt.

1.3. Herkunft der Figuren

1.3.1.Historische Figuren

a) Sultan Saladin:

Sultan, Malek al Nasser, Salah-eddin, Emir el Moumenin, Aboul-Modhaffer, Youssouff ben Ayoub, ben Schadi, wurde 1138 in Takrit nahe Belgrad geboren. Saladin stammte aus einer kurdischen Familie, die es zu hohem militärischen Ansehen gebracht hatte. Seit seiner Jugend lebte er am Hofe Nuraddins in Damaskus, wo er militärisch ausgebildet wurde und wohl auch von der Religiosität des Nuraddins beeinflusst wurde. Seit 1165 diente er als Offizier in Nuraddins Heer. 1164, 1167 und 1168 nahm Saladin an den Ägyptenfeldzügen teil und wurde daraufhin zum Wesir des fatimidischen Kalifen al-Adid sowie zum Führer der syrischen Truppen ernannt. 1175 wurde Saladin Herrscher über Ägypten, Syrien und dem Jemen. Er vereinigte die syrischen, mesopotamischen und ägyptischen Truppen und zog mit ihnen gegen die Kreuzfahrer. 1187 gelang die Eroberung Jerusalems. Während des dritten Kreuzzuges (1189-1192) kam es zu heftigen Kämpfen zwischen den Kreuzfahrern unter Richard Löwenherz und Saladins Truppen, die zu großen Verlusten beiderseits führten. Deshalb wurde 1192 ein Waffenstillstand unterzeichnet, wonach Saladin den Kreuzrittern den Küstenstrich von Jaffa bis Tyrus überlassen und den christlichen Pilgern den Zugang zu den religiösen Stätten Jerusalems gewähren musste. Am 4.3.1193 starb Sultan Saladin in Damaskus.
Saladin galt als großzügiger, mildtätiger und toleranter Mann.
Beispielsweise hat Saladin angeblich in seinem Testament festgehalten, dass man gleichgroße Summen unter die armen Muhametaner, Juden und Christen als Almosen aufzuteilen hätte. Trotz dieser religiösen Toleranz war Saladin ein gläubiger Moslem. Seine Freigebigkeit brachte ihn zu Lebzeiten oft in finanzielle Nöte.
Außerdem ist überliefert, dass Saladin von seinem Reichtum nichts als ein Kleid und ein Pferd benutzte.

b) Saladins Familie

Die Existenz einer Schwester Saladins, die ihren Bruder in seiner Freigebigkeit gegenüber den Armen unterstützte, ist historisch nachgewiesen.
Ebenfalls existierte ein jüngerer Bruder namens Malek. Dieser war mit Richard Löwenherz so gut befreundet, dass jener ihm seine Schwester Johanna zur Frau geben wollte. Allerdings hätte Malek dafür seine Religion aufgeben müssen. Malek war der Lieblingsbruder von Saladin und durfte ihn in politischen Angelegenheiten vertreten. Einen Bruder, der zum Christentum übertrat, hat es in der Geschichte allerdings nicht gegeben, hierbei handelt es sich um eine Erfindung Lessings. Dafür stimmen die Schilderungen des Vaters von Saladin, Ayyub, wieder mit der Historie überein. Dieser übertrug Saladin die Verantwortung für die Finanzen.

c) Der Patriarch von Jerusalem
Auch die Figur des Patriarchen ist historisch belegbar, welcher seine Rivalen, den Erzbischof Tyrus und den Mann seiner Geliebten, vergiften ließ. Der Patriarch verließ Jerusalem nach Saladins Übernahme der Stadt als Erster.

1.3.2. Literarische Figuren

a) Nathan der Weise

Wie schon in 1.2. dargestellt wurde, war Giovanni Boccaccios "Il Decamerone" Lessings Quelle für "Nathan der Weise". In der dritten Novelle des ersten Tages verhält sich der weise Jude Melchisedech genau wie Nathan. Die Namensänderung lässt sich damit begründen, dass Nathan metrisch einfacher ist. An anderer Stelle des "Il Decamerone", nämlich in der dritten Novelle des zehnten Tages, findet sich die "Novelle vom freigiebigen Nathan", die Lessing als Namensquelle für seinen Nathan angibt. Dieser Nathan ist ein ebenso großmütiger und reicher Jude wie Lessings Nathan.
Wie immer in der Literaturwissenschaft, wurden auch für die Figur des Nathan zahlreiche weitere potentielle Quellen gefunden, die mehr oder weniger glaubwürdig sind. Beispielsweise der Prophet Nathan, Moses Mendelssohn, Spinoza oder Salomo aus Jean Bodins "Colloquium heptaplomeres de rerum sublimium arcanis adbitis". Da Lessing selbst als Quelle "Il Decamerone" angegeben hat, wird auf die anderen, spekulativen hier nicht weiter eingegangen.

b) Der Derwisch Al-Hafi

In Wielands "Geschichte des Weisen Danischmend", 1775 erschienen, tritt ebenfalls ein Derwisch namens Al-Hafi auf. Er wird als menschenfeindlicher Außenseiter beschrieben, der nach Unabhängigkeit und Weisheit strebt. Es ist nachgewiesen, dass Lessing dieses Buch kannte, aber es wird angezweifelt, ob er sich beim Schreiben von "Nathan der Weise" an Wielands Al-Hafi erinnert hat. Andere Literaturwissenschaftler sind der Meinung, dass sich die Darstellung des Derwisches an Lessings Freund Abraham Wulff orientierte, der als bescheidener, ehrlicher und impulsiver Mann beschrieben wurde.
Bei allen weiteren nicht erwähnten Figuren handelt es sich um rein fiktive Gestalten.

2. Der Inhalt des "Nathan"

Das Stück "Nathan der Weise" spielt im Jerusalem des zwölften Jahrhundert und handelt von Nathan, einem reichen Kaufmann, der vom Volk als "Nathan der Weise" bezeichnet wird.
Als Nathan von einer Reise zurückkehrt, erfährt er, dass seine angenommene Tochter Recha, von einem jungen Tempelherrn gerettet worden ist. Dieser wollte aber keinerlei Dankbarkeiten annehmen. Deshalb beschließt Nathan, den Tempelherrn selbst aufzusuchen, was ihm auch gelingt.
Dieser lehnt aber weiterhin jeden Dank ab. Er bereut sogar, eine Jüdin aus dem Feuer gerettet zu haben. Nathan gelingt es jedoch durch seine einfühlsame Art und seine Menschenkenntnis, den distanzierten und arroganten Tempelherrn dazu zu bewegen, seine Dienste anzunehmen und seine Vorurteile zu überwinden.
Einige Zeit später wird Nathan vom Sultan erwartet, der ihn um Geld bitten will. Währenddessen besucht der Tempelherr Nathans Tochter und beide entwickeln eine gewisse Zuneigung füreinander.
Nathan ist beim Sultan angelangt, der aber nicht wie erwartet, gleich auf das Geld zu sprechen kommt, sondern zunächst von Nathan wissen will, welche Religion die einzig wahre sei. Nathan erzählt dem Sultan die Geschichte von den drei Ringen: die Ringparabel. Das Gleichnis wird vom Sultan richtig gedeutet, und er gewinnt damit das Vertrauen Nathans, der sich bereit erklärt, dem Sultan Geld zu leihen.
Anschließend trifft sich Nathan wieder mit dem Tempelherrn, der nun Recha heiraten will, Nathan lehnt jedoch ab.
Danach wird dem Tempelherrn das Geheimnis um Rechas wirkliche Herkunft anvertraut. Als er hören muss, dass sie eine Christin sei, ist er außer sich und geht ins Kloster, um mit dem Patriarchen, der die Sturheit der christlichen Kirche verkörpert und keine andere Religion als die seine akzeptiert, zu sprechen. Dieser verlangt, dass der Jude, der es gewagt hat, ein christliches Kind zu erziehen, ausgeliefert und verbrannt werden soll. Nach dieser schrecklichen Antwort geht der Tempelherr zum Sultan, und bittet ihn um Hilfe. Dieser verspricht zu helfen und lässt nach Recha suchen. Nathan geht gemeinsam mit dem Tempelherrn zum Sultan, wo sich mittlerweile auch Recha befindet und erfährt, dass der Tempelherr ihr Bruder ist.

3. Wirkungsgeschichte

Imitationen
Lessings "Nathan der Weise" rief nicht nur viele Rezensionen über die Jahre hervor, sondern wurde auch von zahlreichen Dichtern imitiert.
Schon 1782 schrieb Joh. Georg Pfranger eine christliche Fortsetzung zu "Nathan der Weise", genannt "Der Mönch von Libanon".
Im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche mehr oder weniger "Nathan der Weise" ähnelnde Werke geschrieben, die nicht mehr nur die religiöse Toleranz des Judentums, sondern die soziale Gleichberechtigung der Juden forderten. Beispiele hierfür wären Karl Lotichs "Wer war wohl mehr Jude" oder Carl Steinbergs "Menschen und Menschensituationen".
"Nathan der Weise" wurde von einigen Schriftstellern auch parodistisch bearbeitet, so zum Beispiel in Julius von Voß "Der travestierte Nathan der Weise". Nathan wird dort als immerzu an Handel denkender Mensch, der Tempelherr als geldgieriger Lügner und der Derwisch als von Frauen, Geld und Alkohol Begeisterter dargestellt.

4. Literarische Bedeutung

Lessings Zeitgenossen beurteilten "Nathan der Weise" insgesamt zwiespältig. Von christlichen Rezensenten wurde das Werk aufs Schärfste kritisiert. So wurde Lessing in Sachsen des Landes verwiesen, in Wien wurde das Stück zunächst nicht aufgeführt und in München ließ man den Patriarchen einfach weg.
Im Gegensatz dazu wurde das Stück von den Aufklärern gelobt und für ihre Zwecke eingesetzt.
Auf der Bühne war das Stück ein mäßiger Erfolg und wurde erst durch Schillers Bühnenbearbeitung erfolgreicher.
Im Sturm und Drang wurde Lessing hauptsächlich als Kritiker und nicht als Dichter gesehen.
Die Klassiker sahen Lessing als einen der ihren an. Goethe lobte "Nathan der Weise" als ein Stück, wo der Verstand fast allein spricht.
Heine bezeichnete Lessing als zweiten Luther, der konsequent die Reformation fortsetzt, und die Emanzipation des menschlichen Geistes von der Theologie beginnen lässt. Heine, der nicht mehr nur in der Tradition der Romantik stand, sondern schon zum Jungen Deutschland gerechnet wird, betonte die soziale Bedeutung des Stückes. Seiner Meinung nach war es nun an der Zeit, auch einen gesellschaftlichen Umbruch voranzutreiben.

5. Politische Bedeutung

Zu Lessings Lebzeiten wurde "Nathan der Weise" vom christlich-offiziellen Standpunkt aus abgelehnt.
Im Laufe des 19. Jahrhundert wurde Lessing von den unterschiedlichsten politischen Gruppen zum Vorbild auserkoren.
So wurde Lessing von denen, die sich um einen deutschen Nationalstaat bemühten, zum Ideal eines liberalen Politikers, der die nationale Einigung Deutschlands auf den Weg bringen könnte.
Die Liberalen sahen ihr Ziel in einer Religion bürgerlicher Sittlichkeit, das ihrer Meinung nach auch im "Nathan der Weise" verfolgt werde. Sie waren der Meinung, dass die von Lessing angestrebte Toleranz nun erreicht worden sei. Auf diese Aussage stützten sich die Hoffnungen der jüdischen Gemeinden, die zunehmend unter antisemitischen Anfeindungen litten.
Die Sozialisten und Marxisten sahen sich als wahre Erben Lessings. Dabei stützten sie sich auf Franz Mehring, der in "Die Lessing-Legende" Lessing als Erbgut für das Proletariat proklamierte und ihn zum Vorreiter im Kampf gegen die soziale Unterdrückung machte.
Auch die zunehmend erstarkenden antisemitischen und völkischen Kräfte eigneten sich Lessing an. Zunächst wurde Lessing aber noch als Judenfreund beschimpft. Teilweise wurde Lessing auch als Opfer der Juden dargestellt.
So verwundert es nicht, dass "Nathan der Weise" im Dritten Reich sowohl als Lektüre wie auch auf dem Theater verboten wurde, wobei das Stück das einzige Drama war, das von vornherein als unerwünscht galt und dessen Verbot sogar öffentlich bekannt gegeben wurde.
Nach dem Untergang des Dritten Reiches kam, wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, Lessings "Nathan der Weise" wieder auf die Bühne. Schon am 10.7.1945 wurde das Stück in Dresden uraufgeführt, und in den kommenden Jahren wurde "Nathan der Weise" überall in Deutschland gespielt. Obwohl die Deutschen durch das Stück wieder zu Demokratie und Toleranz erzogen werden sollten, vermied man Gegenwartsbezüge.
In den folgenden Jahren kam es zu unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in der BRD und der DDR.
In letzterer wurde Lessing in der Tradition Mehrings als sozialistischer Vorkämpfer und Wegbereiter für die Befreiung der Arbeiterklasse übernommen. Vor allem "Nathan der Weise" galt der DDR als zu ehrendes Erbe, da Lessing dort für die gleichen Ziele, nämlich Freiheit und Befreiung im Rahmen des sozialistischen Humanismus, eingetreten sei. So wurden viele Zitate des Nathans im sozialistischen Sinne verwendet. In Inszenierungen sollten die Parallelen des "Nathan der Weise" zum Sozialismus deutlich gemacht werden. Seit den 70er Jahren wurde Lessing nicht mehr nur unter dem Gesichtspunkt des Sozialismus, sondern auch unter dem des Religionskritikers und Geschichtsphilosophen betrachtet.
In der BRD wurde "Nathan der Weise" insgesamt unpolitisch behandelt. Zunächst zielte man auf Erschütterung, Mahnung und Läuterung ab und sah "Nathan der Weise" als ein aktuelles Stück an.
Der Patriarch wurde entweder gar nicht oder als ein so genannter "Ausrutscher" betrachtet und somit auf den Bühnen teilweise weggelassen.
Seit den 70er Jahren wurde "Nathan der Weise" zunehmend komödiantisch und realistisch, anstatt vergeistigt aufgeführt. Meist wurden aktuelle Bezüge in die Inszenierungen eingebracht, um so die Aktualität des Stückes aufzuzeigen.
Seit den 80er Jahren nahmen die Stimmen zu, die der Meinung waren, dass Lessing kaum noch ein attraktives Thema und heute bedeutungslos geworden sei.
Andererseits tritt das Grundproblem des Nathans auch heute immer noch in Erscheinung. Unter anderem in der Erklärung des
"DOMINUS IESUS", in der die katholische Kirche als die einzig wahre Religion dargestellt wurde. Ein anderes Beispiel ist die Zerstörung der Buddha - Statuen in Afghanistan durch die Taliban, welche keine andere Religion außer der eigenen
(dem Islam) akzeptieren.

6. Kirchliche Bedeutung

Zu allen Zeiten lehnte die Kirche "Nathan der Weise" als so genannten Anschlag auf das Christentum ab. Sie erreichte, dass Aufführungen verboten wurden, und beeinflusste Rezensenten. Man befürchtete, dass Christen Zweifel aufkämen und somit ihren Glauben an Christus verlieren könnten. Kritikpunkte waren vor allem die Ringparabel, die das Judentum, den Islam und das Christentum auf ein und dieselbe Stufe stellte.
Die Protestanten sahen ihre christliche Lehre im "Nathan der Weise" nicht angegriffen, ihnen reichten Stellungnahmen von Streitschriften bis hin zu Bemühungen, dem Gehalt des Stückes gerecht zu werden.
Die Katholiken sahen sich durch die Dogmenkritik Lessings und durch die Darstellung des Patriarchen angegriffen und lehnten das Stück kategorisch ab

Eine persönliche Nachbetrachtung

Unvoreingenommenheit, Toleranz, praktisches und vernünftiges Handeln, das sind Schlüsselwörter, die mir nach der Behandlung des Lessingschen "Nathans" im Unterricht bewußter und bedeutsamer wurden. Besonders die Ringparabel regte mich an, über "Gott und die Welt", im Besonderen über die Entstehung von Religionen, über ihre Rolle in der Geschichte und über institutionalisierten Glauben nachzudenken. Die einzig wahre Religion gibt es wohl nicht.
Wenn ich mir die Welt heute betrachte, so durchziehen Verhetzung und Hass, religiös verbrämter Fundamentalismus und fanatischer Terrorrismus die menschlichen Gesellschaften - und Kriege sind, neben handfesten ökonomischen Interessen, zugleich auch Glaubenskriege.
Insofern sollte unser Maßstab sein, die Errungenschaften der Aufklärung allen zugänglich zu machen, um das Leben in unserer gemeinsamen Welt friedlicher zu machen. Der "Nathan" gehört zu den Werken der Aufklärungsepoche, die kritisches Denken anstoßen können. Das sollte Grund genug sein, ihn in der Schule zu behandeln.

hoch
#98390 - 26/01/2005 07:10 Re: Was wissen Sie über Lessing
Claudia Poser-Ben Kahla Offline
Moderatorin
Mitglied***

Registriert: 01/05/2001
Beiträge: 44030
Ort: Gera

hoch
#98391 - 30/01/2005 18:29 Re: Was wissen Sie über Lessing
Gundula Offline
Mitglied

Registriert: 08/09/2004
Beiträge: 475
Ort: Berlin
Wer Interesse hat, in Berlin am Deutschen Theater kommt jetzt "Minna von Barnhelm" mit Martina Gedeck in der Titelrolle. Die Kritik war nicht so toll, aber kann ja jeder selbst entscheiden, ob und wie es ihm gefällt.

hoch
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